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Klimawandel Die Natur als Klimaschützer

Baumpflanzungen im großen Stil, das Wiedervernässen von Mooren – all das hilft, CO2 aus der Atmosphäre zu binden.

Orangenplantage zur Erntezeit in Citrusdal, Westkap Provinz, Südafrika, Afrika
Orangenbäume helfen, die Qualität des Bodens zu verbessern. Foto: dpa

In Kenia fällt immer weniger Regen. Das merken die Menschen auch in Makueni County. In der ohnehin schon trockenen Region im Südosten des Landes kommt es auf jeden Tropfen Wasser an. In der kurzen Regenzeit hingegen prasseln heftige Schauer nieder, es kommt zu Erdrutschen, die die Böden ausspülen. „Die unberechenbar gewordenen Niederschläge haben das meiste unserer Böden weggewaschen,“ sagt Mary Mbege, Amtsleiterin für Umwelt- und Klimaschutz in Makueni County.

Die fortschreitende Bodendegradation sollen Bäume stoppen. Die Kreisverwaltung ermutigte die Bauern, mehr Orangen- und Mango-Bäume zu pflanzen. „Unser Ziel ist es, die Baumbedeckung auf 18 Prozent zu erhöhen“, sagt Mbege, die an der Universität Greifswald Landschaftsökologie und Naturschutz studiert hat. 

Für die Kreisverwaltung ist das Projekt ein Erfolg, auch weil die Obstbäume den Bauern eine neue Einkommensquelle eröffnet haben. In einer Fabrik werden die Mangos und Orangen zu Püree verarbeitet und exportiert. Auch dem Klima helfen die gezielten Baumpflanzungen in Makueni County, da sie CO2 aus der Atmosphäre zu binden.

Im großflächigen Maßstab könnte das Aufforsten sogar dabei helfen, die Erderwärmung doch noch auf 1,5 Grad zu begrenzen und einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern. Ein zügiges Absenken der Emissionen allein reicht nicht mehr, denn zu viel CO2 wurde schon in die Atmosphäre gepumpt. Also müssen große Mengen CO2 aus der Atmosphäre gebunden werden.

Oft werden unerprobte Techniken wie das sogenannte „Bio Energy with Carbon Capture and Storage“, kurz BECCS, in Spiel gebracht. Dafür müssten Pflanzen auf riesigen Äckern angebaut und anschließend in Kraftwerken verbrannt werden. Das dabei freigesetzte CO2 soll technisch aufwendig abgetrennt und unter der Erde gespeichert werden. Ob das im großen Maßstab klappt, ist ungewiss.

Erfolgsversprechender ist es, auf die Natur zu setzen. Seit Jahrtausenden werden in natürlichen Prozessen wie beim Wachstum von Bäumen oder bei der Entstehung von Mooren erhebliche Mengen an Kohlendioxid gespeichert. Warum diese natürlichen Vorgänge nicht für den Klimaschutz nutzen? Die Idee, die im Expertensprech „Natural Climate Solutions“ genannt wird, ist so genial wie einfach.

Wie viel die Natur tatsächlich zum Klimaschutz beitragen kann, hat ein internationales Forscherteam untersucht – mit spektakulären Ergebnissen. „Natural Climate Solutions können weltweit jährlich etwa elf Gigatonnen CO2-Äquivalente zum Klimaschutz beitragen“, fasst Alexander Popp, Landnutzungsexperte am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), die Ergebnisse der Studie, an der er nicht beteiligt war, zusammen.

Auch die biologische Vielfalt wird so erhalten

Das entspreche mehr als 30 Prozent des bis 2030 benötigten Klimaschutzes, um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen. „Etwa die Hälfte davon könnte durch den Erhalt kohlenstoffreicher Flächen erreicht werden“, erläutert Popp, also durch den Schutz tropischer Wälder oder von Torfmooren. Die andere Hälfte, indem der Atmosphäre CO2 etwa durch Aufforstung wieder entzogen werde. Die Methode sei deshalb so attraktiv, weil sie im Gegensatz zu vielen anderen Klimaschutzmaßnahmen ohne großen technischen Aufwand heute schon verfüg- und anwendbar sei – und das zu vergleichsweise geringen Kosten.

Die Natur für den Klimaschutz einzuspannen, hat noch weitere Vorteile: Die untersuchten Maßnahmen würden die Bodenproduktivität verbessern, Luft und Wasser reinigen sowie die biologische Vielfalt erhalten, schreiben die Autoren in der Studie.

Auch Umweltschützer können dem Konzept einiges abgewinnen. „Wälder, Moore und Böden dürfen nicht nur als CO2-Senken betrachtet werden“, sagt Ann-Kathrin Schneider vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Aber der Ansatz könne zwei drängende Probleme der Zeit – der Verlust der Artenvielfalt und den Klimawandel – lösen.

Auch Christoph Bals, politischer Geschäftsführer bei Germanwatch, betont, dass es nicht nur um Klimaschutz gehen kann. „Wichtig ist auch der Schutz der Menschenrechte, all der Menschen, die mit dem Wald, mit der Landwirtschaft oder an der Küste wohnen“, sagt Bals.

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