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WHO Das Atmen fällt schwer

Laut einer Studie der WHO atmen 90 Prozent der Weltbevölkerung zu viele Schadstoffe ein.

Mumbai
Neun von zehn Menschen auf der Erde atmen ständig Luft, die zu stark belastet ist: hier in Mumbai. Foto: rtr

Feinstaub, Stickoxide, Ozon – diese Schadstoffe sind weltweite Killer. Neun von zehn Menschen auf der Erde atmen ständig Luft, die zu stark belastet ist, und jedes Jahr sterben Millionen Menschen vorzeitig an Krankheiten, die dadurch ausgelöst werden. Das zeigt eine neue Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die am Mittwoch veröffentlicht wurde. „Luftverschmutzung trifft uns alle, aber die ärmsten und am stärksten marginalisierten Menschen tragen die Hauptlast“, warnte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Obwohl es durchaus Gegenmaßnahmen gibt, verbessert sich die Lage vielerorts nur langsam.

Der gefährlichste Luftschadstoff ist der Feinstaub, den die WHO alleine für rund sieben Millionen Todesfälle jährlich verantwortlich macht. Hauptquelle für die Partikel sind offene Kochstellen in armen Haushalten in Entwicklungsländern, hinzu kommen der Verkehr, Kohlekraftwerke und die Industrie. Dass das offene Verbrennen von Holz und andere Biomasse zu schweren Gesundheitsschäden führen kann, ist ein altbekanntes Problem. Doch noch immer sind laut der Studie über drei Milliarden Menschen, also fast die Hälfte der Weltbevölkerung – darauf angewiesen, um warmes Essen zubereiten zu können. Es sei untragbar, dass so viele Menschen „täglich tödlichen Rauch einatmen, der von den Öfen und Kochern in ihren Häusern stammt“, sagte der WHO-Chef. Die meisten von ihnen seien Frauen und Kinder.

Am häufigsten betroffen von der ungesunden Luft ist die Bevölkerung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, vor allen in Afrika und Asien, aber auch in ärmeren Staaten im Nahen Osten, Europa und Amerika. In fast allen Megacities der Erde werden die von der WHO empfohlenen Grenzwerte regelmäßig um mehr als das Fünffache überschritten. Als besonders stark belastete „Smog-Hauptstädte“ gelten unter anderem Peking, Neu-Delhi, Dhaka oder Kairo. Hier gehen die Menschen teilweise nur noch mit Atemschutz auf die Straße. Allerdings gibt es Grenzwert-Überschreitungen auch in den reichen Industrieländern. So liegen die Feinstaub- und Stickoxid-Konzentrationen auch in vielen deutschen Großstädten über dem Limit, weswegen nun Fahrverbote für ältere Diesel-Pkw und solche mit „Schummel-Software“ drohen, deren Stickoxid-Reinigung regelmäßig abgeschaltet wird. Laut WHO sinkt die durchschnittliche Lebenserwartung auch in den reichen europäischen Industriestaaten messbar durch die Luftverschmutzung, nämlich je nach Region um zwei bis 24 Monate.

Die Folgen der dreckigen Luft auf die Gesundheit sind vielfältig, sie gilt als Auslöser unter anderem von Herzinfarkten und Schlaganfällen, Lungenkrebs und chronischen Atemwegserkrankungen. Die WHO schätzt, dass jeweils etwa ein Viertel der Todesfälle durch Herz- und Kreislauferkrankungen sowie durch Schlaganfälle auf ihr Konto gehen, bei Lungenkrebs sind es sogar 29 Prozent.

WHO-Chef Tedros sieht trotz des düsteren Bildes durchaus Ansätze, die Probleme zu lösen. „Die gute Nachricht: Mehr und mehr Regierungen verpflichten sich dazu, die Luftverschmutzung nicht nur zu messen, sondern auch darauf zu reagieren.“ So haben weltweit inzwischen mehr Menschen Zugang zu besserer Koch-Technik bekommen, etwa durch Zugang zur Gasversorgung, Strom-Kochstellen oder Biogas-Nutzung.

Bisher halten die Verbesserungen laut WHO in vielen Teilen der Welt zwar noch nicht Schritt mit dem Wachstum der Bevölkerung, besonders in Mittel- und Südafrika.

Dass das nicht so bleiben muss, zeigt ein Beispiel aus Indien. Dort hat die Regierung in Neu-Delhi ein Programm aufgelegt, mit dem binnen nur zwei Jahren 37 Millionen Haushalten der kostenlose Anschluss an die Gasversorgung ermöglicht wurde. Auch Mexiko erhält ein Lob von der WHO, nämlich für seine Maßnahmen im Verkehrssektor. Das Land hat die Abgas-Grenzwerte für Fahrzeuge verschärft. Unter anderem sollen dort ab 2025 private Autos mit Diesel-Motor verboten werden.

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