12. Februar 20174°C Frankfurt a. M.
Lade Inhalte...

UN-Gipfel Klimarettungsversuch - "Occupy Durban!"

Klimarettung im Rückwärtsgang: Bei der Konferenz in Südafrika geht es auch um die Glaubwürdigkeit der internationalen Politik. Warum der Kampf gegen die globale Erwärmung zu scheitern droht, erklären vier Beispiele.

Die Luftaufnahme zeigt einen riesigen Riss im Pine Island Gletscher in der Antarktis Foto: dapd/nasa

Es könnte brenzlig werden beim Klimagipfel. So richtig heiß. „Occupy Durban!“ forderte Costa Ricas Ex-Präsident José María Figueres jüngst von den Delegierten der am stärksten vom Klimawandel gebeutelten Staaten. „Wir brauchen eine Botschaft der Solidarität dieser Länder, die am meisten betroffen sind.“ Denn: „Sie gehen von Konferenz zu Konferenz ohne Antworten auf die drängenden Themen.“

Es zeichnet sich ein Showdown ab auf dem Weltgipfel im südafrikanischen Durban, der am heutigen Montag beginnt. Ein Showdown zwischen den Opfern des Klimawandels in den armen „Südstaaten“ – etwa in Afrika und im Pazifik– und den notorischen Verhandlungsbremsern aus dem Norden, den Industrienationen und den aufstrebenden Schwellenländern wie China. Am Ende wird sich zeigen, ob es überhaupt lohnt, den Kyoto-Weg weiter zu gehen.

"Klimawandel nicht mehr auf politischer Agenda"

Figueres’ Appell könnte Wirkung zeigen. Seyni Nafo, Sprecher der afrikanischen Länder, sympathisiert damit: „Wir verstehen die Situation Europas und Japans“, sagt er. Eurokrise, Erdbeben, Fukushima, das alles koste dort viel Geld und politische Energie. „Es scheint, dass die Bekämpfung des Klimawandels nicht mehr auf der globalen Agenda steht.“ Man müsse deswegen Aktionen erwägen, die sie zurück in die Öffentlichkeit rufen. Ein Delegierter aus der Entwicklungsländergruppe der „G.77“ weiß: „Es gibt Überlegungen unter Delegierten, die Tagungsräume zu besetzen. Es müsste gut geplant sein, um etwas bewirken zu können.“

Tausende Delegierte und Beobachter aus 195 Staaten treffen sich in der Hafenstadt Durban. Zwei Wochen wird verhandelt, wie jedes Jahr im Herbst. Es ist bereits die 17. Weltklimakonferenz. Fast zwei Jahrzehnte sind seit dem legendären Gipfel von Rio 1992 vergangen, bei dem man feierlich beschloss, Entwicklung und Umwelt zu versöhnen – und vor allem den Klimawandel beherrschbar zu halten.

2012 aber läuft das Kyoto-Protokoll, das die Industriestaaten zur CO2-Reduktion um rund fünf Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 verpflichtete, aus. 2009 scheiterte die Staatengemeinschaft auf dramatische Weise damit, in Kopenhagen einen

Nachfolgevertrag zu beschließen. Die Chance, jetzt einen Vertrag zusammenzuzimmern, ist gleich Null. „Es droht ein klimapolitisches Vakuum“, befürchtet Achim Steiner, Chef des UN-Umweltprogramms. Durban wird nur dann halbwegs ein Erfolg, wenn „Kyoto“ quasi verlängert würde und es ein festes Mandat für einen ganz neuen Klimavertrag gäbe, der die größten CO2-Produzenten einbindet und frühestens 2015 beschlossen werden könnte. Ohne Verlängerung droht die Basis, etwa für den EU-Emissionshandel oder die bewährten „flexiblen Mechanismen“ wie den CDM („Clean Development Mechanism“), wegzubrechen, mit denen zum Beispiel Industriestaaten in Entwicklungsländern den Klimaschutz finanzieren. Dieses „Kyoto-plus“ zu erreichen, wird nicht einfach, weil wichtige Länder wie Japan und Russland genau das nicht wollen. Zudem tritt auch die EU nicht mehr als Zugpferd auf. Sie hat ihr Reduktionsziel für 2020 mit minus 20 Prozent bereits freiwillig aufgestellt. Sie könnte Durban noch Schwung geben, indem sie auf 30 Prozent erhöht. Die Chancen dafür: minimal.

"Eine Menge steht auf dem Spiel"

Ein neues Klimaprotokoll ohne die USA, China und die Schwellenländer wäre so gut wie sinnlos, da die Amerikaner alleine mehr als 20 Prozent der globalen Emissionen besorgen und der CO2-Ausstoß der Schwellenländer atemberaubend zunimmt.

Fahren die Delegierten aber nach zwei Wochen ohne neue Verabredung nach Hause, kann man sich künftige Gipfel eigentlich sparen – und für den Klimaschutz unter dem UN-Dach sähe es sehr trübe aus. Durban von vorneherein abzuschreiben, halten aber selbst die kritischen Umweltverbände für falsch. „Es steht eine ganze Menge auf dem Spiel“, findet Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser. Neben „Kyoto-plus“ gibt es noch zwei wichtige Themen: den Schutz der klimastabilisierenden Wälder, über den auf dem letzten Gipfel in mexikanischen Cancun bereits Fortschritte erzielt wurden, und die Klimaschutz-Finanzierung in den Entwicklungsländern.

Grundsätzlich hatten die Staaten in Cancun akzeptiert, dass die armen Länder künftig rund 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr erhalten – für saubere Energietechnologie und die Anpassung an den Klimawandel, also etwa für Deichbau, Ernährungssicherung oder besseren Gesundheitsschutz. In Durban soll dazu ein „Green Climate Fund“ beschlossen werden, aus dem das Geld dann verteilt werden soll. Wenn das klappt, wäre es ein großer Fortschritt. Noch besser wäre es, wenn auch im Detail festgelegt würde, wo das Geld herkommen wird. Die armen Länder erwarten da konkrete Zusagen der reichen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Kontakt
  • Wir über uns
  • Impressum
  • Sitemap