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Fidschi und der Klimagipfel Ein Zeichen für das Pariser Klimaabkommen setzen

Nazhat Shameem Khan steht vor einer schweren Aufgabe. Auf dem Klimagipfel ist sie Chefverhandlerin für ihr Heimatland Fidschi – dort ist sie allerdings nicht unumstritten.

Fidschi
Der Schutzwall des Dorf Narikoso auf der Fidschi-Insel Ono hält das steigende Meereswasser aus dem Südpazifik nicht mehr auf. Mehrere Häuser der Gemeinde müssen weg von der Küste umgesiedelt werden. Foto: dpa

Es ist zwar sehr kalt hier, aber ich freue mich darauf, etwas vom ‚Geist Fidschis‘ nach Bonn zu bringen.“ Nazhat Shameem Khan sprüht vor Begeisterung. Der 56-Jährigen mit den kurzen schwarzen Haaren ist auch nach Monaten der Klimagipfel-Vorbereitung keine Müdigkeit anzumerken. „Es war bereichernd, so viele Menschen aus aller Welt zu treffen, die sich für Klimaschutz engagieren“, schwärmt sie.

Dabei steht ihr eine schwierige Aufgabe bevor. Ihr Heimatland Fidschi richtet in diesem Jahr den UN-Klimagipfel aus. Und sie wird als Chefverhandlerin die Gespräche leiten. Es ist die erste Klimakonferenz, seit die USA verkündet haben, aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen zu wollen. Nicht nur, dass technische Grundlagen für die Verhandlungen im kommenden Jahr erarbeitet werden müssen. Shameem Khan hat sich auch vorgenommen, ein starkes Zeichen für das Pariser Klimaabkommen zu setzen – und das, während die USA noch mit am Verhandlungstisch sitzen. Wie will sie das schaffen? Bei der Frage wirkt sie gelassen, denn sie hat etwas aus ihrem Heimatland mitgebracht: Talanoa. Shameem Khan erklärt es so: „Bei Talanoa teilt man Geschichten über seine eigenen Erfahrungen miteinander. Das baut Vertrauen auf und hilft Lösungen zu finden.“

Frauenanteil in Klimaverhandlungen erhöhen

Bisher hat sie damit gute Erfahrungen gemacht: „Bei einem Vorbereitungstreffen habe ich klare Rückmeldung von den anderen Staaten bekommen, dass sie sich einen Talanoa-Dialog wünschen.“

Eine Herzensangelegenheit ist für sie der Gender-Action-Plan, der auf dem Gipfel verabschiedet werden soll. Es geht vor allem darum, den Frauenanteil in den Klimaverhandlungen zu erhöhen. Im vergangenen Jahr waren nicht einmal 20 Prozent der Delegationsmitglieder Frauen. Shameem Khan weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, als erste Frau in einer Männerdomäne zu arbeiten. Sie war 1999 die erste Richterin am Obersten Gerichtshof in Fidschi. Zuvor hatte sie in Großbritannien Jura studiert und ebenfalls als erste Frau die oberste Anklagebehörde in Fidschi geleitet.

In ihrem Land ist Shameem Khan, die seit 2014 ständige UN-Botschafterin von Fidschi in Genf ist, nicht unumstritten. Ihr wird vorgeworfen, als Richterin den Militärputsch legalisiert zu haben, mit dem der heutige Präsident Voreqe Bainimarama im Jahr 2006 an die Macht kam. Sie beruft sich allerdings auf eine Abmachung, nach der die Gerichte während solcher Vorkommnisse weiterarbeiten sollten. Bainimarama, der auch den Klimaverhandlungen vorsitzt, wurde 2014 im Amt bestätigt – in einer demokratischen Wahl, die internationale Beobachter als fair und korrekt einstuften. 

Was die Konferenz angeht, freut sich Shameem Khan besonders auf die Zusammenarbeit mit Deutschland, das Fidschi bei der Ausrichtung unterstützt. Auch mit Polen wird sie kooperieren, denn im polnischen Katowice findet die nächste Klimakonferenz statt.

Fidschi und Polen - ein ungleiches Paar

Ein ungleicheres Paar als das direkt vom Klimawandel bedrohte Entwicklungsland Fidschi und das Kohleland Polen, das innerhalb der EU immer wieder schärfere Klimagesetze blockiert, ist fast nicht vorstellbar. Aber Shameem Khan bleibt auch hier ruhig und entschieden. Für Polen gelte das Gleiche wie für US-Präsident Donald Trump: „Eine Sache, die ich gelernt habe, ist, dass bei der Klimabilanz kein Land perfekt ist. Es ist aber sehr wichtig, dass wir zusammenarbeiten. Das ist die Bedeutung von Talanoa!“

Bei so viel Optimismus ist der einzige Grund, weshalb sie sich nicht auf den Gipfel freut, ihr Geburtstag. Der ist nämlich am 16. November, in der heißesten Verhandlungsphase, zwei Tage vor Ende des Gipfels. „Ich habe noch keine Pläne zu feiern“, sagt sie und lacht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier UN-Klimakonferenz Fidschi/Bonn

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