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Klimawandel Städte wappnen sich gegen die Hitze

Dieser Sommer wird möglicherweise den Rekordsommer von 2003 in den Schatten stellen. Und es ist zu erwarten, dass die Zahl der Hitzemonate in Zukunft steigen wird. Städteplaner stellen sich darauf ein.

Sommer in der Stadt
New York leidet häufig unter Hitze. Die Stadt hat im vergangenen Jahr deshalb den Plan „Kühle Nachbarschaften“ aufgelegt. Foto: rtr

Die Hauptstadt trocknet aus. Viele Rasenflächen haben eine gelbe Farbe angenommen. Das Technische Hilfswerk fährt mit Einsatzfahrzeugen durch die Straßen und wässert die Bäume. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hatte die Stadtbewohner bereits vergangene Woche gebeten, den Stadtbäumen „einige Eimer Wasser“ zu spendieren. Und der Naturschutzbund Nabu ruft dazu auf, Tränken im Garten oder auf dem Balkon für durstige Vögel aufzustellen.

Meteorologen halten es für möglich, dass dieser Sommer sogar den Rekordsommer von 2003 in den Schatten stellen könnte. Zugleich erwarten sie, dass es in Zukunft immer öfter zu solchen Hitzemonaten kommen wird – vor allem in den Städten. Also dort, wo heute drei Viertel aller Deutschen leben. In den Ballungszentren entstehen sogenannte Hitzeinseln. Grund ist eine verdichtete Bauweise, die verhindert, dass Regen versickern und wieder verdunsten kann, aber auch, dass sich Luft austauscht. Gleichzeitig sorgen die dunklen Oberflächen der Hausdächer, Plätze und Straßen dafür, dass Sonnenenergie gespeichert und in der Nacht wieder als Wärme abgestrahlt wird. Die Folge: Die Städte kühlen in den Sommernächten gar nicht mehr richtig ab und können bis zu zwölf Grad heißer werden als das Umland.

„Die Statistik zeigt ganz klar, dass die Hitze in der Stadt zunimmt“, sagt Beate Profé von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. „Bei großer Hitze sehen wir die Unterschiede zwischen Innenstadt und Außenstadt besonders stark.“ Ein Bericht im Auftrag der Berliner Umweltverwaltung prognostizierte im Jahr 2016, dass sich zusätzlich zur bisherigen Erwärmung die Sommer bis Mitte des Jahrhunderts im Schnitt um etwa ein weiteres Grad erwärmen und bis Ende des Jahrhunderts um etwa drei Grad – das wären in etwa die ungarischen Sommer von heute.

Ganz ausgeliefert sind die Städte der Hitze aber nicht – es gibt erprobte Gegenmittel. Um die Städte zu kühlen, können Grünflächen helfen. Weil der Stadtraum knapp ist und der Trend eher zur Nachverdichtung als zur Schaffung offener Flächen geht, müssen die bisherigen Grün- oder Brachflächen aufgewertet werden. Oder eben Dächer und Fassaden begrünt werden.

Zusätzlich lassen sich versiegelte Böden wieder auflockern und für den Regen durchlässiger machen – etwa mit Kopfsteinpflaster oder besonderem Belag auf dem Bürgersteig. Die Dächer und Fassaden könnten alternativ zur Begrünung auch weiß gestrichen werden. So werden Sonnenstrahlen nicht mehr geschluckt, sondern zurückgeworfen – die sogenannte Albedo, das Rückstrahlvermögen der Oberflächen, steigt.

Auch hilft es, mehr Orte zu schaffen, wo es Wasser gibt – Wasserspender, Wasserzwischenspeicher in Parks, aber auch Bäche oder kleine Seen, die für Kühlung sorgen. Inzwischen muss in Berlin die Hitzebegrenzung bei jedem neuen größeren Projekt mitgedacht werden. „Bei jedem neuen Bebauungsplan muss ein Umweltbericht erstellt werden, der auch die Aspekte des Klimaschutzes enthält“, sagt Profé.

Entsteht zum Beispiel ein neues Stadtquartier, muss geprüft werden, inwiefern das Stadtklima und Luftleitbahnen in der Stadt beeinflusst und ob Kompensationsmaßnahmen nötig sind – also eine Begrünung oder Wasserstellen.

Eine Ausnahme ist Berlin bei alldem nicht. „Die großen, verdichteten Städte beschäftigen sich fast alle mit dem Thema“, sagt Profé. Das gilt auch für New York, das vergangenes Jahr einen 106 Millionen Dollar schweren Plan aufgelegt hat, der den Namen „Kühle Nachbarschaften“ trägt und die Gesundheitsbelastung infolge der Hitze senken soll. Geplant ist, die Fassaden von Gebäuden weiß zu streichen oder zu begrünen und mehr Bäume zu pflanzen. Die Stadt der Zukunft: Sie dürfte grün-weiß aussehen.

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