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Wale Die unbekannten Riesen im Mittelmeer

Vor Mallorca und Ibiza leben Wale – ohne das Wissen vieler Insulaner. Wissenschaftler und Umweltaktivisten haben die Meeressäuger indessen schon länger im Fokus - nun reagiert auch die spanische Regierung.

Pottwale
Pottwale durchwandern alle Ozeane. Ihre Artgenossen im Mittelmeer dagegen leben nahezu isoliert. Foto: rtr

Noch vor zehn Jahren hätte Alfonso Sánchez so jemanden wohl auch für verrückt erklärt. Heute arbeitet er bei der mallorquinischen Umweltorganisation „Alianza Mar Blava“ (Bündnis Blaues Meer), die sich vor allem gegen eine Erdölförderung im Mittelmeer einsetzt – und damit für die Wale. Beim Treffen in Palma hat Sánchez eine eigene Erklärung dafür, warum die Insulaner und mit ihnen die ausländische Öffentlichkeit nichts von den Walen im Mittelmeer weiß: „Die Fischer vor 150 Jahren wussten noch sehr gut, dass Wale ihre Konkurrenten sind. Aber dann hat sich das erledigt mit der Fischerei, weil hier kein großer Fang zu machen ist.“ So sei der Kontakt zu den Weiten des Meeres verloren gegangen und auch das Wissen darüber, was sich in seinen Tiefen tümmele. „Heute ist das Hauptgeschäft der Tourismus, und alle interessiert nur noch, was am Ufer geschieht – aber nicht in der Tiefsee.“

Das ist freilich anders bei Unternehmen, die im Mittelmeer auf lukrative Quellen für fossile Brennstoffe hoffen. Um gegen die in den vergangenen Jahren zu Hauf bei der Regierung eingegangen Anträge auf Erdöl-Projekte im spanischen Mittelmeerraum vorzugehen, hat sich 2013 die „Alianza Mar Blava“ gegründet. In sieben Fällen haben die Umweltaktivisten bereits so viele Unterschriften gesammelt, dass die Regierung nicht anders konnte als den ausländischen Firmen einen Korb zu geben. Alfonso Sánchez zufolge ist es für die Wale nicht erst ein Super-Gau, wenn Firmen tatsächlich fündig würden: „Schon die Suche nach Quellen ist eine enorme Bedrohung für die Wale, die über Echolot kommunizieren. Seismische Untersuchungen arbeiten mit Explosionen im Hochfrequenzbereich, deren Echo Rückschlüsse auf die Meeresbodenbeschaffung zulässt. Das ist um ein Vielfaches lauter als ein abhebendes Flugzeug und ein Horror für die Wale.“

Ganz zu schweigen von den Risiken, denen die Wale – und mit ihnen alle, die im Meer schwimmen – konfrontiert sind, wenn ein Erdölprojekt erst zustande kommt: Sánchez verweist auf die Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko vor acht Jahren, als rund eine Millionen Liter Erdöl ins Meer strömten.

„Wehret den Anfängen“ ist da das Motto der „Alianza Mar Blava“, die zuletzt ihr Ass im Ärmel zückte – oder besser ein Papier in der Regierungsschublade, das auf 1999 datiert: Schon damals ratifizierte die spanische Regierung die so genannte Konvention von Barcelona des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, worin beschlossen wurde, Belastungen, die auch Meeressäuger im Mittelmeer gefährden, möglichst Einhalt zu gebieten. „Aber die spanische Regierung hat seither nichts getan.“

Lediglich eine Untersuchung habe sie angestrengt, um die Hot-Spots der Wale in den spanischen Gewässern zu eruieren. 2004 wurde die Studie vorgelegt – doch seither passierte nichts. Dabei war schon damals klar, dass vor allem zwischen dem spanischen Festland und der Nordküste der Balearen ein sensibler Bereich für die Mittelmeerwale ist. Daran hat die „Alianza Mar Blava“ die unter Ministerpräsident Pedro Sánchez zur Jahresmitte neu zustande gekommene Regierung nun erinnert – und tatsächlich erreicht, dass der Wal-Korridor von 2004 nun in Kraft tritt.

„Das Ziel ist, die Tiere vor den Auswirkungen von Unterwasserlärm zu schützen“, sagte die neu amtierende Umweltministerin Teresa Ribera der spanischen Nachrichtenagentur Efe. Ölbohrprojekte sind in dem Wal-Korridor nun passé – bis auf dasjenige, das bereits vor der Küste Tarragonas ansässig ist und dessen Lizenz in fünf Jahren abläuft.

Alfonso Sánchez ist vorsichtig optimistisch: „Es ist ein Etappenziel. Wir wollen, dass nirgends im Mittelmeer Erdöl gefördert wird. Und ich bin sicher, dass die Wale das auch nicht wollen.“

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