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Klimawandel Aufforstung boomt

Klimaschutz kann einfach und billig sein - etwa durch Investitionen in Wälder.

Regenwald in Indonesien
Im tropischen Regenwald – hier in Indonesien – werden gewaltige Mengen an CO2 gespeichert. Foto: getty

Khyber Pakhtunkhwa galt als waldreichste Provinz Pakistans – bis die Taliban kamen. Um ihre Terroranschläge zu finanzieren, haben sie einen Großteil der Pinien- und Zedernwälder in der Region abgeholzt. Einst bewaldete Hügel sind nun kahl, Stümpfe ragen aus dem Boden. 2014 hat sich die Provinzregierung deshalb vorgenommen, eine Milliarde Bäume zu pflanzen. Dazu wurden tausende private Baumschulen gegründet und Setzlinge an Einheimische verteilt. Arbeitslose Jugendliche und Frauen kamen in Arbeit. Die Ufer des Indus, des Kunhar und des Swat wurden mit den Neupflanzungen stabilisiert. Bei den Überschwemmungen im Jahr 2010 – verursacht durch starken Monsunregen – waren Straßen und Brücken zerstört und Häuser fortgespült worden.

Die Nordprovinz Pakistans ist nur ein Beispiel von vielen eines wahren Erfolgsprojekts: Aufforstung boomt zurzeit – und das hilft dem Klimaschutz. Eine entsprechende Initiative, die sich „Bonn Challenge“ nennt (etwa „Bonner Herausforderung“), wurde vor sechs Jahren gestartet. Das Ziel: Bis zum Jahr 2020 mehr als viermal die Fläche Deutschlands, 1,5 Millionen Quadratkilometer, an geschädigtem oder gänzlich zerstörtem Wald wiederherzustellen. „Als wir die Bonn Challenge lanciert haben, wussten wir nicht, ob wir dieses Ziel erreichen würden“, sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Umweltministerium während der Weltklimakonferenz in Bonn, wo eine erste Bilanz gezogen wurde. Doch drei Jahre vor Ablauf der Frist ist das Ziel bereits erreicht. „Vielleicht hatten wir Glück, vielleicht haben wir aber auch ein Projekt präsentiert, mit dem sich die Menschen identifizieren konnten.“

Auch die Zivilgesellschaft kann Beiträge leisten

Die 1,5 Millionen Quadratkilometer werden von 44 Ländern, einem privaten Naturschutzgebiet in Guatemala und dem indonesischen Papierkonzern „Asia Pulp & Paper“ wieder aufgeforstet. In diesen Wäldern werden 15 Milliarden Tonnen CO2 gebunden, mehr als einem Viertel der globalen Treibhausgasemissionen eines Jahres. Außerdem werden wirtschaftliche Aktivitäten von 47 Milliarden Dollar durch die Bonn Challenge angestoßen. Das entspricht der Wirtschaftsleistung von Tansania, einem Land mit 55 Millionen Einwohnern.

Dieser Erfolg ist auch der UNO zu Ohren gekommen, die im Jahr 2014 den „logischen nächsten Schritt“ (Flasbarth) ins Rollen gebracht hat: die „New Yorker Walderklärung“ Nydf. Diese hat zum Ziel, den Waldverlust bis zum Jahr 2030 zu stoppen und weitere zwei Millionen Quadratkilometer ehemaligen Waldes wiederaufzuforsten.

Um diese Ziele zu erreichen, wurde an der Bonner Klimakonferenz mit deutscher Unterstützung eine Aktionsplattform unter dem Dach des UN-Entwicklungsprogramms UNDP lanciert. Wie schon bei der Bonn Challenge können auch bei der Nydf Unternehmen und Organisationen der Zivilgesellschaft Beiträge leisten. So hat etwa die belgische Umweltorganisation WeForest diese Woche die Wiederherstellung von 1000 Quadratkilometer Wald zugesagt. Dabei geht es nicht nur ums Bäumepflanzen wie WeForest Mitgründerin Marie-Noelle Keijzer erklärt: „Es geht darum, dass die Bäume nicht einfach nach ein paar Jahren wieder gefällt werden sondern für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte überdauern.“

Waldprojekte sind sofort umsetzbar

Das ist aber nicht die einzige Herausforderung bei derart großflächigen Aufforstungsprojekten. „Landschaften erfüllen viele Funktionen“, sagt Stewart Maginnis von der Weltnaturschutzunion Iucn. „Daher ist eine kohärente Politik erforderlich.“ Diese Erfahrung hat Ivan Valencia vom kolumbianischen Umweltministerium gemacht. „In unserem Ministerium kennen wir alle die Bedeutung von Wäldern.“ Wenn es um Tausende von Quadratkilometer geht, kämen aber auch andere Ministerien ins Spiel. „In Diskussionen mit dem Wirtschaftsministerium mussten wir erst deren Sprache lernen mit Wörtern wie ‚Produktivität‘ und ‚Wettbewerbsfähigkeit‘.“

Ein weiteres Problem ist Geld. „Die für Wälder zur Verfügung stehenden Mittel stehen in keinem Verhältnis zu deren Klimaschutzpotential“, sagt Franziska Haupt von der holländischen Beratungsfirma Climate Focus. Geld für Wälder mache nur ein Prozent der globalen Klimaschutzinvestitionen aus, dabei hätten Wälder das Potential, ein Drittel Emissionsreduktionen zu leisten, die für die Erreichung der Ziele des Paris Abkommens erforderlich sind.

Warum Waldprojekte unterfinanziert sind, weiß auch Jamison Ervin vom UNDP nicht: „Investitionen in Wälder sind nicht nur die bei weitem billigste Klimaschutzmaßnahme, sondern sind auch sofort umsetzbar.“ Die Klimadiplomaten in Bonn sollten daher die „Bonner Herausforderung“ annehmen: Klimaschutz, der schnell wirkt und billig ist.

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