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Klimawandel „Amerikaner spüren Klimawandel schon jetzt“

Die Nationale Wissenschaftsakademie zeigt Donald Trump und seinen Klimaleugnern, wie es wirklich um die USA bestellt ist: Nämlich tendenziell zu warm und immer wärmer.

North Carolina
Hurrikan Arthur in Nags Head, North Carolina, Anfang Juli. Gar nichts Besonderes. Foto: afp

Donald Trump rühmt sich, den „Krieg gegen die Kohle“ beendet zu haben. Der Chef seiner Umweltbehörde EPA, Scott Pruitt, bezweifelt den menschlichen Einfluss auf die Erderwärmung. Das Landwirtschaftsministerium hat gerade sein Personal angewiesen, künftig statt vom Klimawandel nur noch von „Wetterextremen“ zu reden.

Doch nun schlägt ein 545 Seiten dicker Wälzer auf den Schreibtischen des Weißen Hauses auf. Er wurde von Regierungsexperten bei 13 Bundesbehörden erstellt und kommt zu einem ebenso eindeutigen wie alarmierenden Befund: „Die Amerikaner spüren die Effekte des Klimawandels schon jetzt.“ Die Durchschnittstemperaturen in Nordamerika seien drastisch gestiegen. Und für diesen Effekt seien „hauptsächlich menschliche Aktivitäten – besonders der Ausstoß von Treibhausgasen – verantwortlich“.

Ein einziger Widerspruch zu Trumps Klimapolitik

Im sommerlich aufgeheizten Washington, wo passenderweise gerade die altersschwache Klimaanlage des Weißen Hauses ausgetauscht wird, ist die Studie der Nationalen Wissenschaftsakademie der USA ein Politikum ersten Ranges. Eigentlich müsste die Umweltbehörde EPA sie bis zum 18. August gegenzeichnen. Dann würde sie Teil des Nationalen Klimagutachtens, das die Regierung alle vier Jahre vorlegen muss. Doch einige Wissenschaftler befürchten nach einem Bericht der „New York Times“, dass die kritische Datensammlung unterdrückt werden könnte. Das dürfte der Grund sein, weshalb das Konvolut auch bei der Zeitung landete, die es im Netz komplett veröffentlicht hat.

Tatsächlich liest sich die Untersuchung mit einer Fülle von Zahlen, Grafiken und Quellennachweisen wie ein einziger Widerspruch zu Trumps Klimapolitik. Der Präsident hatte erst vor wenigen Tagen offiziell den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen zur Reduzierung von CO2-Emissionen verkündet. Zwar hat er in jüngster Zeit die Erderwärmung öffentlich nicht mehr komplett bestritten. Doch vor seiner Wahl behauptete er, der „Mythos“ des Klimawandels sei von „den Chinesen“ in die Welt gesetzt worden, „um die amerikanische Industrie aus dem Wettbewerb zu drängen“: „Die Erderwärmung ist ein kompletter und sehr teurer Schwindel.“

Die Studie der regierungsamtlichen Experten belegt das Gegenteil: Weltweit sind die Temperaturen von 1951 bis 2010 um 0,7 Grad Celsius gestiegen. Davon seien 0,65 Grad durch Menschen verursacht. Im gesamten 20. Jahrhundert kletterten die Durchschnittstemperaturen in den USA demnach um 0,8 Grad. „Selbst bei einer signifikanten Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen“ werde sich das Land in den nächsten Jahrzehnten um 1,4 Grad weiter erwärmen. Die Folgen wären längere Hitzewellen, ein weiteres Abschmelzen des Eises in Alaska und massive Unwetter.

Nach Ansicht der Wissenschaftler lassen sich einzelne, aber nicht alle extreme Wettersituationen direkt auf den Klimawandel zurückführen. So seien für die Hitzewellen in Europa 2003 und Australien 2013 die Belege ziemlich eindeutig. Hingegen könne man die jüngsten Dürren in den USA nicht eindeutig allein auf Erderwärmung zurückführen. Nach Auffassung der Autoren spricht „eine mittlere Wahrscheinlichkeit“ dafür, dass die steigenden Temperaturen im Westen und Norden der USA auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Gerade in den vergangenen Tagen litten die Bundesstaaten Washington und Oregon, die unter hitzegeplagten Amerikanern im Sommer gemeinhin als Oasen für einen erfrischenden Urlaub gelten, unter Extremtemperaturen knapp über der magischen Marke von 100 Grad Fahrenheit (knapp 38 Grad Celsius).

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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