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Skifahren Über keinen Gipfeln ist Ruh’

Der Berg ruft, doch Naturschützer schlagen Alarm. Das Skivergnügen stresst immer stärker die einheimischen Tiere.

Skitourengeher
Skitourengeher erschließen sich ihr eigenes Skigebiet. Sie besteigen den Berg ohne Lift und fahren anschließend auf unerschlossenen Gebieten runter. Foto: epd

Kaum hat Marco Müller seine Schuhe auf seine Tourenski geklemmt und den Aufstieg in Richtung Benzingspitz begonnen, hält er auf dem schneebedeckten Pfad zwischen Latschen und Fichten plötzlich an. Er bückt sich und buddelt mit zwei Fingern im Schnee herum. „Fehlalarm. Kein Gestüber“, sagt er dann aber, nachdem er die braune, fingerbreite Ausgrabung inspiziert hat. Als Gebietsbetreuer im Mangfallgebirge, einem Vorläufer der bayerischen Alpen, sucht er auf seiner Tour nach der Losung der dort noch verbreiteten Birkhühner.

Die hellbraun gefiederten Hennen und blauschwarzen Hähne sind in Deutschland vom Aussterben bedroht. Gerade mal noch 300 Birkhühner leben nach Müllers Schätzung im 30 000 Hektar großen Mangfallgebirge. Im Winter, wenn Pistenrowdys den Birkhühnern die Reviere streitig machen, muss er sich besonders für den Schutz der gefährdeten Vögel einsetzen. Zum Überwintern nisten sich die Tiere am liebsten nah bei lichten Baumgruppen in luftigen 1700 Metern Höhe ein. So weit oben liegt auch der exklusiv für Birkhühner reservierte Benzingspitz, eines von rund 225 sogenannten Wald-Wild-Schongebieten, die das bayerische Umweltministerium und der Deutsche Alpenverein (DAV) in den gesamten bayerischen Alpen ausgewiesen haben. Wintersportler, vor allem Skitourengeher, die sich abseits aller Pisten in der freien Bergwelt bewegen, sollen diese nur für Wildtiere gedachten Gebiete „nicht befahren oder betreten“, wie auf dem Schild am Fuß des Benzingspitz’ zu lesen ist. 

Auch Müller hält hier an und blickt verärgert auf die frischen Spuren im Schnee, die ihm sagen, dass erst vor kurzem wieder über den Benzingspitz gebrettert worden ist. „Weil viele eben nur die beste Abfahrt im Sinn haben, aber nicht an den Tierschutz denken.“ Das komme aber den Birkhühnern allwinterlich teuer zu stehen, sagt Müller. „Die Tiere müssen den Organismus im Winter wahnsinnig nach unten fahren, um so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Und den Energieverlust, der durch die Störung auftritt, können sie nicht kompensieren, weil es hier oben im Moment keine Nahrung gibt. Das Einzige, was sie haben, sind Kiefernnadeln und vielleicht mal eine Knospe von einer Erle.“

Damit Tierschutz und Pistenspaß in den bayerischen Alpen gleichermaßen zum Tragen kommen, hat der Deutsche Alpenverein im Jahr 1995 das Projekt „Skibergsteigen umweltfreundlich“ aufgelegt – „zur naturverträglichen Ausübung und zur nachhaltigen Sicherung des Tourenskilaufs in den Alpen“, wie das Projekt noch heute beworben wird. 

In diesem Zuge entstanden auch die Schongebiete, die DAV-Pressesprecher Thomas Bucher zufolge auch zu 95 Prozent beachtet würden. „Das Nebeneinander von Tier und Mensch funktioniert eigentlich ganz gut.“ Und das, obwohl die Schongebiete auf Freiwilligkeit beruhen, betont Bucher. Explizite Verbote seien nicht möglich. „Dafür müssten die Behörden aktiv werden, so wie sie das etwa bei Wildschutzgebieten tun.“ 

Dass sich so mancher Wintersportler aber doch lieber für die bessere Abfahrt im unbefahrenen Schongebiet entscheidet, statt der Tiere wegen auf den Pistenspaß zu verzichten, ist freilich nicht nur im Mangfallgebirge der Fall. Im Nationalpark Berchtesgaden an der österreichischen Grenze kämpft Forstbetriebsleiter Daniel Müller für die Beachtung der Schongebiete der dort verbreiteten Auerhühner, die mit den gleichen Negativeffekten wie die artverwandten Birkhühner zu kämpfen haben, wenn Wintersportler ihr Revier durchkreuzen. 

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