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Silbermond "Mülltrennen? Das habe ich intus, seit ich denken kann"

Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß und Schlagzeuger Andreas Nowak über Öko-Aktionismus, grüne Helden und Klima-Rock.

05.07.2007 00:07
Silbermond Konzert in Magdeburg
Stefanie Kloß, Sängerin der deutschen Rockband Silbermond, singt beieinem Live-Konzert in Magdeburg. Foto: dpa

Singen für den Umweltschutz war lange so sexy wie Sockenstopfen. Bei Live Earth wird jetzt mit großem Star-Aufgebot, darunter viele junge Bands, weltweit gegen die Klima-Krise gesungen. Hat jetzt die Generation der Twenty-Somethings ihr ökologisches Gewissen entdeckt?

Stefanie Kloß: Ich lese regelmäßig Zeitung, und es fällt schon auf, dass fast jeden Tag Berichte über Umwelt-Themen veröffentlicht werden - immer häufiger auch über Umwelt-Katastrophen. Was es auch gibt, sind wohlmeinende Tipps. Da lese ich dann beispielsweise etwas über einen Spardusch-Kopf, mit dem man vorübergehend das Wasser abdrehen kann, während man sich die Haare schamponiert. Ich lese, dass man Müll trennen und Altpapier recyceln soll. Ein ziemlicher Hype, denn das sind für mich alles Selbstverständlichkeiten. Das habe ich intus, seit ich denken kann. Dazu brauche ich keine Tipps. Viele junge Leute machen das schon bewusst. Was sich verändert hat, ist das Klima. Man muss sich zurzeit nur mal den ganzen Tag nach draußen stellen: Morgens gibt's Regen, mittags hagelt es, nachmittags gibt's Sturm, dann folgt ein Temperatursturz. Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht.

Andreas Nowak: Nach dem jüngsten UN-Weltklimabericht wurden viele Bilder gezeigt von den Veränderungen, das war schon erschreckend. Das brennt sich in den Kopf ein. Das war ein Anstoß für mich, zu schauen, was ich machen kann.

Und was machen Sie selbst?

Nowak: Wir wohnen in Berlin, und da lohnt es sich, mit dem Fahrrad zu fahren. Das Auto lassen wir stehen. Ich kauf' auch keine Äpfel aus Argentinien, wenn ich welche aus Brandenburg bekommen kann. Da hat sich vieles geändert.

Im Vorfeld von Live Earth bleibt die Häme nicht aus. "Sex and drugs and Biodiesel" unken die Kritiker. Was können Konzerte gegen Klimawandel erreichen?

Kloß: Al Gore hat das gut auf den Punkt gebracht: Das Fernsehen bringt den Menschen zwar solche komplexen Themen näher. Aber nur bis zu einem bestimmten Punkt: Dann gehen die Leute raus, kochen sich was in der Küche. Musik hat eine andere Nachhaltigkeit, sie ist ein Verstärker, nimmt Leute auf emotionaler Ebene mit. Und von der Aufmerksamkeit, die diese Konzerte schaffen, mal abgesehen, ist es keine schlechte Sache, wenn die Ticket-Einnahmen an eine Stiftung gehen, die sich für den Klimaschutz einsetzt.

Umweltschutz- und andere Aktivisten reagieren zunehmend verschnupft auf die Dauer-Präsenz von Pop-Stars in der politischen Arena. Was sagen Sie zu den Vorwürfen, diese politisch aufgeladenen Konzerte seien zu harmlos und würden die Anliegen kaputt machen?

Kloß: Ich kann das nicht nachvollziehen. Was ist dagegen zu sagen, wenn Leute wie wir, die in der Öffentlichkeit stehen, ihre Popularität benutzen, um eben auf Armut in Afrika oder den Klimawandel aufmerksam zu machen?

Bob Geldof motzte, Live Earth würde nichts bringen, weil doch eh jeder über den Klimawandel Bescheid wüsste.

Nowak: Da sind wohl eher Ego-Probleme. Solche Scharmützel im Vorfeld finde ich völlig falsch.

Unter Ihren Kollegen gibt es inzwischen viele Klimaverbesserer. Selbst die Rolling Stones brüsten sich mit CO2-neutralen Tourneen. Ein Kompensationsgeschäft, bei dem für den kalkulierten CO2-Ausstoß eine bestimmte Summe gezahlt wird, mit der dann Bäume gepflanzt werden. Was bringt das - außer einem guten Gewissen für Musiker?

Kloß: Wenn ich lese, dass Justin Timberlake eine ökologisch vorteilhafte Tour spielt, würde ich schon gerne wissen, was das konkret bedeutet. Kauft der unterwegs nur noch Bio-Produkte, geht er zu Fuß zum Konzert oder lässt er seine Crew mit dem Fahrrad fahren? Vieles von dem, was da jetzt verkündet wird, kommt mir ein bisschen absurd vor. Ich kenne noch keinen Nightliner-Bus, in dem 18 Personen schlafen können, der mit Biogas fährt. Wir machen, was machbar ist. Unsere Crew beispielsweise bildet oft Fahrgemeinschaften.

Nowak: Die letzte Tournee war schon durchgeplant, bevor die Möglichkeit, sie klimaneutral zu organisieren, verbreitet war. Bei der nächsten Tournee werden wir das in Betracht ziehen.

Gibt es für Sie so etwas wie grüne Vorbilder?

Nowak: Ganz klar - meine Oma. Sie ist so sparsam, das ist unfassbar. Sie ist 81, fährt ständig mit dem Bus, wirft nie Lebensmittel weg. Sie hat nur Stofftaschen. Ich bewundere meine Oma aufrichtig für ihre ökologische Konsequenz.

Kloß: Ich bewundere Leute wie Al Gore, aber auch all die anderen, die niemand kennt und die sich dennoch seit Jahren für den Umwelt- und Klimaschutz einsetzen.

Interview: Martin Scholz

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