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Mehr Ökostrom mit Blockchain

Die Energiebranche setzt große Hoffnungen in die neue Digitaltechnik.

Solarstrom
Wenn Hausbesitzer Strom austauschen, könnten die Transaktionen per Blockchain aufgezeichnet und verrechnet werden. Foto: rtr

Mit Krypto-Währungen wie Bitcoin oder Ethereum kam ein neues Wort in die Welt: Blockchain. Die digitale Technik kann man sich als eine Art verteiltes Kontobuch vorstellen. Wer wem etwas liefert oder bezahlt, wird nicht mehr auf einem zentralen Rechner verzeichnet, sondern auf jedem Computer, der ins Netzwerk eingebunden ist. Von jedem Rechner aus lassen sich damit die Vorgänge im Netzwerk verfolgen und nachvollziehen.

Wer zum Beispiel von seinem Solardach einige grüne Kilowatt übrig hat, könnte die an seinen Nachbarn liefern, der im Keller über einen großen Stromspeicher verfügt. Der schickt dann den Strom zurück, wenn die Sonne nicht scheint – in der Blockchain werden diese Transaktionen aufgezeichnet und verrechnet – gut verschlüsselt, aber für alle Teilnehmer zugänglich und somit besonders vertrauenswürdig. In den direkten Stromtausch können sich weitere Partner einklinken – eine Plattform für lokalen Stromhandel entsteht, ganz ohne große Energiekonzerne und Zwischenhändler. Deren Gewinne könnten dann die Blockchain-Teilnehmer unter sich teilen. 

Das Thema Blockchain greife die großen Trends der Energiewende auf: Digitalisierung, Demokratisierung und Dezentralisierung, dozierte Alexander Misgeld vom Beratungskonzern Ernst & Young jüngst auf einem Kongress des Energie-Branchenverbandes BDEW. Alle Netzwerker hätten alle Transaktionsdaten, das mache die Blockchain unfälschbar, sicher und transparent – und für die Energiewende nützlich. 

Jede Menge Start-ups träumen schon von einem voll digitalisierten Energienetz, bei dem die bisherigen Vollversorger nicht mehr viel zu melden haben – ähnlich wie bei den Kryptowährungen, die ja auch ganz gut ohne traditionelle Banken auskommen. „Die komplette Ausschaltung von Zwischenhändlern kann aber nur in einem vollautomatisierten Stromhandelssystem erfolgen“, schränkt Simon Göß vor der Berliner Beratungsfirma Energy Brainpool gegenüber Klimareporter° ein. „So weit sind wir noch nicht mit der Digitalisierung.“

Schaut man auf die Blockchain-Praxis in Deutschland, relativiert sich der Hype weiter. Michael Lucke, Geschäftsführer des Allgäuer Überlandwerks, sieht zwar den lokalen Stromhandel im Kommen – ob aber Blockchains den Sieg davontragen werden, daran äußerte er auf dem BDEW-Kongress Zweifel. 

Luckes Überlandwerk testet derzeit mit dem sogenannten „Allgäu Microgrid“ einen direkten Stromhandel zwischen Privatpersonen auf Blockchain-Basis. Ob das Geschäft wirklich funktionieren kann, wisse man erst in drei Jahren, dämpfte Lucke die Erwartungen. Aus seiner Sicht ist die Technologie keineswegs ein „Game Changer“, also eine Technik, die – wie bei Uber oder Airbnb – die Spielregeln einer ganzen Branche völlig neu definiert.

Mithilfe einer Blockchain könnten aber zum Beispiel Stadtwerke direkter auf ihre Kunden zugehen und die Kundenbindung stärken, meint Simon Göß von Energy Brainpool. Ansonsten hält sich für ihn der Nutzen der neuen Technologie für die Energiewende noch in Grenzen. Durch Blockchains allein werde der Anteil von Ökostrom nicht steigen, aber es werde eben möglich, Angebot und Nachfrage von Strom regional besser abzustimmen. 

Das Problem hierbei: Wer Ökostrom lokal handeln will, muss nicht nur genügend Verkäufer, sondern auch genügend Käufer in der Nähe haben. Daran hapert es offensichtlich noch. Damit eine Blockchain richtig funktionieren kann, müsse es erst einmal genügend lokale Märkte für Ökostrom in Deutschland geben, betont denn auch Experte Göß. 

Das Allgäuer Überlandwerk – wie auch die ganze Branche – wäre deswegen schon froh, wenn sich per Blockchain zunächst das normale Geschäft von Stromkauf und -verkauf am Laufen halten lässt. Damit das klappt, müsse der Gesetzgeber endlich handeln, verlangte die Branche auf dem Kongress. Im Moment warte man zum Beispiel darauf, dass Blockchain-geeignete Stromzähler, auch Smart Meter genannt, ihre Genehmigung bekommen.

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