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Klimaschutz Der CO2-Ausstoß steigt wieder

Drei Jahre lang schien es, als sei der „Peak“ beim globalen CO2-Ausstoß erreicht. Jetzt steigen die Emissionen wieder - woran liegt das?

Kohlekraftwerk in Juijiang
Kohlekraftwerk in Juijiang. Chinas Wirtschaft ist noch immer stark von der Kohlenutzung abhängig. Foto: imago

Das Aufatmen kam zu früh: Drei Jahre lang schien es so, als sei der „Peak“ beim globalen CO2-Ausstoß erreicht – das Plateau, ab dem die Kurve endlich nach unten gehen würde. Vor allem Klima-Obereinheizer und Kohle-Verbrenner China hatte seine Emissionen gedrosselt, und das heizte die Hoffnungen an, die Trendwende sei erreicht.

Doch nun die Ernüchterung: Dieses Jahr werden die Emissionen aus der Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas sowie aus der Industrie wieder ansteigen – um schätzungsweise zwei Prozent auf 37 Milliarden Tonnen. Hinzu kommen noch rund vier Millionen Tonnen CO2 aus Waldvernichtung, Trockenlegung von Mooren und anderen Landnutzungsänderungen.

Forscherteams des „Global Carbon Project“ legen jährlich einen Bericht zum globalen Kohlenstoff-Budget vor. Dieses Budget gibt an, wie viel Treibhausgase weltweit noch maximal in die Atmosphäre ausgestoßen werden, um das beim Paris-Klimagipfel 2015 beschlossene Erwärmungslimit von zwei Grad Celsius noch einhalten zu können.

Die aktuellen Zahlen, am Montag auf der Bonner UN-Klimakonferenz vorgelegt, machen deutlich, dass die aktuell in Bonn versammelten Staaten keinen Grund zur Selbstzufriedenheit haben. An der Erstellung des Reports waren 76 Forscher von 57 Institutionen aus 15 Ländern beteiligt.

Der CO2-Ausstoß erreicht im Jahr zwei nach dem Paris-Gipfel 2017 voraussichtlich also einen neuen Rekord. „Das ist sehr enttäuschend“, kommentierte die Direktorin des Tyndall Zentrums für Klimawandelforschung an der Universität East Anglia in Großbritannien, Corinne le Quéré. „Die Zeit läuft uns davon, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu halten, geschweige denn auf 1,5 Grad.“

Hauptfaktor ist China. Das Land mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern ist alleine für 28 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich, gefolgt von den USA mit 16 Prozent, und hat daher starken Einfluss auf das Gesamtbudget. Seine trotz kräftiger Investitionen in Wind- und Sonnenenergie immer noch stark von der Kohlenutzung abhängige Wirtschaft zog in diesem Jahr stark an; erwartet wird ein BIP-Plus von knapp sieben Prozent. Hinzu kommt, dass die Wasserkraftwerke infolge eines regenarmen Jahres weniger Strom lieferten.

Postitive Entwicklung in Deutschland

Ergebnis: Der Kohleverbrauch legte um drei Prozent zu, was die Emissionen des Landes nach zwei Jahren Stagnation wieder ansteigen ließ - um 3,5 Prozent. Zwar sank gleichzeitig der CO2-Ausstoß in den meisten Industrieländern, in den USA um 0,4 Prozent, in Europa um 0,2 Prozent. Allerdings: „Der Rückgang reicht nicht aus, um das Emissionswachstum in den Entwicklungsländern auszugleichen“, sagte der Co-Autor der Studie Glenn Peters. Peters ist Forschungsdirektor der Klimainstituts „Cicero“ in Oslo.

Doch der Report liefert auch positive Nachrichten. In 22 Ländern, darunter Deutschland, ging der CO2-Ausstoß in den vergangenen zehn Jahren trotz Wirtschaftswachtums zurück. Le Quéré: „Das zeigt, dass es möglich ist, Wirtschaftswachstum und CO2-Ausstoß zu entkoppeln.“ Auch die Entwicklung in Indien sehen die Experten positiv – dort sank das jährliche CO2-Plus seit 2007 von sechs auf zwei Prozent.

Indien als viertgrößter CO2-Einheizer der Welt ist ebenfalls in einer Schlüsselstellung. Das Land hat wie China sehr ambitionierte Pläne zum Ausbau der Ökoenergien aufgelegt. Die neuen Zahlen zeigen, wie schwer es sein wird, die globalen Emissionen schnell genug in Richtung Zwei-Grad-Pfad zu bringen. Bliebe es beim CO2-Rekord von 2017 wäre das Kohlenstoff-Budget schon binnen 20 bis 30 Jahren aufgebraucht, und danach müssten die Emissionen sofort Null erreichen. Noch kritischer: Wenn die Emissionen auch nach 2017 weiter steigen.

Einen positiveren Ausblick gaben unterdessen die Klimaanalytiker des „Carbon Action Tracker“. Sie korrigierten ihre Voraussage für die Erderwärmung bis 2100 etwas nach unten. Mit den derzeitigen politischen Maßnahmen aller Länder steuere die Welt auf eine Erderwärmung von 3,4 Grad bis 2100 zu - 0,2 Grad weniger, als 2016 vorausgesagt. „Seit einem Jahr haben die Regierungen substanzielle Schritte getan, um ihre Klimapolitik zu verbessern“, kommentierte Niklas Höhne vom New Climate Institute in Köln. Klar ist aber auch: Ausreichend sind diese Verbesserungen noch lange nicht.

Mitarbeit: Benjamin von Brackel

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