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Klimagipfel Ein Paket, das viele enttäuscht

Nach 14 Tagen des Ringens steht das Klimapaket von Kattowitz – die Reaktionen auf die Ergebnisse sind geteilt.

Weltklimagipfel in Kattowitz
Erleichterung bei der deutschen Delegation um Bundesumweltministerin Svenja Schulze (r, SPD). Foto: dpa

Es waren quälend zähe Schlussverhandlungen auf dem UN-Klimagipfel im polnischen Kattowitz, doch seit Samstagabend steht das Regelwerk für das Pariser Weltklimaabkommen – es legt fest, wie die Staaten der Erde in Zukunft Klimaschutz zu betreiben haben. Die Reaktionen auf die Konferenz fielen jedoch zwiespältig aus. Einerseits Erleichterung, dass dies die Umsetzung des Paris-Vertrags überhaupt möglich macht, der die Erderwärmung zwischen 1,5 und zwei Grad stoppen soll. Anderseits Warnungen, dass die Fortschritte viel zu langsam sind, um die drohende „Heißzeit“ zu verhindern.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach nach dem Gipfel von einem „soliden“ Ergebnis. Allerdings müsse der CO2-Ausstoß nun auch tatsächlich zügig und stark gesenkt werden, der Klimawandel sei nach wie vor „schneller als wir“. EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete meinte: „Heute ist ein großer Tag.“ Es werde nun begonnen, „den Ehrgeiz in der Welt zu steigern“. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, Kattowitz habe in geopolitisch schwierigen Zeiten gezeigt, „dass es sich lohne, beharrlich an einem globalen Konsens zu arbeiten.“ 

Umweltschützer lobten zwar auch, dass es mit dem Regelwerk nun eine Basis für die Umsetzung des 2015 geschlossenen Paris-Vertrags gebe, zeigten sich aber enttäuscht angesichts der geringen Ambitionen. „Ein Jahr voller Klimakatastrophen und einer eindringlichen Warnung von den besten Wissenschaftlern der Welt hätten zu viel mehr führen sollen“, sage Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan. „Anzuerkennen, dass mehr Ehrgeiz nötig ist, und Regeln für den Klimaschutz zu verabschieden, ist nicht mal annähernd genug, wenn ganzen Nationen die Auslöschung droht.“ 

Bis zuletzt hatten auf dem Gipfel Länder wie Brasilien und die Türkei die Verhandlungen aus unterschiedlichen nationalen Interessen blockiert, konnten aber mit Zugeständnissen und Interventionen noch umgestimmt werden. Neue, ambitioniertere Ankündigungen, wie das 1,5- bis zwei-Grad-Limit des Paris-Vertrags – er tritt 2020 in Kraft – tatsächlich eingehalten werden kann, gab es in Kattowitz jedoch nicht. Bislang steuert die Welt auf eine Erwärmung um drei bis vier Grad zu. Ohne drastische Kurskorrektur werden die 1,5 Grad voraussichtlich bereits in den 2040er Jahren erreicht. 

Die Spannung, ob Regelwerk und Abschlusserklärung durchkommen würden, hatte bis kurz vor der Abstimmung angehalten. Als der polnische Konferenzpräsident Michal Kurtyka den Konferenzhammer hob und um Zustimmung bat, schaute er nach links, dann nach rechts – und seine Gesichtszüge froren ein, als ihm zugeflüstert wurde, Indiens Verhandlungsführer habe noch einen Redebeitrag angemeldet – der wurde dann aber schriftlich eingereicht. Damit war das Regelbuch beschlossen, an dem drei Jahre lang gearbeitet worden war.  (mit cm/ss/bb)

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