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Umwelt Die Retter der Artenvielfalt

Der Weltbiodiversitätsrat bereitet einen globalen Aktionsplan vor, um das Artensterben zu stoppen.

Urwald
Inferno im Paradies: Brandrodung im Amazonas. Foto: rtr

„Manche mögen denken, Artenvielfalt und genetische Variationen hätten nur einen ökologischen Wert“, kritisiert der britische Umweltforscher Robert Watson beim Autorentreffen des Weltbiodiversitätsrats IPBES in Frankfurt. „Die Menschheit hat aber auch eine ethische Verantwortung, das Artensterben zu stoppen. Artenvielfalt sichert unser aller Wohlergehen, sie ist zentral für die soziale Entwicklung und ein wichtiger Lieferant für Nahrung, Energie und Medizin. Machen wir so weiter mit der Ausbeutung der Meere und verschmutzen Erde, Luft und Gewässer, untergraben wir unsere Zukunft.“ Zudem stehe der Biodiversitätsverlust in einer engen Wechselwirkung mit dem Klimawandel. 

Watson ist Vorsitzender vom unabhängigen Weltbiodiversitätsrat IPBES. Derzeit arbeiten 150 Experten aus mehr als 50 Ländern an einem Bericht zur weltweiten biologischen Vielfalt, der im Frühjahr bei einer Vollversammlung in Frankreich verabschiedet werden soll. 

Bevor es letztlich zur Verabschiedung eines Papieres von den 130 IPBES-Mitgliedstaaten kommt, werden den Teilnehmern die letzten Kraftreserven abverlangt – so ein Verhandlungsmarathon kann schon mal an die 30 Stunden dauern. Doch die Beteiligten sind optimistisch, dass eine Einigung erzielt wird – schließlich will im Fall des Scheiterns kein Land dafür verantwortlich gemacht werden.

Watson appelliert aber auch an jeden einzelnen von uns, anders zu handeln, beispielsweise den öffentlichen Nahverkehr statt das eigene Auto zu nutzen, denn „wir sind verantwortlich für Dinge, die woanders auf der Welt passieren“. 

Nicht nur der Klimawandel, auch die veränderte Landnutzung, insbesondere die nicht nachhaltige Bewirtschaftung von Acker- und Weideland ist der weltweit größte Treiber der Landdegradierung, die einen erheblichen Verlust an Biodiversität und Ökosystemleistungen verursacht.

Schätzungen zufolge könnten innerhalb der nächsten 30 Jahre dadurch 50 bis 700 Millionen Menschen zur Migration gezwungen werden. Gefährdet sind die Lebensgrundlagen und die Wirtschaft. Laut IPBES beträgt allein der weltweite Marktwert der Bestäuberleistung von Bienen, Schmetterlingen und Co. 200 bis mehr als 500 Milliarden Euro pro Jahr.

Migration von Millionen

Nicht nur in Deutschland sind viele Arten unter Druck: Vor allem die intensive Landwirtschaft, „die billige Nahrungsmittel produziere, müsse sich ändern. Der Einsatz von Neonikotinoiden ist tödlich für Insekten“, warnt die Direktorin vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt, Katrin Böhning-Gaese. 

In der Europäischen Union haben lediglich sieben Prozent der marinen Arten einen „günstigen Erhaltungszustand“. In Nordamerika gibt es bereits aktuell 31 Prozent weniger Arten als zur Zeit der ersten europäischen Einwanderer. „Wir wissen genug, um zu handeln“, betont Josef Settele vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Halle. 

Obwohl Studien belegen, dass etwa bei der Feldbestellung auch mit einem stark gedrosselten Einsatz von 70 Prozent weniger Insektiziden der gleiche Ertrag erzielt werden kann, müsse bei Landwirten und bei Politikern noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Viele positive Beispiele liefere im übrigen unser Nachbarland Frankreich, sagt Settele: „Die nachhaltige Nutzung und der Schutz der biologischen Vielfalt haben dort einen hohen Stellenwert.“

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