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Klimaretter Die Stunde der Solarspeicher

Die Entwicklung der Geräte steht noch am Anfang – die Wachstumsprognosen fallen üppig aus. Neben etablierten Herstellern bieten inzwischen auch eigentlich branchenfremde Unternehmen Solarspeicher an.

Photovoltaik-Anlage
Die Zahl der Photovoltaik-Anlagen auch auf privaten Hausdächern ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Foto: rtr

Wer Solarmodule auf dem Dach installiert hat, steht oft vor einem Problem: Besonders an sonnigen Sommertagen produziert die PV-Anlage mehr Strom, als ihr Besitzer nutzen kann. Doch dann sind die meisten auf der Arbeit. Wenn sie abends nach Hause zurückkehren, liefert die Anlage keinen Strom mehr. Ein Ausweg bieten Solarspeicher, also Akkus, die den überschüssigen Strom der Photovoltaikanlage solange speichern, bis er gebraucht wird. So lässt sich der Eigenverbrauch auf über 50 Prozent steigern.

Inzwischen ist einige Bewegung in den Markt für Solarspeicher gekommen. War es lange Zeit teuer, eine Photovoltaik-Anlage mit einem Batteriespeicher zu koppeln, hat sich die Lage dank der stetig sinkenden Preise heute geändert. Seit 2013 sind die Preise für Speicher um etwa 40 Prozent gefallen. Und die Nachfrage steigt stetig. „Wir gehen davon aus, dass bereits mehr als 60.000 Speicher in Deutschland installiert sind“, sagt Konstantin Francke vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW). Allein im vergangenen Jahr wurden 20.000 neue Speicher in Betrieb genommen. Bis Ende 2018 könnte die Zahl der Heimspeicher auf 100.000 anwachsen.

Im Vergleich zu den rund 1,6 Millionen installierten Photovoltaik-Anlagen steht die Entwicklung erst am Anfang. Doch die Wachstumsprognosen sind üppig – neben etablierten Herstellern wie Sonnen, E3/DC oder Varta bieten inzwischen auch eigentlich branchenfremde Unternehmen wie die Autobauer Daimler oder Tesla Solarspeicher an. Doch während man für Teslas Powerwall noch tief in die Tasche greifen muss, hat der sächsische Hersteller Solarwatt nun angekündigt, ab Sommer kostengünstige Lithium-Ionen-Akkus zu verkaufen. Damit können Eigentümer einer Solaranlage künftig mehr vom selbst produzierten Strom nutzen – bislang können sie nur rund ein Viertel des eigenen Stroms nutzen.

Lange verhinderten die Einspeisevergütung für Solarstrom und die hohen Kosten für Speicher, dass sich der Betrieb von Solarspeicher lohnt – vor allem wenn Photovoltaik-Anlage und Batteriespeicher gemeinsam angeschafft wurden. Doch das dreht sich nun. „Ungefähr 40 Prozent der neuen Photovoltaik-Anlagen im Eigenheimbereich werden zurzeit direkt mit einem Speicher installiert“, sagt BSW-Sprecher Francke.

In den meisten Fällen tut es schon ein kleiner Speicher. Keinesfalls sollte man sich ausschließlich an der Speicherleistung orientieren, sondern auch den Bedarf des Haushalts berücksichtigen. „Der Speicher muss zur Photovoltaik-Anlage und zum Strombedarf im Haushalt passen“, sagt Ines Rutschmann vom Verbraucherportal Finanztip. Für eine gängige Photovoltaik-Anlage mit einer Nennleistung von fünf Kilowatt sind oft schon Speicher mit drei- bis fünf-Kilowattstunden Speicherkapazität ausreichend. Wenn die Kosten pro Kilowattstunde für diesen kleinen Speicher unter 1000 Euro netto falle, dann werde der das Speichern von selbst erzeugtem Solarstrom wirtschaftlich. Das sei mit den preisgünstigen Modellen, die nun auf den Markt kommen, der Fall.

Doch wer herausfinden will, ob sich ein Solarakku schon rechnet, sollte auch die aktuellen Strompreise im Blick haben. „Die Anschaffung eines Speichers lohnt sich, wenn die Erzeugung und Speicherung unter dem Preis von Strom aus der Steckdose liegt“, sagt Rutschmann. Gegenwärtig liegt der Strombezugspreis bei im Schnitt 30 Cent je Kilowattstunde Strom. Sobald die Speicherkosten für eine Kilowattstunde Strom auf unter 20 Cent sinken, lohnt sich die Anschaffung.

Um den Markt weiter anzukurbeln, hat die Regierung 2016 das Förderprogramm für Solarspeicher wieder aufgelegt. Wegen der hohen Nachfrage stoppte die KfW das Programm allerdings im Oktober. Mit Jahresbeginn nimmt die Bank nun wieder Förderanträge entgegen. Die Förderhöhe hängt von der Größe der Photovoltaik-Anlage, den Anschaffungskosten des Systems und dem Antragsdatum ab. „Die Förderraten sinken alle sechs Monate“, sagt Rutschmann. Damit wird die Inanspruchnahme für den Verbraucher weniger lukrativ.

Gegenwärtig wird die Anschaffung eines Speichers mit 19 Prozent auf die anrechenbaren Kosten bezuschusst. Ab Sommer gibt es noch 16 Prozent. Damit fördert die KfW den Kauf eines Speichers aktuell höchstens mit 380 Euro pro Kilowatt Leistung der Photovoltaikanlage. Wird der Speicher nachträglich zu einer schon vorhandenen Solaranlage angeschafft, zahlt die KfW maximal 418 Euro, da die Anpassung der Steuerungstechnik zusätzliche Kosten verursacht.

Rutschmann geht davon aus, dass das Förderprogramm wegen der sinkenden Speicherkosten möglicherweise schon vor seinem Ablauf Ende 2018 überflüssig werden könnte. Ohnehin scheut so mancher den Aufwand der Fördermittelbeantragung oder die KfW-Auflage, einen Kredit in Anspruch nehmen zu müssen. Schon jetzt entscheiden sich etliche Besitzer von Solaranlagen auch ohne Förderung für einen Speicher.

Einen erheblichen Aufwind für den Speichermarkt erwarten Experten spätestens ab 2020. Dann werden die ersten Verträge für eine Einspeisevergütung von Solarstrom auslaufen. Die Besitzer werden dann ihren Eigenverbrauch erhöhen wollen. Auch die Elektromobilität könnte zum Speicherboom beitragen. Ausgediente Batterien von E-Autos könnten als Solarspeicher noch weiter genutzt werden.

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