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Klimawandel Die Gefahr für Küstenbewohner steigt

Die Anwohner von Küsten sollten sich besser auf Überflutungen vorbereiten - der Meeresspiegel könnte deutlich stärker steigen als bisher erwartet.

Sturmtief "Herwart" in Hamburg
Überschwemmte Hafencity in Hamburg: es wird schwieriger, die Städte an den Küsten zu schützen. Foto: Bodo Marks (dpa)

Küstenschützer und Bürgermeister der Inseln und Halligen an der deutschen Nordsee sind sich einig: Früher war der Deichbau wesentlich einfacher. Heute brauchen sie – wie etwa auf Föhr – für eine Deichverstärkung manchmal Hunderttausende Kubikmeter Sand. Auch an den Küsten Niedersachsens und Schleswig-Holsteins läuft längst die Verstärkung der Deiche.

Die Deichbauer stellen sich auf einen Meeresspiegelanstieg von 50 Zentimetern ein. Sie richten sich dabei nach den Szenarien des Weltklimarats. Der geht in seinem aktuellen Bericht davon aus, dass die Meere bis zum Ende des Jahrhunderts um 52 bis 98 Zentimeter steigen könnten – für den Fall, dass die Welt nichts weiter unternimmt, um das Klima zu schützen.

Allerdings können sich Bund und Länder auf diese Prognose nicht verlassen. Alle fünf Jahre veröffentlicht der Weltklimarat einen neuen Bericht, in dem Wissenschaftler die aktuellen Erkenntnisse zur Klimaforschung zusammenfassen – und beim Meeresspiegelanstieg gibt es noch zahlreiche Unsicherheiten. Wie stark die Eisschmelze auf Grönland und in der Antarktis die Meere wirklich steigen lässt, ist noch unklar.

Düstere Prognose

Erst im Mai warnte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), dass der Meeresspiegel noch viel stärker steigen könnte als in den Prognosen des Weltklimarats vorhergesagt. Grundlage der Befürchtungen sind aktuelle Studien. Ein Anstieg von 1,70 Metern sei nicht mehr ausgeschlossen. Darauf sind die Nord- und Ostseeländer nicht vorbereitet.

Und es könnte noch schlimmer kommen, wie eine Studie von US-Forschern im Fachmagazin Nature Communicationsjetzt nahelegt. Deren Ergebnis: Der Anstieg des Meeresspiegels durch die zunehmende Erderwärmung verläuft mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gleichmäßig – sondern in Schüben.

Da bisher kaum etwas bekannt war über die genauen jährlichen Schwankungen beim Meeresspiegelanstieg, mussten sich die Wissenschaftler des Weltklimarats bislang damit behelfen, den Anstieg linear darzustellen und mit einem Durchschnittswert aufs jeweilige Jahr herunterzurechnen. Das heißt, die Forscher unterstellten bislang, dass der Meeresspiegel in diesem Jahrhundert Jahr um Jahr um die gleiche Höhe ansteigt.

Doch nun haben die Forscher aus den USA erstmals nachgewiesen, dass die Meere bei einer Klimaveränderung unterschiedlich schnell ansteigen. Geholfen haben ihnen dabei alte Korallenriffe im Golf von Mexiko: Sie weisen noch Spuren des Meeresspiegelanstiegs am Ende der vergangenen Eiszeit vor 20 000 Jahren auf. Im Jahr 2012 kreuzten die Wissenschaftler mit dem Forschungsschiff „Falkor“ vor der Küste von Texas. Mithilfe eines Mehrstrahl-Echolots untersuchten sie zehn der fossilen Korallenriffe. Das Gerät lieferte hochauflösende 3-D-Bilder des Meeresbodens.

Die US-Forscher beobachteten sechs markante, unterschiedlich hohe Plateaus, die sie jeweils in Zusammenhang mit einem schubartigen Anstieg des Meeresspiegels bringen. „Diese Riffe zeigen, dass der Meeresspiegel nicht gleichmäßig anstieg, als sich die Erde beim letzten Mal so wie heute erwärmte“, sagt der Geologe und Studien-Mitautor André Droxler. „Im Gegenteil: Der Meeresspiegel stieg ziemlich schnell an, pausierte dann, um erneut schubartig anzusteigen, und so weiter.“

Eine Gefahr sehen die Forscher nun vor allem für die vielen Millionen Menschen, die an den Küsten der Kontinente leben. Sie seien auf solche Ereignisse schlecht vorbereitet. „Der Meeresspiegelanstieg kann viel schneller vonstatten gehen, als wir das bislang beobachtet haben“, sagt Jeff Nittrouer, Geologe und ebenfalls Koautor der Studie. „Die Siedlungen an den Küsten müssen sich auf Überflutungen einstellen.“

Auch die Bewohner der Inseln und Halligen in Deutschland müssen sich wahrscheinlich auf unsichere Zeiten gefasst machen – sie brauchen wohl mehr Sand als bislang.

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