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Globale Ressourcen Der Sand wird knapp

Nach Trinkwasser ist Sand die weltweit im größten Umfang ausgebeutete Ressource. In Vietnam wird der Rohstoff bereits knapp - und kriminelle Händler machen die Körnchen zu Geld.

VIETNAM-ECONOMY-SAND
Frachtschiffe auf dem Roten Fluss in Vietnam transportieren Bausand Richtung Hanoi, wo die Polizei die Verladung von Asiens neuem Gold streng überwacht. Foto: AFP

Aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur tuckern tief im Wasser liegende Frachtschiffe Vietnams „Roten Fluss“ hinab und legen an den Hafenpieren der Hauptstadt Hanoi an. Kontrolleure notieren sich Schiffsnamen und Herkunftsorte. Wächter passen auf, dass sich kein gerade beladener Lastwagen heimlich aus dem Staub macht. Selbst die Polizei ist mit von der Partie und prüft, ob alle vorgelegten Dokumente echt sind. Im Verlauf der vergangenen Monate haben sie mehrfach Schmuggelschiffe aufgespürt, bis zum Rand mit Asiens neuem Gold beladen: Bausand.

Auf den Flüssen Vietnams saugen Bagger rund um die Uhr den wertvollen Baustoff vom Boden auf. An manchen vietnamesischen Stränden hinterlassen sie tiefe Löcher, denn der so gewonnene Sand kann trotz seines hohen Salzgehalts nach Singapur oder Südkorea exportiert werden. Die Sandpreise sind im vergangenen halben Jahr um 200 Prozent gestiegen. Treffen die Vorhersagen von Pham Van Bac zu, dem Direktor von Vietnams Department of Construction Materials im Bauministerium des südostasiatischen Landes, dürften die gegenwärtigen Preissteigerungen irgendwann als harmlose Anekdoten in die Geschichte eingehen.

Denn ab dem Jahr 2020 sind die Zeiten endgültig vorbei, in denen Vietnam wie bislang auf Sand bauen konnte. Rund 130 Millionen Kubikmeter Sand benötigt das Land gegenwärtig im Jahr. Vor zwei Jahren waren es gerade mal 90 Millionen Kubikmeter. Doch alle Rufe zur Mäßigung hatten bislang nur einen Effekt: Sie trieben die Preise hoch.

Nicht nur Vietnam sieht einem Sandmangel entgegen

Die Sandkrise Vietnams hat längst so akute Ausmaße angenommen, dass in Hanoi sogar das Regierungskabinett über das Thema diskutierte. Nun hofft die regierende Kommunistische Partei, das Problem mit zwei Maßnahmen vorübergehend eindämmen zu können. Einige Provinzen, die bislang die Lieferung der eigenen Bodenschätze ins restliche Vietnam untersagten, müssen die Verbote aufheben. Außerdem soll nach Wegen geforscht werden, alternative Grundstoffe für die Sandherstellung zu entwickeln. Doch Hanois Hoffnungen auf der Suche nach Alternativen sind vorläufig sprichwörtlich auf Sand gebaut. Aber nicht nur das südostasiatische Land steht vor einem Sandmangel. Die Wirtschaftsentwicklung der ganzen Welt hängt von dem Stoff ab, den schon Kinder überall auf der Welt als Spielmaterial kennen und lieben.

Dass es mit den globalen Sandkastenspielen zu Ende gehen wird, ist nichts Neues. Bereits im Jahr 2014 zeichnete das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in dem Report „Sand, knapper als man denkt“ ein so düsteres Bild, dass manche Spekulanten bereits an Sand als das Gold und Silber der Zukunft glaubten: „Im Jahr 2012 wurden nach unseren Schätzungen knapp 30 Milliarden Tonnen Bausand für die Herstellung von Beton eingesetzt. Das war genug Material, um rund um den Äquator eine 27 Meter hohe und 27 Meter breite Mauer zu bauen.“ Mangels Statistiken weiß niemand genau, wie viel Sand außerdem bei Küstenbebauung oder Straßenbefestigungen eingesetzt wird.

Die konservative Schätzung in dem UN-Bericht: „Die Welt verbraucht gegenwärtig jährlich 40 Milliarden Tonnen, doppelt so viel wie Flüsse der ganzen Welt jährlich Richtung Meer schwemmen.“ In dieser Zahl inbegriffen sind die 180 Millionen Tonnen Sand, die weltweit von der Industrie für die Herstellung von Glasbildschirmen von Smartphones über Marschflugkörper (Cruise Missiles) bis zu künstlichen Hüftgelenken verarbeitet werden.

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