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Treibhauseffekt Die Kuh ist kein Klima-Killer

Rinder stoßen klimaschädliches Methan-Gas aus. Manche Forscher rufen schon zum Steakverzicht auf. Dabei stammen die wirklich schädlichen Emissionen gar nicht von den Vierbeinern.

Kein Klima-Killer? Foto: dapd

Forscher der Universität Göteborg fordern eine Klimasteuer aufs Steak. Weil vor allem Rinder wegen ihrer Methan-Rülpser zu den vermeintlichen Klima-Killern gehören, sollten Konsumenten von Milch und Fleisch je Tonne Kohlendioxid 60 Euro Klimasteuer bezahlen. Oder das Rindfleisch durch Huhn ersetzen, was, so die Ökonomen der schwedischen Uni, 90 Prozent der Emissionen senken würde. Oder sind das alles Milchmädchen-Rechnungen?

Anita Idel, Tierärztin und Mitautorin des Weltagrarberichtes, ist überzeugt: „Die Kuh ist kein Klima-Killer!“ In ihrem jetzt erschienenen, gleichnamigen Buch macht Idel, die auch Lehrbeauftragte an der Uni Kassel ist, eine andere Rechnung auf. Zwar bestreitet auch die Autorin nicht, dass Rinder klimaschädliches Methan ausstoßen. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite zeigt: Die meisten klimarelevanten Emissionen aus der Landwirtschaft stammen nicht von der Kuh.

Synthetischer Dünger heizt ein

Sondern sie entstehen, weil die moderne Landwirtschaft auf synthetische Stickstoffverbindungen bei der Düngung setzt. Damit, schreibt Idel, „werden die großen Monokulturen – besonders Mais und Getreide – für die Produktion von Kraftfutter in der intensiven Landwirtschaft gedüngt“. Diese Art der Düngung verschlinge nicht nur große Mengen an Energie, etwa bei Herstellung und Ausbringung, sondern setze enorme Mengen Lachgas frei. Und das ist nicht 25 Mal klimaschädlicher wie das Methan der Rinder, sondern 295 Mal. Alle Untersuchungen zeigten: Je intensiver die Tierhaltung, je höher die Lachgas-Emissionen.

Vor allem aber sind Rinder die idealen Grasverwerter. Grasland speichert jedoch mehr als ein Drittel des globalen Kohlenstoffs. Wird Grünland aber umgepflügt, damit etwa Mais für Biogasanlagen wächst, dann führt das durch den Humusabbau zu horrenden Kohlenstoffverlusten. Der Maisanbau aber „frisst“ jedes Jahr eine halbe Tonne Humus, zitiert Idel die Landwirtschaftskammer aus NRW. Eine Tonne Humus aber speichert 3,67 Tonnen CO2.

Das hatten ganz ähnlich auch britische Forscher bei einem Vergleich zwischen Gerstenfeldern und Wiesen festgestellt: Unter der Gerste verschwand binnen drei Jahrzehnten ein Drittel der Biomasse. Beim Grünland hingegen nahm sie um die Hälfte zu. In den ersten zehn Testjahren wuchs der Kohlenstoffgehalt im Grünland jährlich um eine Tonne.

Das Fazit der Autorin liegt deshalb auf der Hand: Nur eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft, die Humus schafft, statt ihn zu vernichten, ist klimaschonend.

Anita Idel: Die Kuh ist kein Klima-Killer! Metropolis-Verlag, 210 Seiten 18 Euro.

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