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Waldbrände In Kalifornien brennt es fast das ganze Jahr

Eine Feuersaison von historischen Ausmaßen wütet derzeit in dem US-Bundesstaat. Umstellen muss sich in Zukunft auch Deutschland.

Waldbrände in Kalifornien
Ein Feuerwehrmann versucht einen Brand entlang des Highway 108 im Norden Kaliforniens zu löschen. Foto: dpa

Es begann relativ harmlos mit einem mechanischen Fehler eines Fahrzeugs im Norden Kaliforniens, das Feuer fing. Am Ende stand ein Großbrand, der sich zur Apokalypse für eine ganze Region auswuchs. Schon seit Juli wütet das „Carr Fire“ nahe der Stadt Redding 200 Kilometer nördlich von San Francisco, sieben Menschen kamen ums Leben, Zehntausende mussten evakuiert werden.

Doch das „Carr Fire“ ist nur einer von derzeit 40 aktiven Waldbränden in dem US-Bundesstaat. Im Bezirk Mendocino haben sich zwei Feuer rapide ausgeweitet und sind zum größten jemals in Kalifornien registrierten Waldbrand geworden. Auch unweit des Yosemite-Nationalparks tobt ein großer Brand, das Tal musste gesperrt werden.

Waldbrände sind für Kalifornien nichts Ungewöhnliches

An sich sind Waldbrände für den Westküstenstaat nichts Ungewöhnliches. Allerdings gehen Experten davon aus, dass Brände im Zuge des Klimawandels eine neue Stufe erreichen, auf die die Kalifornier bisher noch nicht vorbereitet sind. Laut einer Statistik der Forst- und Brandschutzbehörde Cal Fire fallen sieben der zwölf zerstörerischsten Brände in die Zeit seit 2015.

Lindon Pronto weiß, wie es sich anfühlt, inmitten der Flammen in Kalifornien zu stehen und gegen die Brände zu kämpfen. Er hat mehrere Jahre als Feuerwehrmann im Norden des Bundesstaats gearbeitet, bevor er 2015 zum Global Fire Monitoring Center (GFMC) wechselte, einer Außenstelle des Max-Planck-Instituts für Chemie an der Universität Freiburg.

In seiner Heimat, sagt der Brandforscher, sei man an die Brände gewöhnt. „Die USA setzen sich seit mehr als einem Jahrhundert mit großen Landschaftsbränden auseinander“, so Pronto. „Brände gehören zur nordamerikanischen Landschaft und sind für viele Ökosysteme wichtig, die sich erst mit natürlichen Bränden entwickelt haben.“

Allerdings habe sich in den vergangenen Jahrzehnten viel verändert: Die Wald- und Buschlandschaften in den USA brennen heute häufiger und auf größerem Gebiet, und die Feuersaison dauert heute fast drei Monate länger als noch in den 1970er Jahren. In Kalifornien gibt es inzwischen das ganze Jahr Landschaftsbrände. Und sie erreichen immer häufiger auch Städte, wie Ende 2017, als die Flammen auf Los Angeles übergriffen und 200.000 Menschen evakuiert werden mussten.

„Die Feuer bewegen sich in städtische Gebiete, deshalb müssen Feuerwehrleute ihre Prioritäten verschieben – von der Bekämpfung und Eindämmung der Brände im ganzen Umfang zum unmittelbaren Schutz von Leben und Eigentum“, sagt Pronto.

Die Rolle des Klimawandels

Welche Rolle spielt der Klimawandel bei all den Veränderungen? „Man kann dem Klimawandel nicht die Schuld für den Ausbruch von Landschaftsbränden geben“, sagt Lindon Pronto. „Aber der Klimawandel ist verantwortlich für das vermehrte Auftreten von Wetterextremen wie anhaltenden Trockenzeiten, die wiederum die Schwere und das Verhalten eines Brandes beeinflussen.“

Im Fall von Kalifornien ist es die extreme Trockenheit, die seit Monaten herrscht. Die Hitze lässt den Bewuchs so austrocknen, dass er leicht entflammbar ist – ob nun durch Brandstiftung, außer Kontrolle geratene Lagerfeuer oder Blitze. „Die Kombination von hohen Temperaturen, niedriger Luftfeuchtigkeit und starken Winden kann explosive Situationen verursachen“, so Pronto.

Von Bränden wie in Kalifornien dürfte Deutschland auch in Zukunft verschont bleiben.

Hierzulande herrschen ganz andere klimatische Bedingungen. Allerdings dürfte sich im Zuge des Klimawandels auch bei uns die Gefahr von Landschaftsbränden deutlich erhöhen. „In einem sich ändernden Klima mit mehr Wetterextremen muss Deutschland Brände in Wäldern und Offenlandschaften als wachsendes Risiko behandeln“, sagt Pronto. Und da lohne sich ein Blick nach Kalifornien. „Eine reine Kopie des für Amerika typischen Umgangs mit Bränden kann nicht die Antwort sein, nichtsdestotrotz kann Deutschland aus den Erfahrungen von Ländern wie den USA lernen.“

Insgesamt sieht Pronto Deutschland eher schlecht aufgestellt für die Bedingungen, die zu erwarten sind. „Feuerwehrleute in Deutschland sind im Prinzip nicht trainiert oder angemessen ausgerüstet, um große Brände auf dem Land zu bekämpfen.“

Um einen Waldbrand in den Griff zu bekommen, brauche es ganz andere Strategien und Taktiken, andere Schutzkleidung und Ausrüstung. „Bisher war das nicht so wichtig, aber dieser Sommer hat uns gezeigt, dass durch den Klimawandel Landschaftsbrände in mittel- und nordeuropäischen Ländern häufiger auftreten und schwerer zu kontrollieren sein werden.“

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