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Öko-Logisch Entwarnung für Spitzbergen

Die wahrscheinlichste Ursache für die Erwärmung des Meerwassers sind Landhebungen, die bereits vor langer Zeit begonnen haben.

Spitzbergen
Für das Polarmeer vor Spitzbergen kann Entwarnung gegeben werden. Foto: Imago

Es sieht aus wie Eis, es ist so kalt wie Eis, und es tropft wie Eis. Aber dieses Eis kann brennen. Die Rede ist von Methanhydrat. Die einen sehen darin die Energiequelle der Zukunft. Die anderen fürchten es, weil das darin eingeschlossene Methangas den Klimawandel dramatisch anheizen würde, wenn es durch die Erderwärmung in großen Mengen frei würde. Methan ist bekanntermaßen ein starkes Treibhausgas, das auch in Kuhmägen, Mülldeponien und Reisplantagen entsteht.

Es sind gigantische Methanmengen, die in den Permafrostböden vor allem im Norden Russlands und Kanadas sowie unter dem Meeresboden der Kontinentalabhänge lagern – hundertemal soviel, wie sich in der Atmosphäre befindet. Würden sie auch nur zum Teil freigesetzt, könnte das Weltklima durch einen galoppierenden Treibhauseffekt kippen. Denn schmelzen die Permafrostböden, gast ein Teil des darin gespeicherten Methans aus. Ebenso könnten höhere Temperaturen in den Ozeanen dazu führen, dass Methan ins Meer und dann die Atmosphäre abgegeben würde.

Für eine Region immerhin haben Wissenschaftler nun Entwarnung gegeben: für das Polarmeer vor Spitzbergen. Dort waren vor einigen Jahren Methanquellen am Meeresboden entdeckt worden, aus denen große Mengen des Treibhausgases entweichen. Man vermutete, dass die Erwärmung des Meerwassers dafür verantwortlich ist. Doch das hat sich nicht bestätigt. Ein Team, an dem auch das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel beteiligt war, konnte nachweisen: Die wahrscheinlichste Ursache sind Landhebungen, die bereits nach der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren begannen. Die Hydrate lösen sich nämlich nicht nur bei höheren Temperaturen auf, sondern auch, wenn der Druck sinkt – und letzteres ist vor Spitzbergen der Fall, bedingt durch das Abschmelzen der Eismassen. Die Region hat sich stärker gehoben, als der Meeresspiegel angestiegen ist, und so kam es zu einer Druckentlastung. Dieser Prozess läuft schon seit einigen tausend Jahren.

Generelle Entwarnung geben die Forscher allerdings nicht. Dass diese Erklärung auch für andere Methan-Gebiete in der Arktis oder in mittleren Breiten zutrifft, sei nicht gesagt. Um das zu klären, brauche es noch mehr Forschung. Und selbst wenn, die tauenden Permafrostböden sind ja noch eine ganz andere Sache...

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