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Schwindende Population Geparde in großer Gefahr

In Asien sind sie schon so gut wie ausgestorben, auch im Norden und Westen Afrikas leben nur noch wenige Tiere. Experten empfehlen, den Schutzstatus von Geparden auf der Roten Liste hochzusetzen.

Geparden
Geparden sind in der Grassteppe zu Hause – doch ihr Lebensraum schrumpft immer mehr. Foto: Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

Unter allen Tieren auf der Erde zählen sie zu den elegantesten: Mit ihrer schlanken Statur, dem kleinen Kopf, dem nach innen geschwungenen Rücken und den langen, schmalen Beinen wirken Geparde grazil, feingliedrig, kraftvoll und athletisch zugleich; die schwarzen Tränenstreifen unter den Augen verleihen ihnen dazu einen leicht melancholischen Blick. Der Körperbau der schwarzgefleckten Wildkatzen ist ganz auf Beschleunigung ausgelegt: Kein Landsäugetier der Erde ist schneller als der Gepard, der es – allerdings nur über kurze Strecken – auf eine Geschwindigkeit von bis zu von 100 Stundenkilometern bringt.

Allein: Seine Sprinterqualitäten helfen den Raubkatzen nicht gegen die Eingriffe des Menschen. In Asien sind Geparde schon so gut wie ausgestorben, nur im Norden des Iran existiert noch eine kleine Restpopulation; die Naturschutzorganisation WWF geht dort von höchstens 100 Tieren aus. Früher war der Gepard auch bis in die Sahara weit verbreitet, heute leben im Norden und Westen des afrikanischen Kontinents nur noch wenige Tiere. Der Asiatische und der Nordwestafrikanische Gepard gelten deshalb als vom Aussterben bedroht.

Aber auch im südlichen Afrika, ihrer „Hochburg“ (WWF), reduziert sich der Bestand an Geparden rapide und viel stärker als gedacht. Zu diesem erschreckenden Ergebnis ist ein internationales Forscherteam gekommen, das die Gepardenpopulation im südlichen Afrika neu bewertet hat. Demnach sei die derzeitige Einschätzung „veraltet“, der Bestand müsse „drastisch nach unten korrigiert werden“, erklären die Wissenschaftler, die ihre von der „National Geographic Society’s Big Cat Initiative“ (USA) und der Schweizer Messerli-Stiftung geförderte Studie in der Zeitschrift „PeerJ“ veröffentlicht haben.

Mehr als zwei Millionen Positionen kartiert

Die Experten empfehlen deshalb, den Schutzstatus der Geparde auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) sofort auf „stark gefährdet“ hochzusetzen. Aktuell sind die Raubkatzen „nur“ als „gefährdet“ eingestuft. Auch die Organisation „Range Wide Conservation Program for Cheetah and African Wild Dogs“ hat diese Hochstufung vor kurzem bereits gefordert.

Für die aktuelle Untersuchung hatte das Wissenschaftlerteam mehr als zwei Millionen Positionen von Geparden, die Radiosender an ihren Körpern trugen, kartiert und weitere 20.000 Meldungen von Sichtungen der Tiere aus den Jahren 2010 bis 2016 ausgewertet. Die beobachtete Region umfasste Namibia, Botswana, Südafrika und Zimbabwe. Das Ergebnis zeige, „dass auf einer Fläche von knapp 800.000 Quadratkilometern nur 3577 ausgewachsene Geparden leben“ – und das in einem Gebiet, das mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland, sagt Florian Weise, Initiator der Studie und Forscher an der „Community Living Among Wildlife Sustainability Conservancy“ in den USA: „Der überwiegende Teil der Gesamtpopulation, 55 Prozent, verteilt sich auf nur zwei Lebensräume. Diese aktuelle Schätzung ist elf Prozent niedriger als die bestehenden Annahmen der IUCN. Daher muss der Schutzstatus der Geparden schnellstmöglich von ,gefährdet‘ auf ,stark gefährdet‘ angehoben werden.“

Auch Bettina Wachter, Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, das an der Studie beteiligt war, schätzt die Lage der Geparde im südlichen Afrika als „sehr besorgniserregend“ ein und sagt: „Die Schutzanstrengungen sind für diese Tierart von größter Bedeutung.“

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