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Überflutungen Land unter im Inselreich

Seit Jahren wird Japan immer häufiger von Starkregen heimgesucht.

Überflutet
Die Folgen des extremen Regens: Zerstörte Häuser in einer überfluteten Stadt in der Präfektur Okayama. Foto: rtr

Noch Tage nach den Überschwemmungen im Westen Japans fragen sich viele Bewohner, was da über sie hereingebrochen war. In der Präfektur Okayama saßen am vergangenen Wochenende mehr als tausend Menschen auf den Dächern ihrer Häuser fest. Der nahe gelegene Fluss war über die Ufer getreten, nachdem drei Deiche gebrochen waren und hatte die Häuser überflutet. Die meisten wurden mit Booten oder Hubschraubern gerettet.

Zeitweise mussten fast sechs Millionen Menschen in 19 Präfekturen ihre Häuser verlassen. Durch die aufgeweichte Erde und die teilweise steilen Hänge drohten in vielen Gegenden Erdrutsche. Über 150 Menschen starben laut japanischen Medien in den Fluten.

Auf ein solches Ereignis war das Land nicht gefasst. Dabei hatte die nationale Wetterbehörde 2013 ein Warnsystem für extreme Regenfälle eingerichtet und kalkuliert, dass diese alle 50 Jahre die Insel treffen könnten. Seither kam es in einigen Regionen aber mehr als zweimal zu solchen Warnungen. „Diese Tatsache zeigt, dass Extremwetter-Ereignisse öfter passieren“, sagt Naoyuki Yamagishi, Leiter des Klimabereichs beim WWF Japan. „Man kann mit einiger Sicherheit sagen, dass der Trend sich aus den Berichten und Artikeln der Wissenschaftler ablesen lässt, als ein Beispiel der Auswirkungen des Klimawandels.“

Aber ist das so? Nach den Gesetzen der Thermodynamik nehmen Niederschläge im weltweiten Durchschnitt zu, da durch die Erderwärmung mehr Wasser verdunsten kann. Außerdem kann die wärmere Luft mehr Regenwolken aufnehmen. Pro Grad Erwärmung, so die Faustregel, erhöht sich die Regenmenge um sieben Prozent.

Seit 1980 können Klimaforscher tatsächlich eine deutliche Zunahme von Starkregen in der Welt feststellen, so das Ergebnis einer Studie im Fachblatt Climatic Change im Jahr 2015 – für 2010 kamen die Forscher rund um Jascha Lehmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sogar auf einen Anstieg von 26 Prozent im weltweiten Durchschnitt.

Allerdings gibt es noch einen zweiten Faktor, der das Wetter im Zuge des Klimawandels beeinflusst: Weil sich die Atmosphäre neu zusammensetzt, verändert sich auch die Luftzirkulation, die bestimmt, wann und wo Regensysteme entstehen. „Dieser Effekt ist lokal sehr unterschiedlich“, sagt Friederike Otto, Vizedirektorin des Environmental Change Institute an der Universität Oxford. „Er kann den thermodynamischen Effekt entweder verstärken, wie wir es zum Beispiel bei Regenfällen im Zusammenhang mit Hurrikans im Atlantik sehen, oder er kann in die entgegengesetzte Richtung wirken, dann ist der Gesamteffekt des Klimawandels geringer oder sogar aufgehoben.“

Was heißt das nun für Japan? Im Juli 2012 kam es schon einmal zu heftigen Regenfällen im Süden des Landes. Einer Studie im Meteorologie-Fachblatt BAMS kam zum Ergebnis, dass das vor allem auf natürliche Phänomene zurückzuführen war. Allerdings könnten, was die jüngsten Regenfälle betrifft, wieder ganz andere meteorologische Antriebskräfte herrschen. Für eine abschließende Antwort braucht es erst eine sogenannte Attributionsstudie, die für Japan allerdings eine Herausforderung ist.

„Weil Japan aus Inseln mit Bergen besteht, sind große Ensemble-Simulationen in hochauflösenden Klimamodellen nötig, um Attributionsstudien von Regenereignissen in Japan leisten zu können“, sagt Hideo Shiogama vom Nationalen Zentrum für Umweltstudien in Tsukuba in der Präfektur Ibaraki. „Obwohl eine Zunahme von Starkregenereignissen beobachtet wurde, sind formale Zuordnungsstudien nicht einfach.“

Shiogama arbeitet zwar gerade an einer – allerdings betrifft die einen bereits vergangenen Starkregen.

WWF-Mann Yamagishi legt sich hingegen schon fest: „Der heftige Regen in diesen Tagen und Extremereignisse in den jüngsten Jahren übersteigen die Schwelle dessen, auf das wir uns vorbereitet haben. Den Menschen wird klar, dass sich das Klima verändert.“

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