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Naturschutz Der Gartenschläfer braucht Hilfe

Die Nager sind bedroht, doch die Ursachen kennt man nicht. Ein neues Schutzprojekt ist gestartet.

Gartenschläfer
Schwarze Kulleraugen, Gesichtsmaske, weißer Bauch: Der Gartenschläfer ist ein hübsches Kerlchen, aber weitgehend unbekannt. Foto: Bund

Seine markante schwarze Gesichtszeichung erinnert ein bisschen an die Maske des Zorro. Doch anders als der „Rächer der Armen“ braucht der Gartenschläfer Hilfe.: Der kleine Verwandte des Siebenschläfers ist bedroht. Fast unbemerkt sei die Nager „an den Rand des Aussterbens geraten“, sagt Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Gründe dafür jedoch seien vollkommen unklar. Denn der Gartenschläfer gehört zu den wenig bekannten heimischen Tierarten und ist noch kaum erforscht. Fakt ist allerdings, dass der Bestand dramatisch geschrumpft ist.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und die Gartenschläfer besser kennenzulernen, haben Wissenschaftler und Naturschützer im Rahmen des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ jetzt ein gemeinsames Projekt gestartet. Beteiligt sind der BUND, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Justus-Liebig-Universität Gießen, ehrenamtliche Helfer sollen bei der Umsetzung helfen. Ziel ist es, die bedrohte Art näher zu untersuchen, Maßnahmen zu ergreifen, die den Nagern schnell helfen, und ein bundesweites Schutzkonzept zu erarbeiten. Das Projekt läuft bis September 2024 und wird vom Bundesamt für Naturschutz fachlich begleitet sowie vom Bundesumweltministerium mit rund 3,6 Millionen Euro gefördert. „Noch gibt es Bestände des Gartenschläfers in den deutschen Mittelgebirgen, etwa im Harz. Auch im Westen Deutschlands, in Gärten, Weinbergen und Obstplantagen, ist er noch heimisch“. , erklärt Johannes Lang vom Institut für Tierökologie und Naturbildung der Justus-Liebig-Universität Gießen: „Doch seit Jahrzehnten verzeichnen wir starke Rückgänge seiner Bestände.“ In vielen Regionen sei die Art bereits ausgestorben.

Der Gartenschläfer kommt ausschließlich in Europa vor, wobei ein großer Teil seiner Population in Deutschland lebt, weshalb er hier als sogenannte „Verantwortungsart“ gilt. Er gehört wie der Siebenschläfer und die Haselmaus zur Familie der Schlafmäuse oder auch Bilche. Das Wort „Bilch“ stammt aus dem Slawischen und bedeutet „der Graue“, denn ursprünglich bezog sich diese Bezeichnung nur auf den Siebenschläfer.

Auch wenn er weitaus weniger bekannt ist als sein Verwandter, so ist der Gartenschläfer optisch doch wesentlich auffälliger: Typisch für ihn sind die schwarze Gesichtsmaske, seine großen dunklen Kulleraugen, ein rotbraun-grau gefärbtes Fell und ein weißer Bauch. Sein Körper hat eine Länge von zehn bis 17 Zentimetern, hinzu kommt noch einmal fast das gleiche Maß für den Schwanz – damit ist der Gartenschläfer größer als die Haselmaus und deutlich kleiner als sein „großer Bruder“, der Siebenschläfer.

Wie es der Name bereits nahelegt, verbringen die Gartenschläfer einen beträchtlichen Teil ihres Lebens damit, zu schlafen. Von Oktober bis April halten sie Winterschlaf in einem kugeligen Nest, das sie zu diesem Zweck bauen. Und auch in ihrer aktiven Phase bekommt man Gartenschläfer selten zu Gesicht, denn sie sind nachtaktive Tiere. Allerdings könnten sie in der Paarungszeit zu hören sein, wenn die Weibchen durch ein lautes Pfeifen ihre Bereitschaft signalisieren und die Männchen sich lautstark und aggressiv um potenzielle Partnerinnen streiten. Viel Zeit verschwenden die Gartenschläfer nicht: Bereits kurz nach dem Winterschlaf geht es im April los mit der Paarung, etwa drei Wochen später werden vier bis sechs Junge in Baumhöhlen, Nistkästen oder ausgeräumten Vogelnestern geboren; der Nachwuchs ist nach etwa 40 Tagen selbständig. Häufig kommt es danach noch zu einem zweiten Wurf.

Gartenschläfer ernähren sich von Beeren, Obst, Knospen, Kernen und Insekten und müssen sich dabei eine dicke Fettschicht für den Winterschlaf anfressen. Ihr Lebensraum ist nicht so eng gesteckt, wie man es aufgrund ihrer Bedrohung vielleicht annehmen könnte. Gartenschläfer mögen Streuobstwiesen und Flächen mit vielen Hecken und unterschiedlichen Gehölzen, wo sie sich verstecken können; oft sind es Gebiete, wie sie in der Nähe von Siedlungen vorkommen. Solche Flächen verschwinden in Europa jedoch immer mehr zugunsten der Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete.

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