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Ernte-Schäden Was Hitze und Trockenheit auf den Feldern anrichten

Kartoffeln, Bohnen, Futter für die Kühe: Die Hitze sorgt für massive Ernte-Ausfälle – außer bei den Winzern, sie freuen sich auf die Lese und einen guten Wein.

Trockenheit im Weinberg
Perfekter Sommer für den Weinanbau: Ein bayerischer Winzer bei der Arbeit (Symbolbild). Foto: dpa

Die Wintergerste musste schon im Juni gedroschen werden, die Kühe im Stall werden gerade mit Sprinklern berieselt oder mit Lüftern gekühlt – anhaltende Hitze machen vielen Landwirten schwer zu schaffen. Der Deutsche Bauernverband befürchtet die „schlechteste Ernte“ des Jahrhunderts. Bis auf wenige Ausnahmen im Süden sei das gesamte Bundesgebiet betroffen. Im Norden und Osten des Landes gebe es „zum Teil Ernteausfälle bis zu 70 Prozent“.

Verbandspräsident Joachim Rukwied fordert im Gespräch mit der FR von der Politik deswegen den Ausruf des Notstands und – als erste Schätzung – eine Milliarde Euro Dürrehilfe. Damit sollen nach Rukwieds Plan Landwirte entschädigt werden, die 30 Prozent weniger Ernte einfahren als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Zweitens müsse eine steuerfreie Rücklage zum Risikoausgleich geschaffen werden. Die Branche sei hart im Nehmen und Schwankungen bei den Erträgen gewöhnt. „Aber 50, 60, 70 Prozent, das geht über das übliche unternehmerische Risiko hinaus. Das können viele Betriebe nicht tragen“, sagt Rukwied.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) zeigte sich am Montag besorgt. Sie kündigte aber an, bis Ende August mit einer Entscheidung über Entschädigungen warten zu wollen. Dann soll der Erntebericht vorliegen. Schon jetzt aber zeichnen sich Leidtragende und Profiteure ab. Verbraucher müssen sich auf Preissteigerungen gefasst machen. Ein Überblick:

Milch: Bei den Milchbauern führt die Dürre zur Futterknappheit. Besonders der Norden und Osten des Landes, hier vor allem Brandenburg, sind betroffen. Viele Milchbauern griffen schon jetzt auf Vorräte zurück, die eigentlich für den Winter gedacht seien, erklärt Hans Foldenauer vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter. Zwar helfe das über den Sommer – unbeantwortet bliebe aber die Frage: „Wie bringen wir die Tiere über den Winter?“

Für die Betriebe seien Futterzukäufe unvermeidbar. Leisten könne sich das aber kaum jemand in der Branche – durch wiederkehrende Krisen und einen anhaltend niedrigen Milchpreis seien Höfe schon lange nicht mehr in der Lage, Rücklagen zu bilden. Trotzdem schließt sich Foldenauer nicht der Forderung des Bauernverbandes nach Dürrehilfen an. „Der Ruf nach Steuergeld hilft uns nicht wirklich weiter.“ Stattdessen plädiert er für einen aus seiner Sicht nachhaltigeren Hebel: „Die Preise für Milch müssen nach oben.“ Zehn Cent pro Liter mehr würden helfen – und den durchschnittlichen Verbraucher im Monat lediglich drei Euro mehr kosten.

Ähnlich sieht es die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Der Vorstand habe Molkereien, Schlachthöfe und Lebensmittelketten schriftlich zur Solidarität mit den betroffenen Bauern aufgefordert, teilte die AbL am Montag mit. Bauernverbands-Präsident Rukwied findet Forderungen nach Preisanstiegen in Deutschland hingegen unrealistisch, dafür präge der globale Handel die Preise zu stark.

Kartoffeln: Die Haupternte für Kartoffeln beginnt in der Regel Ende August oder Anfang September. Schon jetzt ist für Horst-Peter Karos, Experte vom Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK), aber klar: „Es wird eine deutliche Preissteigerung bei Kartoffeln, Pommes, Chips und allen anderen Kartoffelprodukten geben.“

Die Pflanzen reagieren sensibel auf die Hitze und stellen ihr Wachstum ein. Schon jetzt verzeichneten Betriebe Ernteausfälle von über 25 Prozent. Und für die Herstellung von Pommes seien die kleinen Knollen nicht geeignet. „Beregnung“, also Wässern, ist für viele Landwirte ebenfalls keine Option mehr. Denn sie benötigen dafür eine Genehmigung der Behörden. So sollen die Trinkwasserbestände geschützt werden. Angesichts der anhaltenden Dürre gäbe es in den meisten Regionen keinerlei Aussicht darauf.

Bohnen und Erbsen: Ähnlich dramatisch sieht es laut BOGK bei den Herbstgemüsen Bohnen und Erbsen aus. Der Ernteausfall liegt hier sogar bei 30 bis 50 Prozent. Besonders die großen Anbaugebiete im Rheinland sind betroffen, ebenso wie die Felder in den Nachbarländern Belgien und Niederlande. Ein Preisanstieg scheint unvermeidbar.

Wein: Bei den Winzern hat die Sonne die Trauben so schnell reifen lassen, dass sie schon bald geerntet werden. „Wir haben in diesem Jahr den frühesten Lesetermin aller Zeiten“, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Schon seit Montag würden die Trauben für Federweißen gepflückt, Ende August beginne die Hauptlese für andere Weinsorten. Damit sei man der normalen Entwicklung bis zu drei Wochen voraus. Zwar hätten Winzer vielerorts bewässern müssen, dank ihrer bis zu 15 Meter langen Wurzeln könnten Reben aber Wasserreserven anzapfen, die andere Pflanzen nicht erreichen. Im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Bereichen beten die Winzer zur Lese für einen trockenen Herbst: „Herbstregen wäre das Schlimmste.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Heiße Zeiten

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