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Meeresspiegel Die Antarktis verliert gewaltige Eismassen

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den letzten fünf Jahren beschleunigt.

Antarctica
Was in der Antarktis geschieht, wirkt sich auf den gesamten Erdball aus. Foto: Getty

Der globale Meeresspiegel ist in den vergangenen fünf Jahren rasanter gestiegen als in der Zeit davor – und ein Hauptgrund für diese bedrohliche Entwicklung ist ein gewaltiger, rasant zunehmender Eisverlust in der Antarktis. Zu dieser Erkenntnis ist ein 84-köpfiges Wissenschaftlerteam von 44 internationalen Institutionen gekommen. Die Forscher hatten für ein großes Klimagutachten die Daten von 13 Satellitenmissionen kombiniert. Vom Orbit aus, in mehreren hundert Kilometern Entfernung, lassen sich die sonst schwer zugänglichen Eisschilde der Antarktis und ihre Veränderungen detailliert, flächendeckend und über einen langen Zeitraum systematisch beobachten. Beteiligt an der Vergleichsstudie waren unter anderem die US-Raumfahrtbehörde Nasa, die europäische Weltraumorganisation Esa und aus Deutschland das Alfred-Wegener Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Leitautoren des Gutachtens sind Andrew Shepherd von der britischen University of Leeds und Erik Ivins vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Kalifornien.

„Laut unseren Analysen ist es in den letzten zehn Jahren zu einer Beschleunigung des Massenverlustes in der Antarktis gekommen“, sagt Andrew Shepherd: „Der Kontinent trägt gegenwärtig zu einem höheren Anstieg des Meeresspiegels bei als jemals zu vor in den letzten 25 Jahren.“

Das Schrumpfen des Eispanzers wirkt sich bereits seit den 1990er Jahren auf den kontinuierlich nach oben gehenden Meeresspiegel aus. Doch seit fünf Jahren hat sich dieser Prozess stark beschleunigt, fanden die Wissenschaftler heraus. Demnach hat die Antarktis vor 2012 jährlich etwa 76 Milliarden Tonnen Eis verloren – was auch schon eine gewaltige Menge ist, mehr als das gesamte Wasser im Bodensee. Und eine solche Masse bleibt natürlich nicht ohne Folgen: Der Meeresspiegel auf der Erde stieg allein dadurch um jährlich 0,2 Millimeter. 

Doch zwischen 2012 und 2017 hat der Kontinent rund um den Südpol dann noch ein Vielfaches dieser ohnehin schon großen Menge verloren: nämlich sage und schreibe 219 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Damit steuert der Eisverlust aus dem tiefsten Süden unseres Planeten den Meeresspiegel jedes Jahr 0,6 Millimeter zum Mengenanstieg bei. Insgesamt ist der Meeresspiegel seit 1993 um durchschnittlich drei Millimeter pro Jahr gestiegen. Wissenschaftliche Prognosen gehen davon aus, dass es bis zum Jahr 2100 zehn Millimeter sein könnten. 

Der Eisverlust in der Antarktis ist eine Folge der Klimawandels. Doch wie genau kommt es dazu? In den letzten fünf Jahren, so die Wissenschaftler, setzte er sich zusammen „aus einem beschleunigten Abfluss von Gletschereis in der Westantarktis und auf der Antarktischen Halbinsel sowie einem geringeren Schneefall in der Ostantarktis“. Gletschereis, das sich aus gefallenem Schnee gebildet hat, bildet das Landeis des antarktischen Kontinents. Diese Eisschichten können bis zu 4000 Meter dick sein und sind zum Teil bereits mehrere hunderttausend Jahre alt. 

Am stärksten hat in der jüngsten Vergangenheit die Situation in der Westantarktis verändert: Verlor die Region in den 1990ern noch 53 Milliarden Tonnen Eis im Jahr, so wuchs diese Menge seit 2012 auf 159 Milliarden Tonnen jährlich. Auch an der Nordspitze des antarktischen Kontinents ist die Lage prekär: Dort ist seit Anfang der 2000er Jahre ein großes Eisschelf zusammengebrochen; gut in Erinnerung dürfte bei den meisten noch der riesige Eisberg sein, der sich im vergangenen Sommer vom Larsen-C-Schelf gelöst hatte. Dieser Kollaps hat den Eisverlust um 25 Millionen Tonnen jährlich ansteigen lassen.

Einen kleinen Zuwachs gibt es indes auch: Das Eisschild in der Ostantarktis legt jährlich um etwa fünf Milliarden Tonnen zu. Das könne den Massenverlust in der Westantarktis jedoch nicht ausgleichen, erklären die Wissenschaftler. 

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