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Luftverschmutzung Klimaschutz nützt auch der Gesundheit

Ein neuer WHO-Report zeigt, dass die Treibhausgas-Einsparungen auch die Krankheitskosten senken.

Polen - Smog über der Hauptstadt
Smog über der polnischen Hauptstadt Warschau. Polen ist das Land mit der schmutzigsten Luft in der EU. Foto: dpa

Als „Frage von Leben und Tod“ bezeichnete UN-Generalsekretär Antonio Guterres den Klimawandel zum Auftakt des Klimagipfels im polnischen Kattowitz. Gesundheitsfragen stehen bei dem Treffen der UN-Verhandler aber nicht im Zentrum.

Dafür, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken, plädierte Maria Neira von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwoch in Kattowitz. „Das Verbrennen fossiler Ressourcen ist nicht nur die Ursache für den Klimawandel sondern auch für die gesundheitsschädliche Luftverschmutzung“, so die Direktorin der WHO-Abteilung für öffentliche Gesundheit und Umwelt. Es gebe einen deutlichen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung, Klimawandel und Gesundheit. In den Verhandlungen und Dokumenten kämen Asthma, chronische Lungenerkrankungen, Lungenkrebs und Schlaganfälle indes nicht vor, kritisierte Neira.

Wie weitreichend die Folgen des Klimawandels für die menschliche Gesundheit sind, zeigt ein WHO-Bericht, der am Mittwoch auf dem Klimagipfel vorgestellt wurde. Allein die Luftverschmutzung durch die Nutzung fossiler Brennstoffe verursacht demnach jedes Jahr weltweit sieben Millionen Todesfälle – mit erheblichen Belastungen für die nationalen Gesundheitssysteme. Die damit einhergehenden Kosten beziffert die WHO auf rund 5,11 Billionen US-Dollar (4,5 Billionen Euro). „Die wahren Kosten des Klimawandels sind in unseren Krankenhäusern zu sehen und in unseren Lungen zu spüren“, sagte Neira.

Würden die Ziele des Pariser Klimavertrages erreicht und die Erderwärmung bei 1,5 bis zwei Grad gestoppt werden, könnten laut WHO bis Mitte des Jahrhunderts jährlich eine Millionen Menschenleben gerettet werden. Deshalb forderte Neira die Staats- und Regierungschef auf, ihre Ambitionen bei der Umsetzung des Pariser Klimavertrages zu erhöhen. Sie mahnte: Der Grad ihres Ehrgeizes ließe sich daran erkennen, wie viele Tote sie bereit seien jedes Jahr zu akzeptieren.

In den 15 Ländern mit den höchsten Treibhausgas-Emissionen – darunter auch Deutschland – schätzt die WHO die Gesundheitskosten durch Luftverschmutzung auf mehr als fünf Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Klimaschutz gemäß des Pariser Klimaabkommen kostet dagegen nur etwa ein Prozent des weltweiten BIP. Klimaschutzmaßnahmen würden sich lohnen, betonte die WHO-Expertin. Der Wert der gesundheitlichen Vorteile sei doppelt so hoch wie die weltweiten Kosten für Minderungsmaßnahmen. „Wenn die Gesundheit berücksichtigt wird, ist der Klimaschutz eine Chance und keine finanzielle Belastung“, sagte Neira.

Eine Energie- und Verkehrswende wird laut dem WHO-Report allerdings nicht nur die Luft verbessern, sondern auch andere positive Folgen für die Gesundheit der Menschen zeitigen. Als Beispiel verweisen die Experten darauf, dass ein Umstieg vom Autoverkehr auf Zu-Fuß-Gehen und Fahrradfahren fitter macht und helfen kann, Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Schäden und Krebs zurückzudrängen.

Der WHO-Bericht war auf Wunsch des Präsidenten des letzten UN-Klimagipfels 2017 in Bonn, Frank Bainimarama, erstellt worden. Dafür wurden Beiträge von über 80 Gesundheitsexperten, Wissenschaftlern, NGO-Vertretern und internationalen Organisationen berücksichtigt.

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