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Für den Anbau von Ölpalmen wird Regenwald geholzt und Treibhausgas freigesetzt. Eine Studie zeigt, dass die Auswirkungen auf das Klima noch schlimmer sind als bisher angenommen.

Palmölplantage in Liberia
Überall die gleichen Bäume, so weit das Auge reicht: eine Palmölplantage in Liberia. Foto: rtr

Seit langem stehen Ölpalmen in der Kritik, denn für ihren Anbau wird tropischer Regenwald zuhauf abgeholzt und durch Monokulturen ersetzt. Eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) zeigt nun, dass bei der Umwandlung von Regenwald in Palmöl-Plantagen noch weitaus mehr Kohlendioxid freigesetzt wird als lange vermutet.

Der Ökologe Thomas Guillaume hat über zwei Jahre Proben von Böden und Bäumen im Zentrum der indonesischen Insel Sumatra gesammelt und die Auswirkungen des intensiven Anbaus von Ölpalmen und Kautschukbäumen auf Plantagen verglichen. Das Ergebnis: Wird ein Hektar Regenwald in intensiv genutzte Palmölplantagen umgewandelt, entweichen 174 Tonnen Kohlenstoff, größtenteils als CO2 in die Atmosphäre. „Die Menge an freigesetztem Kohlenstoff bei der Umwandlung von nur einem Hektar Wald in eine Palmölplantage entspricht grob gesagt den Emissionen von 530 Personen, die in der Economy Class von Genf nach New York fliegen“, sagt Guillaume.

Der Weltklimarat IPCC geht bei seiner Bewertung der Treibhausgasemissionen der Palmölproduktion von einem deutlich niedrigeren Wert aus. Die von Guillaume ermittelten Emissionen übertreffen die IPCC-Angaben um rund ein Fünftel. Auch Zertifizierungsstellen für nachhaltigen Palmöl-Anbau gehen von geringeren Werten aus. Ohne Weiteres lassen sich die Ergebnisse allerdings nicht auf andere Anbauregionen übertragen. „Die bessere Beachtung der Änderungen im Boden ist ein wissenschaftlicher Fortschritt“, sagt der Klimawissenschaftler Hartmut Graßl gegenüber der Frankfurter Rundschau. Für Graßl lassen die Ergebnisse aber lediglich den Rückschluss zu, dass Palmöl aus Sumatra einen etwas höheren ökologischen Rucksack als bisher trägt. Wieweit das auch für andere Anbaugebiete gelte, bleibe aber offen.

Regenwälder in Indonesien sind oft auf Torfmoorböden gewachsen. Die Torfschicht erstreckt sich über mehrere Meter in die Tiefe und speichert gigantische Mengen an Kohlendioxid. Werden die Wälder abgeholzt und die Böden entwässert, setzt der Torf erhebliche Mengen an CO2 frei. 
Nach wie vor ist die Nachfrage nach Palmöl hoch. 2017 führte die EU 7,7 Millionen Tonnen Palmöl ein, sieben Prozent mehr als noch im Vorjahr. Nimmt man die vergangenen neun Jahre in den Blick, so haben sich die Importe aus tropischen Anbauländern wie Indonesien und Malaysia von 825 000 Tonnen auf 3,8 Millionen Tonnen erhöht. Laut dem europäischen Dachverband Transport & Environment (T&E) landeten 51 Prozent des importierten Palmöls als Agrosprit im Tank, weitere zehn Prozent wurden in Kraftwerken für die Strom- und Wärmegewinnung verbrannt.

Zwar will die EU die Nutzung von Palmöl in Agrokraftstoffen bis 2030 schrittweise auslaufen lassen, doch auch in vielen Alltagsprodukten steckt das für die Hersteller günstig erhältliche Pflanzenöl. Der Artenschutzstiftung WWF zufolge ist es beinahe in jedem zweiten Supermarktprodukt enthalten.

Die hohen Klimagas-Emissionen der Palmölproduktion lassen sich laut der Schweizer Studie verringern, wenn der abgeholzte Regenwald nicht – wie häufig üblich – verbrannt wird, sondern weiter genutzt wird, zum Beispiel als Baumaterial. Des lassen sich die Emissionen in den Monokulturen senken, wenn mehr Deckvegetation auf dem Boden bleibt und Rückstände aus Ölmühlen wieder auf die Böden ausgebracht werden.

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