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Klimakonferenz in Bonn Zurück in die Zukunft

Einziger Auftritt einer Abordnung von US-Präsident Donald Trump auf der Weltklimakonferenz in Bonn. Wie Trumps Vision aussieht, ließ sich schon an den Namensschildern der Podiumsteilnehmer ablesen.

Klimakonferenz in Bonn
Der Auftritt der US-Kohlelobby bei der Klimakonferenz blieb bei den Zuhörern nicht unkommentiert. Foto: rtr

Am Montagabend bildete sich im Raum 10 auf der UN-Klimakonferenz in Bonn eine lange Schlange, wie vor einem Popkonzert. Der Grund: Es stand der einzige Auftritt der Abordnung von Donald Trump auf dem Gipfel bevor. Das Thema: die Vision des US-Präsidenten für ein Energiesystem der Zukunft.

Wie diese Vision aussieht, ließ sich schon an den Namensschildern der Podiumsteilnehmer ablesen. Mit dabei: Vertreter der Gas-Industrie, der Kohleindustrie und der Atomindustrie. Alle angeblich im Namen einer sauberen, klimafreundlichen Zukunft.

Doch bevor es losging, marschierte ein hochgewachsener Mann im Anzug in den Saal und platzierte sich vor der Weltpresse. „Wir lehnen Trumps Leugnung des Klimawandels ab“, erklärte Washingtons Gouverneur Jay Inslee neben seiner demokratischen Kollegin Kate Brown aus Oregon. „Die Regierung verhält sich gegenüber dem Klimawandel wie eine Feuerwehr, die nicht ausrückt, um einen Brand zu löschen.“

Aber es gebe ja noch die US-Bundesstaaten und Städte. Eine Allianz aus 110 Städten, 20 Bundesstaaten und 1300 Unternehmen hat sich zu eigenen Klimazielen verpflichtet, nachdem Trump im Juni angekündigt hatte, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen. „Das ist keine Kleinigkeit – wir repräsentieren 40 Prozent der US-Wirtschaft“, sagte Inslee.

Plötzlich erhebt sich der Saal

Am Montagabend auf der UN-Klimakonferenz vertrat David Banks die Gegenseite – die US-Regierung. Trumps Umweltberater erklärte, dass gewaltige Energiemengen nötig seien, um die Energiearmut in der Welt zu bekämpfen und die wachsende Nachfrage durch das Bevölkerungswachstum zu befriedigen. „Es ist naiv zu glauben, dass das alleine mit Wind und Sonne geht, weshalb wir weiterhin fossile Energien brauchen werden“, sagte er, während gedämpft das Skandieren der Demonstranten vor der Tür hereindrang. „Allerdings sollten sie so grün und sauber sein wie möglich.“

Die Zuhörer blieben in der ersten Viertelstunde mucksmäuschenstill, bis der halbe Saal sich plötzlich erhob und eine einstudierte Gesangseinlage ablieferte. In einer abgewandelten Version von „God bless the USA“ sangen sie minutenlang „I’ll glady stand up next to you and keep it in the ground“, ehe sie den Raum verließen.

„Wir können nur vorankommen, wenn wir einander zuhören“, sagte Amos Hochstein daraufhin, der in der Obama-Regierung gearbeitet hatte und nun in der Gasverflüssigungsfirma Tellurian angestellt ist. „Wir sollten uns nicht nur im Kreis drehen wie hier auf der Klimakonferenz.“ Wer das dann allerdings tat – also zuhören – der erlebte, dass diese neue Allianz der Energiezukunft, wie sie sich Trump vorstellt, sich mit Klimaschutz kaum vereinbaren lässt und auch untereinander gar nicht so richtig zusammenpassen will. So hat der Boom des billigen Schiefergases den Niedergang der US-Kohleindustrie angetrieben. In wenigen Jahren hat sich die Zahl der Kohlemeiler um die Hälfte dezimiert, die Produktion ist eingebrochen. Mit Hilfe des etwas klimafreundlicheren Schiefergases konnten die USA ihren CO2-Ausstoß in den letzten Jahren drosseln.

Nur ein „Nein“

Im Raum 10 in Bonn kündigte Holly Krutka vom Energieunternehmen Peabody Energy an, die Kohlekraftwerke für mehr Effizienz umzubauen und mit CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) auszurüsten – damit kämen Kohlekraftwerke „nahe Null beim CO2-Ausstoß“. Allerdings sei CCS „drastisch unterfinanziert“.

Die US-Kohlebranche steckt in einer Zwickmühle: Ohne CCS - die Abscheidung und unterirdische Speicherung von CO2 – hat sie wegen des Klimaschutzes keine Zukunftsperspektive. Doch ist die Risikotechnologie nicht nur höchst umstritten, sie reduziert auch die Effizienz der Kohlemeiler und ist zu teuer. Da die Kraftwerke aber heute schon ums Überleben kämpfen, wirkt die CCS-Option schon aus wirtschaftlichen Gründen aussichtslos.

Schließlich kommt noch die Atomenergiebranche ins Spiel, die sich als klimafreundliche Technologie gegenüber Gas und Kohle abgrenzt und Interesse daran hat, die Marktmacht der beiden Konkurrenten zu dezimieren. Insofern erscheint es durchaus folgerichtig, dass Lenka Kollar von Nuscale Power – einem US-Unternehmen, das kleine Atomkraftwerke in Modulform entwickelt – als einzige im Raum ein klares „Nein“ als Antwort gab auf die Frage einer Reporterin, ob die Podiumsteilnehmer die Ankündigung Trumps, aus dem Klimaabkommen aussteigen zu wollen, unterstützen.

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