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Vögel Basstölpel, Ziegenmelker und Trottellumme

Einfache Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt: Wie Vögel zu ihren merkwürdigen Namen kommen.

Brutzeit auf Helgoland
Tölpelhaft? Nein, eher clever: Basstölpel mit ihren Jungen auf der Insel Helgoland. Foto: dpa

Den Alpenstrandläufer verbindet nichts mit Alpen und Strand – diese Kreuzung wäre geografisch auch zu selten -, sondern damit, dass Linné bei seiner berühmten Expedition durch Lappland die dortigen Gebirgszüge als Alpen bezeichnete und Vögel fand, die sich gern an Ufern tummelten. Er ordnete ihnen 1758 den Namen Calidris alpina zu, ein Rückgriff auf kleine, graue Wasservögel, denen wohl Aristoteles die Bezeichnung skalidris gegeben hatte.

Klar dürfte sein, dass ein Mönchsgeier nichts mit Mönchen zu schaffen hat, der ebenso scheue wie farbenfrohe Papstfink (aus der Familie der Kardinäle!) nichts mit dem Papst, der Dompfaff nicht mit Domen. Oder doch? Nun, vom Mönchsgeier wird gesagt, dass sein dunkelbraunes Gefieder einer Mönchskutte gleiche (weshalb ihn manche Experten auch Kuttengeier nennen), und vom Dompfaff heißt es, dass sich seine hübsche rötliche Brust auf die roten Talare von Domprälaten beziehe. Nebenbei: Einen Göttervogel gibt es auch, er lebt in den Regenwäldern Neuguineas und gehört – natürlich – zu den Paradiesvögeln.

Melkt der Ziegenmelker Ziegen?

Doch wie ist das mit dem Ziegenmelker? Melkt er Ziegen? Wie stellt er das an? Nein, es sieht nur so aus, weil er, auch unter dem Namen Nachtschwalbe segelnd, gern in der Nähe von Schaf- und Ziegeneutern nach Insekten jagt. Das wirkt fast so, als würde er sie dabei melken. Die aus dem Fernen Osten stammende Mandarinente hat nicht direkt mit Obst zu tun, sondern mit den alten chinesischen Beamten, die Mandarine hießen und eine gelbliche Uniform trugen. Von der Schnatterente meinen die Fachleute, sie schnattere nicht, sondern knarre oder knätsche – so lautmalend steht die Sprache für schwere Fälle bereit.

Beim Kiebitz und dem Kiebitzregenpfeifer ist es so, dass sie dem Namen zum Trotz so wenig miteinander verwandt sind wie der Kaiserpinguin mit der Kaisergans. Vermutlich gab es hier einmal einen Übersetzungsfehler. Nicht wörtlich sind auch die in Amerika heimischen Singvögel zu nehmen, die ein „Tyrann“ im Namen führen, etwa der kleine Rotkopftyrann, der schlanke Kronentyrann und der unauffällige Ufertyrann. So toll und diktatorisch treiben sie es nicht.

Eindeutig sind dagegen die Fälle, die nach Leuten vom Fach benannt wurden – so der Baird-Strandläufer, der Maximilianpapagei, die Dupont-Lerche und die Bonaparte-Möwe (freilich stand hier nicht Napoleon Pate, sondern der Ornithologe Charles Bonaparte). Zum Schluss noch ein Tipp zur Trottellumme. Bringen Sie bei der nächsten Party die Sprache geschickt darauf, dass angeblich niemand weiß, woher dieser skandinavische Tauchvogel seinen Namen hat, der es immerhin schon auf eine norwegische Briefmarke gebracht hat. Sie aber haben eine starke Vermutung und machen damit Eindruck: Der allwissende Linné soll diese Art nach seinem italienischen Kollegen Troili benannt haben; in unserer Sprache wurde daraus die Troillumme.

Manche Leute redeten aber einfach von der dummen Lumme, weil sie sehr behäbig statt flott flüchtend und flatterhaft ist. Und allmählich wurde daraus die Trottellumme. Klingt viel einfacher, hat aber einen langen phonetischen Flug hinter sich.

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