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Waldwirtschaft Wald kann mehr Klimaschutz

Die Bewirtschaftung der Wälder muss ökologischer werden – sonst gehen wichtige Funktionen verloren.

Forst nahe Hamburg
Als Kohlenstoffspeicher spielen Wälder – hier ein Forst in der Nähe von Hamburg – eine wichtige Rolle. Foto: getty

Mit einer groß angelegten Aufforstungsaktion machte China kürzlich Schlagzeilen. Die Armee des Landes kommandierte ein ganzes Regiment ab, um neue Wälder anzupflanzen. Asiatische Zeitungen berichteten ausführlich, Fotos zeigten lächelnde Soldaten inmitten junger Bäume. Nach dem Willen der chinesischen Führung soll der Waldanteil an der Landesfläche in wenigen Jahren von 20 auf 25 Prozent anwachsen. Allein in diesem Jahr sollen gut acht Millionen Hektar Forstfläche hinzukommen.

Der Einsatz von Soldaten zur Aufforstung mutet seltsam an. Doch die geplante Ausweitung der Waldfläche ist auf jeden Fall eine kluge Strategie. Denn Wälder helfen, wie im Falle Chinas, Wüstenbildung und extreme Luftverschmutzung einzudämmen. Und sie sind für das Klima von größter Bedeutung – als Kohlenstoffspeicher und als natürlicher und kosteneffizienter Beitrag, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens doch noch zu schaffen.

Das gilt auch für Deutschland. In regelmäßigen Abständen lässt die Bundesregierung prüfen, wie es um den Zustand der deutschen Wälder bestellt ist. Ihr jüngster Waldbericht für 2017 fiel durchweg positiv aus. Das Waldsterben geht zurück, die Bäume erholen sich, sogar die Waldfläche von derzeit 32 Prozent wächst wieder, wenn auch langsam.

Auch die Speicherleistung von Kohlenstoff kann sich sehen lassen. Insgesamt 2,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff sind im Wald gespeichert – je zur Hälfte in den Bäumen und im Boden. Zusätzlich holt der Wald große Mengen an CO2 aus der Atmosphäre. Nach Abzug des Holzeinschlags sind das im Jahr gut 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid.

In Zukunft wird diese Klimaleistung des Waldes sogar noch wichtiger. Denn die EU will auch die Wälder einbeziehen, um ihre Klimaziele für 2030 zu erreichen. Das wirft die Frage auf, wie sich die Speicherfähigkeit des deutschen Waldes künftig entwickeln wird.

Wissenschaftler des Freiburger Öko-Instituts haben nun einen Blick in die Zukunft getan und die Klimabilanz der deutschen Wälder für die kommenden 90 Jahre mit Computersimulationen modelliert. Die Studie, die das Institut im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace vorgelegt hat, kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Deutschlands Wälder könnten deutlich mehr zum Klimaschutz beitragen. Voraussetzung wäre allerdings eine naturnähere Bewirtschaftung. „Wird der Wald ökologischer und weniger intensiv bewirtschaftet, steigt sein Beitrag zum Klimaschutz“, fasst Hannes Böttcher vom Öko-Institut das Resultat gegenüber der Frankfurter Rundschau zusammen.

Böttcher und seine Kollegen haben drei Szenarien untersucht. Beim Basis-Szenario bleibt alles so, wie es heute ist. Nur vier Prozent des Waldes sind sich selbst überlassen, der Rest wird von der Forstwirtschaft genutzt. Durch die regelmäßige Entnahme von Holz sinkt mit der Zeit die Menge an CO2, die der Wald pro Jahr aufnimmt. Am Ende des Jahrhunderts wären es nur noch rund 17 Millionen Tonnen Kohlendioxid – sehr viel weniger als heute.

Im Holz-Szenario wird künftig doppelt so viel Holz entnommen wie bislang. Bei dieser intensivierten Nutzung können die Wälder nur noch 1,4 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr speichern. Für den Klimaschutz wäre das die denkbar schlechteste Variante.

Würde man die Holzentnahmen indes um ein Viertel verringern und die Flächen ohne Holznutzung auf 16 Prozent vervierfachen, wäre die Speicherrate deutlich besser. 48 Millionen Tonnen CO2 könnten die Wälder schließlich pro Jahr speichern. Zählt man auch Totholz, Boden und Holzprodukte hinzu, wären es sogar 56 Millionen Tonnen. „Das liegt daran, dass der Holzvorrat im Wald stark ansteigen würde und nicht mehr gedeckelt ist, so wie heute“, erläutert Waldexperte Böttcher. „Das ist die entscheidende Größe.“

„Waldvision“ nennt Greenpeace dieses Szenario. Eine ökologische, bewusst schonende Waldwirtschaft wäre damit erreicht. Etwa die Hälfte des CO2-Ausstoßes von Pkw in Deutschland könnte so ausgeglichen werden. Da sich viele Wälder in privater Hand befinden, müssten allerdings finanzielle Anreizsysteme und gesetzliche Mindeststandards für die Waldbewirtschaftung entwickelt werden, damit die Vision Wirklichkeit werden kann.

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