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Klimaschutz Städte müssen dichter werden

Mit Blick auf den Klimaschutz empfehlen Wissenschaftler für die Zentren 15.000 Einwohner pro Quadratkilometer.

Rothenburg ob der Tauber
Dicht an dicht, so stehen die Häuser in Rothenburg ob der Tauber – dem Inbegriff einer historischen Stadt. Foto: Getty

Die Stunde null für Kapstadt kommt voraussichtlich Ende August. Dann wird das Leitungswasser abgestellt und die vier Millionen Einwohner der südafrikanischen Metropole müssen sich ihre Wasserrationen an Verteilpunkten abholen. „Die Frage, die mein Denken bestimmt, ist: Wenn die Stunde null kommt, wie verteilen wir dann das Wasser und verhindern Anarchie?“, fragt Helen Zille, die Ministerpräsidentin der Provinz Westkap. Diese Frage wird in den kommenden Jahren nicht nur für Kapstadt wichtig sein. Urbanisierung und klimabedingte Extremwetterereignisse wie die mittlerweile seit drei Jahren andauernde Dürre am Kap sorgen dafür, dass immer mehr Städte Opfer von Naturkatastrophen zu werden drohen.

Manche dieser Städte liegen auch in Europa. Eine neue Studie der New Yorker Columbia-Universität zeigt, dass in den nächsten zehn Jahren die regionale Klimaerwärmung in 13 Städten der Welt die Zwei-Grad-Grenze überschreiten wird. Dazu gehören etwa Löwen in Belgien und Genf in der Schweiz. Aber noch vielen anderen europäischen Städten droht Ungemach, wie eine andere Studie von der Universität Newcastle zeigt. Überschwemmungen drohen in fast allen Städten, die an Flüssen liegen. Hitzewellen werden Stockholm, Rom, Wien und Prag heimsuchen, und Madrid und Lissabon müssen sich auf das gleiche Schicksal wie Kapstadt vorbereiten: Dürre.

„Obwohl südeuropäische Städte auf Dürren vorbereitet sind, könnte dieses Ausmaß der Veränderungen die Grenzen des Erträglichen überschreiten“, sagt Selma Guerreiro, Hauptautorin der Studie. Diese zeigt, dass Dürren in Europa in Zukunft bis zu 14-mal schwerwiegender sein könnten als heute. Richard Dawson, ein Ko-Autor, stellt denn auch fest: „Die Forschungsergebnisse zeigen die dringende Notwendigkeit, unsere Städte auf diese zukünftigen Bedingungen vorzubereiten.“ Dieses Erfordernis ist auch dem Weltklimarat IPCC bewusst. Der IPCC, der „Intergovernmental Panel on Climate Change“, der in dieser Woche seinen 30. Geburtstag feierte, hat sich nun erstmals ausschließlich mit Städten und ihrer Rolle beim Klimawandel beschäftigt.

Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie sich Städte am besten auf Umweltkatastrophen vorbereiten. Es geht auch darum, was Städte zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen können. Bereits heute lebt mehr als die Hälfte der Menschheit in Städten und Mitte des Jahrhunderts werden es zwei Drittel sein.

Der Stoffwechsel der Städte, also ihr Energie- und Ressourcenverbrauch, wird den Kampf gegen den Klimawandel entscheiden. Die UN-Studie „Das Gewicht der Städte“ (‚The Weight of Cities“) zeigt die Dimensionen des urbanen Metabolismus auf: Während Städte heute jedes Jahr 40 Milliarden Tonnen Ressourcen „verstoffwechseln“, werden es in Zukunft 90 Milliarden Tonnen sein – wenn die Ressourceneffizienz nicht deutlich gesteigert wird.

Dichter der Städte nimmt zu

Die Studie stellt dazu lapidar fest: „Die große Nachfrage nach Rohmaterialien übersteigt bei Weitem, was der Planet nachhaltig zur Verfügung stellen kann.“ Der Materialverbrauch von Städten muss folglich sinken – von rund 14 Tonnen pro Kopf auf die Hälfte, also sieben Tonnen.

Städte verbrauchen aber nicht nur Rohstoffe und Energie, sondern auch Land. Derzeit nimmt die Dichte der Städte jedes Jahr um zwei Prozent ab. Ohne Trendumkehr werden Städte im Jahr 2050 eine Fläche von 2,5 Millionen Quadratkilometern bedecken, statt knapp einer Million wie heute. Da sich Städte oft an Orten mit fruchtbarem Land entwickelt haben, bedroht dies die Nahrungsmittelproduktion.

Städte müssen also wieder dichter werden. Die Studienautoren empfehlen Knoten mit 15.000 Einwohnern pro Quadratkilometer, umgeben von Quartieren mit 10.000 Einwohnern. Wer jetzt „Dichtestress“ fürchtet, kann aber beruhigt sein: In Paris leben 21.500 Menschen pro Quadratkilometer und Frankreichs Hauptstadt gilt dennoch als lebenswert.

Die typische europäische Altstadt

Größere Dichte ist zudem die Voraussetzung für eine städtische Kreislaufwirtschaft, wo etwa die Abwärme des einen die Heizwärme des anderen ist. Außerdem sorgt größere Dichte für kleinere Entfernungen, sodass mehr Menschen zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren.

Aus europäischer Sicht sind viele der Empfehlungen nicht überraschend, sondern erinnern an etwas Bekanntes: die typische europäische Altstadt. 

Hohe Dichte, kurze Distanzen und eine gemischte Nutzung mit Wohnhäusern, Geschäften, Büros und Gewerbebetrieben sowie Parks und öffentlichen Gebäuden sorgen dort für eine bunte und lebenswerte Stadt. Schön, dass das auch aus Sicht der Wissenschaft die Zukunft ist.

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