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Erneuerbare Energien Die Klimavorreiter in Chile

Als „Paradies für erneuerbare Energien“ könnte Chile zum Vorbild werden – auch für Deutschland. Besuch in Lateinamerikas erstem Solarwärmekraftwerk.

Solarwärmekraftwerk in der Atacama-Wüste
Inmitten der Atacama-Wüste im Norden Chiles entsteht das erste Solarwärmekraftwerk Lateinamerika - und zugleich eines der größten weltweit. Foto: afp

Wenn Rainer Schröer an die Zeit vor 2014 zurückdenkt, ist er immer noch fassungslos. „Die haben sich benommen wie Betonköpfe“, erinnert sich der Energieexperte über seine Gespräche in chilenischen Behörden, die er im Auftrag der deutschen Bundesregierung für Wind- und Sonnenkraft begeistern sollte. Brauchen wir nicht, geht nicht, zu teuer – das habe er immer wieder gehört, erzählt er. 

Doch nun steht Schröer mitten in der Atacama-Wüste im Norden Chiles vor einem riesigen Turm, der am Boden von tausenden Spiegeln umringt wird. Hier entsteht das erste Solarwärmekraftwerk Lateinamerikas, zugleich eines der größten weltweit. Die Anlage ist so etwas wie das Leuchtturmprojekt der mittlerweile eingeleiteten chilenischen Energiewende. Das Land geht dabei allerdings völlig andere Wege als Deutschland und könnte damit ein Vorbild sein: In Chile gibt es für Ökostrom keinerlei Subventionen.

„Chile ist ein Paradies für erneuerbare Energien“, sagt Schröer, Leiter des Energieprogramms der bundeseigenen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die im Auftrag des Bundesumweltministeriums Chile beim Klimaschutz berät. Nach Berechnungen, die die GIZ gemeinsam mit dem chilenischen Energieministerium angestellt hat, verfügt das Land bei Wasser-, Wind- und Sonnenenergie über ein Potenzial von fast zweitausend Gigawatt, das ist das Zehnfache der insgesamt in Deutschland installierten Kraftwerkskapazität. Vor allem die Stärke der Sonne ist hier enorm: Nirgends auf der Welt hat sie eine größere Intensität als im Norden Chiles – auch nicht in der Sahara oder den arabischen Wüsten.

Bis 2014 wurde jedoch nur die Wasserkraft genutzt, überwiegend im Süden des Landes. Den Strombedarf des 17-Millionen-Volkes und der riesigen Kupferminen im Norden des Landes deckten weitgehend Kohle- und Gaskraftwerke, obwohl die Brennstoffe teuer aus dem Ausland importiert werden müssen. Der Widerstand im Land gegen Solar- und Windanlagen lässt sich allerdings auch erklären: Die energiehungrigen Minen brauchen Energie rund um die Uhr, was mit Sonne und Wind nicht ohne weiteres funktioniert. Setzt man Ökostrom ein, benötigt man ein intelligent gesteuertes Netz. Zudem müssen die Hochspannungsleitungen ausgebaut werden, um bei Bedarf den Strom aus dem Süden in den Norden zu transportieren. Das erfordert – wie in Deutschland – hohe Investitionen.

Begeisterung ist wichtig

Schröer und seine Kollegen versuchten es mit Überzeugungsarbeit, insbesondere setzten sie auf die Begeisterungsfähigkeit der Ingenieure. Mitarbeiter des chilenischen Netzkoordinators brachte er zum Beispiel mit dem großen deutschen Netzbetreiber 50Hertz zusammen, der demonstrieren konnte, wie sich der Ökostrom integrieren lässt. Seit dem Sieg der Mitte-Links-Partei von Michelle Bachelet bei den Präsidentschaftswahlen 2014 ist der massive Ausbau der erneuerbaren Energien nunmehr offizielles Regierungsziel. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll von jetzt 43 Prozent bis 2050 auf 70 Prozent steigen. Energieminister Andreas Rebolledo hält sogar 90 Prozent für realistisch, egal welche Regierung an der Macht ist. „Die Energiepolitik ist von ganz rechts bis ganz links Konsens“, sagt er.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier UN-Klimakonferenz Fidschi/Bonn

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