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Kommentar zu Durban Der vergessene Klimagipfel

Früher trafen sich auf Klimakonferenzen Politiker, weil sie die Welt retten wollten. In diesem Jahr hoffen nicht einmal Klimaschützer auf entscheidende Verbesserungen. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, den öffentlichen Druck hoch zu halten.

Kohlekraftwerk Staudinger Foto: ddp

Kanzlerin Merkel hat keine Zeit mehr, die Welt zu retten, zumindest nicht in Durban. Neonazis, Euro-Krise und ein Guttenberg, der keine Ruhe gibt – zu Hause gibt es scheinbar drängendere Probleme, deshalb fliegt die Bundeskanzlerin gar nicht erst zur Weltklimakonferenz, die seit Montag in Südafrika tagt.

Zu einem Durchbruch kommt es dort sowieso nicht, sagen sogar Umweltschützer, weshalb die meisten Zeitungen nur auf den hinteren Seiten darüber berichten. Schuld an der Stagnation ist nicht Merkel, sondern sondern schuld daran sind China und die USA: Die kündigten im Vorfeld an, auch in diesem Jahr keine CO2-Verpflichtungen einzugehen.

Vor diesem Hintergrund wächst die Zahl der Deprimierten. Es lässt sich sowieso nichts mehr ändern, sagen die und hoffen, dass alles doch nicht so schlimm wird. Falls doch, müssen wir eben höhere Dämme bauen und den Hungernden in Afrika ein paar Brote mehr schicken.

Resigniert nicht!

Wer so denkt, hat schon resigniert. Das ist bequem, aber auch gefährlich: Wer die Erwartungen für sich niedrig hält, hält auch den Druck auf die Politik niedrig. Der verhindert am Ende, dass das Thema auch bei Angela Merkel wieder auf dem Terminplan steht.

Dass dieser Druck der Straße etwas bewegt, zeigen die Ereignisse in Ägypten, aber auch der ausdauernde Kampf der Anti-Atomkraftbewegung, der am Ende sogar die CDU dazu zwang, sich auf einen Ausstiegstermin festzulegen.

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Gegen die chinesisch-amerikanische Klimablockade lässt sich schwer etwas ausrichten, zumindest in diesem Teil der Erde. Doch wo bleiben die Tausenden von Demonstranten, wenn etwa in Frankfurt neue Kohlekraftwerke geplant und gebaut werden? Wieso bleibt der öffentliche Aufschrei aus, wenn die Regierung in einem stillen Energieputsch den Bedarf der stillgelegten Atommeiler durch dampfende Kohleschlote ersetzt?

Der schlüssigste Grund ist: Das Angstpotential fehlt. Wer an Atom denkt, kommt schnell zum Gau und zu Tschernobyl. Wer von der Wirtschaftskrise hört, erinnert sich an den Opa, der von der Hyperinflation erzählt hat.
Der Klimawandel lässt sich leichter auf Distanz halten. Das fängt schon mit dem Begriff an: "Klimawandel“ suggeriert keine Katastrophe, sondern eine Veränderung, der man sich eben neu anpassen muss.

Kohlekraft ist nur scheinbar harmlos

Doch wenn die Atomkraft das Aids-Virus des Planeten ist, dann sind die fossilen Energien seine Durchfallerkrankung: Theoretisch leicht zu bekämpfen, scheinbar harmlos und doch am Ende millionenfach tödlich.

Denn selbst wenn die Folgen der Erderwärmung sich in Deutschland beherrschen lassen, und das ist fraglich, dann gilt das nicht für den Rest der Welt -zunehmende Dürren, stärkere Stürme und Flutkatastrophen zeigen das schon heute. Wenn ein hochtechnisiertes Land wie die USA tropischen Wirbelstürmen mehr oder weniger hilflos ausgeliefert ist, wer soll solche Naturgewalten dann in den Griff bekommen?

Deutschland sollte seine Vorreiterrolle im Klimaschutz nicht aufgeben. Wenn der Wechsel auf regenerative Energien zügig klappt, könnten wir der Welt beweisen, dass die Industrie auch wachsen kann, ohne die Erde zu schänden.
Wenn wir jetzt resignieren, droht eine Katastrophe, die sich nicht mehr mit ein paar Hebeln bekämpfen lässt. Kanzlerin Merkel wird dann zu ihrem Glück nicht mehr im Amt sein.

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