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Wald im Wandel Waldbaden mit allen Sinnen

Regelmäßiges Flanieren unter Bäumen fördert die Gesundheit – das machen sich auch Touristiker zunutze.

Waldbaden
Sonne genießen und Baumrinde schnuppern. Foto: Gabriele Skrock

Wie der Wald auf den Menschen wirkt, ist bei den Dichtern nachzulesen. Für Franz Kafka hat der Wald eine mystische Aura. Er schrieb aus dem Böhmerwald an Max Brod: „Denn in den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte.“ In Märchen sind Wälder Orte des Schreckens, in denen Hexen und Wölfe lauern, doch wer seine Angst überwindet und sich in der Gefahr bewährt, tritt gereift aus dem Schatten der Bäume hervor. Auf der Suche nach neuen Marketingideen haben Touristiker längst auch die märchenhafte Seite des Waldes entdeckt. Die Tourismus-Gesellschaft des Main-Kinzig-Kreises wirbt mit dem „mystischen“ und „geheimnisvollen“ Spessart um Gäste, zumal die Brüder Grimm dort geboren und aufgewachsen sind.

Überhaupt ist der Wald einer umfassenden Vermarktung ausgesetzt. Statt biederer Trimm-Dich-Pfade locken Flow-Trails für Mountainbiker, Kletterwälder, Baumwipfelpfade und Baumhaushotels mit Abenteuern unter Bäumen.

Romantiker wie Joseph Freiherr von Eichendorff besangen den Wald als Ort der Sehnsucht und des Rückzugs von der Welt: „Da draußen, stets betrogen,/Saust die geschäft’ge Welt,/Schlag noch einmal die Bogen/Um mich, du grünes Zelt!“

An Eichendorffs Vision vom Wald als Gegenwelt und Ruhezone knüpft ein Trend an, der die gesundheitsfördernden Wirkungen des Waldspaziergangs mit wissenschaftlicher Expertise zu untermauern sucht. Von Waldtherapie ist da die Rede, meist unter Bezug auf das japanische Waldbaden. Damit ist das Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes gemeint, eine Art Wald-Wellness für Körper und Seele.

In Japan ist es als Stress-Management-Methode anerkannt, wird wissenschaftlich erforscht und vom Gesundheitswesen gefördert. Beim Waldbad geht es um Entschleunigung und sinnliche Erfahrung, um die Verbindung zur Natur: würzige Luft atmen, Blätterrascheln und Vogelgezwitscher lauschen, federnden Boden oder weiches Moos spüren, die unterschiedlichen Rinden der Bäume ertasten und im besten Fall Eichhörnchen oder Rehe beobachten. Ein Waldspaziergang in aller Gemütsruhe und mit wachen Sinnen soll auch medizinisch nachweisbare Effekte haben. Diverse Studien, vor allem aus Japan und Südkorea, belegen die stressreduzierende Wirkung. Im Blut zirkuliert nach einem Gang durch den Wald weniger Cortisol, ein Hormon, das unter Stress vermehrt ausgeschüttet wird.

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