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Wald im Wandel Uralt wird kaum ein deutscher Baum

Die wirtschaftliche Nutzung prägt unsere Wälder. Nur auf wenigen Flächen dürfen sie natürlich wachsen.

Douglasie
Die nordamerikanische Douglasie wird immer häufiger auch in Hessen angepflanzt. Foto: Stephan Börnecke

Ein Blick in bayerische oder hessische Wälder scheint die Behauptung zu bestätigen: Da wachsen im Schatten einzelner erwachsener Bäume unzählige gepflanzte Douglasien heran. Zehn Prozent der hessischen Wälder, so das Ziel für 2050, sollen mit dieser nordamerikanischen Baumart bewachsen sein. Hauptgrund, sagt der Chef des Landesbetriebs Hessen-Forst, Michael Gerst, zur FR: Die Douglasie sei eine „klimaadaptive Baumart“, komme besser sowohl mit Trockenheit als auch mit Stürmen klar. Während Naturschützer auch heimische Baumarten für geeignet halten, dem Klimawandel zu trotzen, sieht das Bundesamt für Naturschutz in der Douglasie sogar eine invasive, weil heimische Pflanzenarten verdrängende Baumart. 

Ob in den Wäldern an der Wilhelmshöhe oberhalb von Kassel oder im Spessart: Hessen-Forst steckt seine Douglasien-Setzlinge in eine grünliche Schutzhülle. Oben die schirmenden Äste alter Buchen, unten ein Waldmeer aus Plastiktüten, um die jungen Nordamerikaner gegen gefräßige Rehe oder Hirsche zu schützen. 

Dabei hatte unlängst der hessische Rotwildskandal ein Schlaglicht auf überbordende Wildbestände im Spessart geworfen: Jahrelang duldete die Forstbehörde große Hirschrudel von 60 bis 70 oder mehr Tieren. Wild vor Wald – diese Devise richtete massive Schäden am Wald an, hinterließ Bonsai-Bäume und entrindete Jungbäume. 

Inzwischen sind zwar die Abschüsse erhöht worden, der hessische BUND aber bezweifelt den Erfolg. BUND-Vorstand Jörg Nitsch, der den erhöhten Abschuss für zu gering hält, zur FR: „Angesichts von Millionenschäden am Staatseigentum Wald“ müsse der „Vorrang des Waldschutzes vor dem Wunsch der Jägerschaft nach hohen Wilddichten dringend umgesetzt werden. Es ist inakzeptabel, dass letztlich durch Staatsbedienstete selbst die riesigen Waldschäden verursacht werden.“

Das tut auch deshalb Not, weil nur noch Bruchteile der deutschen Wälder sich selbst überlassen bleiben. Zwar legt die Nationale Biodiversitätsstrategie (NBS) fest, dass bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich und frei von Säge und Harvester gedeihen dürfen, sich also hin zum Urwald entwickeln sollen.

Nach dem jüngsten Wald-Ranking von Greenpeace halten sich lediglich vier Bundesländer, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein, an dieses Ziel. Immerhin in Hessen gibt es einen Silberstreif: Hier, bestätigt Gerst der FR, seien inzwischen acht Prozent der Wälder „einer natürlichen Waldentwicklung vorbehalten“. Doch das gilt nur für den Staatsbesitz, nicht aber für Kommunal- und Privatwälder. 

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