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Extremsommer „Vom Klimaschutz verabschiedet“

Der Klimaforscher Mojib Latif kritisiert die deutsche Umweltpolitik, sie tut viel zu wenig.

Hitze in Japan
Frauen schützen sich in Tokio mit Schirmen vor der Sonne. In Japan gab es einen historischen Hitzerekord mit über 41 Grad. Foto: afp

Herr Latif, gefällt Ihnen der Sommer?
Ich freue mich auch darüber, dass wir einen sonnigen Sommer haben und dass ich hemdsärmelig auf der Terrasse sitzen kann. Ich habe aber auch den anderen Blick auf unser Wetter, den des Klimaforschers. Die Daten sind eindeutig, es wird wärmer in Deutschland, in allen Jahreszeiten.

Der Deutsche Wetterdienst hat eine „Hitzewarnung“ herausgegeben. Ist das aktuelle Wetter denn überhaupt ungewöhnlich?
Als Einzelereignis nicht. Aber solche Wettersituationen häufen sich in den letzten Jahrzehnten. Hitzetage mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius nehmen deutlich zu so wie auch Tropennächte, in denen die Temperatur nicht mehr unter 20 Grad fällt. Und dann dürfen wir nicht vergessen, dass wir schon seit April außergewöhnlich warme Temperaturen messen.

Gehören die Waldbrände in Schweden, Lettland und Griechenland ebenfalls zu dieser Entwicklung?
Ja. Die Temperaturen nehmen auch in den anderen Regionen Europas zu. Dazu kommt noch die Sommertrockenheit. Das zusammen ist der ideale Nährboden für Waldbrände.

Die EU-Kommission hat erklärt: „Die Feuer in Schweden zeigen, dass der Klimawandel real ist.“ Kann man das so apodiktisch formulieren?
Natürlich hat es schon früher hin und wieder Feuer in Schweden gegeben. Wir haben jetzt aber eine Situation, die es so noch nie gegeben hat – seit Wochen diese Hitze mit Temperaturen von 30 Grad bis hinauf zum Polarkreis. Der Klimawandel hat sicherlich mit zu der Dramatik der gegenwärtigen Situation beigetragen.

Es werden Erinnerungen wach an den Hitzesommer 2003, der auch viele negative Folgen hatte – europaweit bis zu 70 000 vorzeitige Todesfälle, vor allem unter alten und kranken Menschen. Könnte es nun wieder so kommen?
Das steht noch nicht fest. Es ist aber durchaus möglich, weil die momentane Hitzewelle früher eingesetzt hat als die von 2003, die erst im August begann.

Auch aus anderen Weltregionen kommen Meldungen über extremes Wetter – zum Beispiel der historische Hitzerekord mit über 41 Grad in Japan. Dort hat es vor kurzem auch extreme Regenfälle und Überflutungen gegeben.
Das verwundert nicht, denn wir sprechen ja vom globalen Klimawandel. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Asyldebatte sollten wir endlich auf couragierten Klimaschutz setzen. Klimaschutz ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Bekämpfung von Fluchtursachen.

Ausgerechnet der „Klimaweltmeister“ Deutschland ist unter der „Klimakanzlerin“ Merkel zum Nachzügler geworden, der sein CO2-Reduktionsziel für 2020 verfehlt. Sehen Sie eine Chance für einen Politikwechsel?
Es ist tragisch, dass sich Deutschland de facto vom Klimaschutz verabschiedet. Das Thema hat schon im letzten Bundestagswahlkampf keine Rolle gespielt. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD steht nichts Konkretes zum Klimaschutz. So scheint man nicht gewillt zu sein, zügig aus der schmutzigen Braunkohle auszusteigen. In diesem Schneckentempo wird man das 2030er Ziel auch nicht erreichen können, nämlich die Treibhausgas-Emissionen um 55 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Gerade wegen des US-Präsidenten Donald Trump braucht es jetzt Länder, die beim Klimaschutz vorangehen. Die Zivilgesellschaft ist jetzt gefragt, es muss mehr Duck von unten kommen. Nur so haben wir auch den Atomausstieg geschafft.

Interview: Joachim Wille

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