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Klimakonferenz Peduto bekennt sich zu Paris

Der Bürgermeister von Pittsburgh hat es dank Trump zu weltweiter Berühmtheit gebracht – ein Porträt.

Bill Peduto, Bürgermeister von Pittsburgh
Bill Peduto, 53, hat einen Plan für seine Stadt Pittsburgh. Foto: afp

Am Samstag begrüßte die Weltklimakonferenz in Bonn einen besonderen Gast – den Mann, der wie kaum ein anderer für die problematische Argumentation der US-Aussteiger aus dem Klimaabkommen stand. „Vielleicht habt ihr von mir gehört“, stellte sich der Mann mit schwarzen kurzen Haaren, roten Wangen und Wohlstandsbauch vor. Bill Peduto, der Bürgermeister von Pittsburgh, brachte es zur weltweiten Bekanntheit, nachdem US-Präsident Donald Trump im Juni den Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen angekündigt hatte. Er vertrete „die Bürger von Pittsburgh, nicht die von Paris“, hatte Trump diese Entscheidung damals begründet.

Nur hatte er dabei die Rechnung nicht mit Bill Peduto gemacht. Der Demokrat regiert die einstige Stahlstadt Pittsburgh inmitten einer Kohleregion seit 2014. Er versucht, sie zu einem Vorreiter in Sachen Ökoenergien zu machen und setzt auf klimafreundliche Dienstleistungen. 

Als er deshalb Anfang Juni via Twitter erklärte, dass Pittsburgh voll hinter dem Klimaabkommen von Paris stehe, stellte er Trump bloß – und dessen Entscheidung wirkte noch losgelöster von der Realität. „Als Bürgermeister von Pittsburgh kann ich ihnen versichern, dass wir den Regeln des Paris-Abkommens folgen werden und zwar für unsere Bürger, unsere Wirtschaft und unsere Zukunft.“

Inzwischen haben sich 367 Städte in den USA gegen Trump gestellt und zu Paris bekannt. Darunter auch Pittsburgh. 

„Wir haben versagt“, konstatierte der 53-jährige Peduto nun auf dem Podium einer Veranstaltung der Klimakonferenz in Bonn mit ernstem Blick. „Wir haben eine Debatte kreiert, in der zwischen Arbeitsplätzen und der Umwelt entschieden werden muss.“ Dabei sei das kein Gegensatz. „Ich sah, wie meine Stadt starb“, sagte Peduto, der einst ein Beratungsunternehmen geleitet hatte, bevor er über den Stadtrat bis zum Bürgermeister von Pittsburgh aufstieg. „Wir exportierten nur noch Menschen“, spielt er darauf an, dass massenhaft Einwohner aus der Stadt zogen, weil die Stahlindustrie zusammenbrach und die Arbeitslosigkeit nach oben schnellte. 

Mit Hilfe von Ökoenergien und technischen Neuerungen will Peduto nun die 300 000-Einwohner-Stadt wieder voranbringen. So habe er ein großes IT-Unternehmen gefragt, was er tun könne, um seine Stadt attraktiver für Investitionen zu machen. Die Antwort: Schafft saubere Luft. Die städtischen Betriebe will Peduto nun auf 100 Prozent Ökoenergien umstellen.

Das Selbstbewusstsein, seine Stadt umzuformen und sich Trump entgegenzustellen, kann Peduto auch aus dem Ergebnis seiner Wiederwahl ziehen – er wurde mit 96 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt, ohne einen republikanischen Gegenkandidaten. Auf Pedutos Liste für die Modernisierung seiner Stadt stehen: Ladestationen für E-Fahrzeuge, selbstfahrende Autos, Messstationen für den CO2-Ausstoß von Fahrzeugen und Solaranlagen. 

„Wir müssen den Menschen Hoffnung auf die Zukunft geben und nicht falsche Hoffnungen wecken, dass wir neue Kohleminen öffnen können“, sagte Peduto. „Die Zeit bewegt sich nur in eine Richtung und die Kohle bleibt in der Vergangenheit.“

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