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Klimawandel Weltmeere erhitzen sich auf Rekordhoch

Beim Klimawandel schaut der Mensch vor allem auf die Atmosphäre - doch die eigentliche Erwärmung der Erde findet unter der Wasseroberfläche statt. Und da gibt es beunruhigende Entwicklungen.

Tabarin Halbinsel
Das Südpolarmeer – hier mit der Tabarin Halbinsel – saugt besonders viel Wärme aus der Atmosphäre auf. Foto: Getty

Der Mensch hat eine verschobene Wahrnehmung, was die Erwärmung der Erde angeht. Für uns zählt, was wir in der Umgebung registrieren, in der wir leben: unsere Atmosphäre. Aber die spiegelt nicht annähernd das Ausmaß des Klimawandels wider. Die eigentliche Erwärmung findet unterhalb der Meeresoberfläche statt.

Ozeane speichern laut Weltklimabericht 93 Prozent der Wärme, während sich auf Luft, Land und Eis gerade mal sieben Prozent verteilen. Der eigentliche Gradmesser für die Erderwärmung sind also die Meere. „Wir sollten uns den Bereich ansehen, in dem die größten energetischen Änderungen stattfinden“, sagt der Ozeanograf Martin Visbeck vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar).

Noch nie wurden wärmere Ozeane dokumentiert

In dem Licht beunruhigt eine Studie renommierter Klimaforscher aus China. Sie kommt zum Ergebnis, dass im vergangenen Jahr die Ozeane so warm waren wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Betrachtet man hingegen die Wetteraufzeichnungen zur Lufttemperatur, war 2017 „nur“ das zweitwärmste Jahr. Nur wenn man den El Niño-Effekt heraus rechnet, war es das wärmste jemals gemessene Jahr.

Physiker empfehlen ohnehin eher den Blick nach unten – in die Meere. Die können wegen der hohen Wärmekapazität des Wassers viel Energie speichern. Gegenüber 2016 steigerte sich die Ozeanwärme um eine Energiemenge, die dem 600-Fachen der gesamten Stromproduktion Chinas im Jahr 2016 entspricht.

Weil sich Wasser langsamer erwärmt und abkühlt als Luft, schwankt die Temperatur der Ozeane weniger als die der Atmosphäre. „Die Erwärmung der Ozeane spiegelt den Klimawandel wider und wird weniger von wetterbedingten Störungen und Phänomenen wie El Niño beeinflusst“, schreiben die Pekinger Wissenschaftler.

Ganz bleiben Temperaturausschläge in den Meeren durch das globale Wetterphänomen El Niño und seinen Gegenpart La Niña aber nicht aus. Während eines El Niño-Ereignisses hat der Pazifische Ozean sehr warmes Wasser, was dazu führt, dass Wärme an die Atmosphäre abgegeben wird. Der Effekt: In solchen Jahren kühlen die Ozeane zusätzlich leicht ab, während sich die Atmosphäre aufheizt. Während eines La-Niña-Phänomens gibt es den gegenteiligen Effekt.

Betrachtet man die vergangenen fünf Jahre, so waren sie allesamt die wärmsten Ozeanjahre seit Beginn der Messungen. Und zwar fast in chronologischer Reihenfolge. Fast, weil 2016 nicht auf Platz zwei, sondern nach 2015 auf Platz drei landete, schließlich war es ein ausgesprochen starkes El-Niño-Jahr.

Sensoren geben eindeutige Auskunft

Seit den späten 1950er Jahren können Wissenschaftler die Erwärmung der Weltmeere einigermaßen gut abbilden, da sie seitdem Sensoren verteilt haben. Über mehr als ein halbes Jahrhundert zeigt sich trotz einiger Ausschläge eine konstante Richtung: Die Ozeane haben sich immer mehr erwärmt. „Daran sieht man, wie eindeutig die Erderwärmung stattfindet“, sagt Visbeck.

Die beiden Atmosphärenphysiker Cheng Lijing und Zhu Jiang vom Institut für Atmosphärenphysik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking haben auch lokalisiert, wo die Meere den Großteil der Wärme aus der Atmosphäre abgesaugt haben: vor allem im Atlantik und im Südpolarmeer.

Die Erwärmung der Ozeane sorgt dafür, dass sich das Wasser ausdehnt und der Meeresspiegel steigt. Im Jahr 2017 machte das im Vergleich zu 2015 einen Unterschied von 1,7 Millimetern aus, wie die chinesischen Forscher errechnet haben. Weitere Folgen sind, dass die Ozeane weniger Sauerstoff aufnehmen, die Korallenbleiche zunimmt und die Eisschelfe schmelzen.

Das erhöht den Druck auf die Welt, sich schneller von fossilen Energien zu lösen und mehr Klimaschutz zu betreiben. Würde allerdings die Menschheit von heute auf morgen komplett ihren Ausstoß an Treibhausgasen einstellen, so würde das die Ozeanerwärmung nicht unmittelbar stoppen – denn in der Atmosphäre hat sich schon so viel Kohlendioxid angesammelt, dass die Erwärmung der Meere erst einmal weitergeht. „Wir sind auch dann noch lange nicht im Gleichgewicht“, sagt Visbeck. „Erst ein deutliches Absinken der Kohlendioxidkonzentration würde die Erwärmung der Ozeane reduzieren.“

Abgestellt würde die Heizung der Meere erst, wenn wir fast zurück auf die vorindustriellen CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre kämen.

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