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Flüssigerdgas - LNG Erdgas aus Übersee – eine sehr umstrittene Lösung

Die Alternative zur Kohle ist nicht unbedingt klimafreundlicher, vor allem nicht, wenn Fracking dabei zum Einsatz kommt.

Fracking
Sieht so die Zukunft aus? Eine Hochdruckgasleitung kreuzt einen Kanal. Foto: afp

Als im vergangen Jahr die ersten Tanker aus den USA mit verflüssigtem Erdgas in europäischen Häfen einliefen, sprachen viele vom Beginn einer neuen Ära. Präsident Trumps Ankündigung, die Welt mit Rohstoffen aus seinem Land zu versorgen, schien aufzugehen. Weil die USA einen Gas-Überschuss haben, könnten sie bald zum größten Gasexporteur aufsteigen, hieß es.

Möglich wurde der Exporttraum durch die Fracking-Technologie, bei der unter hohen Druck Wasser und Chemikalien in tiefe Gesteinsschichten gepresst werden. Das so geförderte Schiefergas gibt es in Nordamerika in großer Menge, was in den vergangenen Jahren für einen Erdgasboom sorgte und laut Experten nun mit Trump wieder einen Aufschwung erlebt. In Form von LNG (liquefied natural gas, Flüssigerdgas) ist nun auch der Export per Schiff möglich. Dazu wird das Gas auf minus 162 Grad Celsius heruntergekühlt, sodass es flüssig wird und nur noch ein Sechshundertstel seines ursprünglichen Volumens hat. 

Die Export-Lust in Übersee wird durch die Politik in Europa zusätzlich befeuert. Denn LNG ist auch hier auf Wachstumskurs. Erdgas sei ein „innovativer, kostengünstiger und klimaschonender Energieträger“, wirbt die deutsche Initiative „Zukunft Erdgas“. Weil es auf den ersten Blick klimafreundlicher ist, sollen Kraftwerke, Schiffe und Lastwagen auf Erdgas umgestellt werden. Beispiel Verkehr: Erdgasfahrzeuge verursachen bis zu 25 Prozent weniger CO2 als Benziner. Feinstaub und Stickoxidemissionen werden fast vollständig vermieden. Gegenüber der Kohle liege der „Klimavorteil“ laut Erdgasbranche auch bei Betrachtung der Vorkettenemissionen bei über 40 Prozent. Eigentlich überzeugende Gründe, warum die EU Erdgas als „Brückentechnologie“ fördert. Mit Milliardenhilfen aus Brüssel entstehen nicht nur Pipelines, sondern auch zahlreiche Hafenanlagen für den Import von LNG.

Darauf stellt sich nun auch die deutsche Wirtschaft ein. So schloss das Energieunternehmen Uniper Abnahmeverträge für Erdgas mit dem kanadischen Gaskonzern Pieridae Energy. Die Kanadier bauen ebenfalls an einem LNG-Terminal. Vom dem kanadischen Hafen soll ein Teil der Gasexporte nach Europa kommen, bestätigte Uniper.

Was den Zahlen nach sinnvoll erscheint, ist für viele Umweltschützer eine Katastrophe. „Die Nutzung von LNG als Energieträger ist extrem teuer und klimaschädlich“, wettert Regine Richter, Energie-Campaigerin bei der Umweltorganisation Urgewald. „Die zusätzliche Energie, die benötigt wird, um das Gas zu verflüssigen, zu exportieren und wieder in den Ursprungszustand zu versetzen, verschlechtert die Klimabilanz von LNG erheblich.“

Tatsächlich gibt es bisher nur wenige Studien, wie gut oder schlecht LNG wirklich fürs Klima ist. So kommt es darauf an, wo und wie das Erdgas gefördert, über welche Strecke es mit dem Schiff transportiert wird und wie es dann weiterverarbeitet wird. Größtes Klimaproblem sind laut Experten die Methanlecks in Leitungen und an Bohrstellen. Methan, Hauptbestandteil von Erdgas ist laut Weltklimarat IPCC für etwa ein Viertel der menschengemachten Erderwärmung verantwortlich.

„Zukunft Erdgas“ zitiert aus einer Studie des europäischen Verbandes für Erdgasfahrzeuge NGVA, wonach die Vorketten-Emissionen von verflüssigtem Erdgas um fast 60 Prozent höher sind als bei Pipelinegas. Urgewald verweist wiederum auf eine Studie des Umweltnetzwerks Friends of the Earth, nach der die Emissionen von LNG und auch von längeren Pipelines mindestens doppelt so hoch sind wie bei regional verbrauchtem Erdgas.

Nicht einkalkuliert sind in beiden Berechnungen die möglichen Methanverluste beim Gas-Fracking. Forscher vermuten, dass bisherige Schätzungen über den Umfang dieser Leckagen in dramatischer Weise zu niedrig angesetzt sind. So melden laut der US-Umweltorganisation Environmental Defense Fund nur drei Prozent der Gasunternehmen überhaupt Daten über Methanlecks an ihren Förderstätten. 

Der Erdgasverband glaubt allerdings an eine „kontinuierliche Reduzierung der Vorkettenemissionen von Erdgas“. So seien die Emissionen beim Pipelinetransport innerhalb von drei Jahren durch Modernisierungen um rund zehn Prozent gesunken.

Doch Umweltorganisationen kritisieren nicht nur LNG, sondern lehnen auch neue Pipelines ab. „Der Bau neuer Infrastruktur zieht die Erschließung neuer Gasfelder nach sich“, warnt Regine Richter von Urgewald. „Im noch verbleibenden CO2-Budget ist dafür kein Platz mehr, wenn wir es mit dem Paris-Vertrag ernst meinen.“

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