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Plastikmüll „Unser Verlangen nach Kunststoff ist der Grund für die Probleme“

Biologe David Pfender fordert, das globale Plastikproblem von Deutschland aus anzugehen.

Sri Lanka
Ein Rundkopfdelfin vor der Küste Sri Lankas hat sich in einem Stück Plastik verfangen. Foto: Andrew Sutton

Herr Pfender, die größten Plastiksünder sind asiatische Länder. Was bringt da der Einsatz in Europa überhaupt?
Jedes Plastikstück, das nicht in der Umwelt landet, sondern im Müll entsorgt wird, ist ein gutes Plastik, weil es weniger Schaden anrichten kann. Insofern bringt es grundsätzlich in jedem Land etwas, sich dafür einzusetzen, dass kein Kunststoff in die Umwelt gelangt.

Also kein Fingerzeig auf asiatische Länder?
Die Problematik ist natürlich, dass die Entsorgungsketten noch nicht so ausgebaut sind wie in Europa. Auf der anderen Seite ist Deutschland der größte Kunststoffhersteller Europas. Auch viele Headquarter der großen Chemieunternehmen sitzen nicht in Asien, sondern lassen dort produzieren und importieren die Produkte zurück nach Europa. Insofern ist unser Verlangen nach Kunststoff unter anderem ein Grund dafür, warum es in Asien so viele Probleme damit gibt.

Nun setzt sich Ihre Organisation primär für Wale und Delfine ein. Leiden die am meisten unter unachtsam entsorgtem Plastik ?
In den Mägen von Walen und Delfinen sammeln sich Plastik-reste, die die Speiseröhre der Tiere so verstopfen, dass sie verhungern. Aber weil sich Plastik ja nicht zersetzt, sondern durch Reibung und Sonneneinstrahlung zu Mikroplastik wird, nehmen es auch die Muscheln und Schnecken in unseren heimischen Gewässern auf – und mit ihnen die Fische, die wiederum wir essen. 

Was heißt das in der Konsequenz?
Das heißt: Jedes Stück Kunststoff, das wir nicht in die Meere kommen lassen, rettet Tiere und tut am Ende unserer Gesundheit gut. Unsere Kampagne „Weniger Plastik ist Meer“ soll den Einzelnen dazu bewegen, unnötige Plastikverpackungen zu vermeiden und mit einfachen Mitteln Plastik im Alltag zu reduzieren.

Wer ist denn letztlich dafür verantwortlich, den Plastikmüll aus den Weltmeeren herauszuholen?
Da gibt es bislang leider weder ein Land noch eine Ländergemeinschaft, die Verantwortung übernehme würden. Das wäre natürlich eine starke Initiative. Aber wir dürfen das Pferd nicht von hinten aufzäumen, indem wir bei dem Symptom ansetzen. Wir müssen stattdessen die Produktion zurückfahren, damit auch kein Müll mehr in die Meere nachkommt. Zumal ja nur 20 Prozent des Plastiks in den Meeren auf der Oberfläche schwimmt, der Rest geht unter, landet auf dem Meeresgrund. Wir wissen nicht, wie wir den Müll von dort unten wegholen können, ohne ganze Ökosysteme zu zerstören.

Das heißt, auch Sie hatten an das Papier der EU-Kommission von Dienstag gar keine allzu großen Erwartungen?
Ein Ausschnitt aus dem EU-Papier gelangte bereits letztes Jahr an die Öffentlichkeit. Da mussten wir leider feststellen, dass wichtige Punkte fehlen. Zum Beispiel sogenanntes „single use plastic“, also Kunststoffartikel, die nur einmal verwendet werden, wie Besteck und Einwegtüten. Das ist in Europa immer noch gang und gäbe, dabei hat selbst ein Land wie Bangladesch ein Plastiktütenverbot. Ähnliche Verbote hätte die EU-Kommission schon längst auf den Weg bringen können. 

Woran scheitert es Ihrer Ansicht nach?
Grundsätzlich fehlt nach wie vor der politische Wille, um den Plastikkonsum zu verringern. Konkret möglich gewesen wäre zum Beispiel ein flächendeckendes Pfandsystem, statt Plastik nur einmal zu verwenden und wegzuschmeißen.

Interview: Simon Berninger

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