Lade Inhalte...

Erderwärmung Mehr Klimaschutz wird dringend benötigt

Eine Begrenzung der Erderwärmung auf die wichtige Schwelle von 1,5 Grad ist kaum noch zu schaffen.

Korallen
Die Weltmeere werden immer wärmer und saurer – die Korallenriffe wie vor Australien leiden schwer darunter. Foto: dpa

Er ist eines der wichtigsten wissenschaftlichen Dokumente des Jahres: der Sonderbericht des Weltklimarats IPCC zum 1,5-Grad-Limit beim Klimawandel. Seine endgültige Fassung wird im Herbst vorliegen; bis Ende vergangener Woche konnten Experten den bisher vorliegenden internen Entwurf kommentieren. Eine erste Version der Zusammenfassung des Berichts gelangte jetzt an die Öffentlichkeit. 

Der durchgesickerte Text ist ein Warnruf an die Menschheit – auch wenn der Weltklimarat betont, dass der Sonderbericht noch weiterbearbeitet werde und sich „noch substanziell ändern“ könne. An den grundlegenden Aussagen jedoch dürfte sich wenig ändern.

Dem Bericht zufolge wird es der Menschheit sehr wahrscheinlich nicht gelingen, die Erderwärmung in diesem Jahrhundert unter 1,5 Grad Celsius zu halten. Zu viele Emissionen haben sich bereits in der Atmosphäre angesammelt, zu drastisch müsste der Treibhausgasausstoß ab sofort sinken, um das verbleibende Emissionsbudget nicht zu sprengen.

Schreitet die Erderwärmung voran wie bisher, so die Wissenschaftler, wird die Welt das 1,5-Grad-Limit in den 2040er Jahren überschreiten. Momentan zeigt das globale Thermometer eine Erwärmung um ein Grad Celsius an. Das 1,5-Grad-Limit steht deshalb im Zentrum der Aufmerksamkeit, weil sich die Weltgemeinschaft 2015 mit dem Pariser Klimaabkommen auf Druck der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder dazu verpflichtet hat, die Erderwärmung auf „deutlich unter zwei Grad Celsius“ zu begrenzen, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad.

Der IPCC-Sonderbericht vergleicht, welche Folgen eine Erderwärmung um 1,5 Grad gegenüber zwei Grad hat. Die Erkenntnisse der Wissenschaft: Schon die 1,5 Grad sind mit erheblichen Risiken verbunden: Die Korallenriffe in den Tropen drohen zu verschwinden, die Arktis könnte jedes Jahr im September eisfrei sein – mit weiteren Folgen für das Klimasystem. Extremwetterereignisse wie tropische Megastürme, Starkregen und Dürren nehmen weiter zu. Auch besteht bereits bei 1,5 Grad das Risiko, dass die Eisschilde auf Grönland und in der Antarktis kollabieren und damit den Meeresspiegel in den kommenden Jahrhunderten unwiderruflich um mehrere Meter steigen lassen.

Für die anstehenden UN-Klimaverhandlungen Ende des Jahres werde der 1,5-Grad-Bericht eine wichtige Funktion haben, ist Susanne Dröge von der Stiftung Wissenschaft und Politik überzeugt. „Er wiederholt, wie dringlich der Klimaschutz ist, und damit wird der Druck – vor allem aus der Zivilgesellschaft – auf die Klimaverhandlungen steigen“, so Dröge. „Es wird dringend mehr Klimaschutz vor 2020 benötigt.“

Trotz dieser Hiobsbotschaften hat die Menschheit den Forschern zufolge ihr Schicksal noch immer in der eigenen Hand. Um das 1,5-Grad-Limit doch einzuhalten, müssen die Emissionen in ausnahmslos allen Sektoren schneller und stärker sinken als jemals zuvor. „Es gibt keine historische Vorlage für das Ausmaß des Wandels im Energiesektor, in der Landnutzung, in den Städten und in der Industrie, das die Welt auf dem 1,5-Grad-Pfad halten könnte“, so der Berichtsentwurf.

Um mindestens eine 50-zu-50-Chance zu haben, das 1,5-Grad-Ziel zu schaffen, darf die Welt, gerechnet ab 2016, nur noch zwölf bis 16 Jahre Treibhausgase im heutigen Umfang in die Atmosphäre ausstoßen; danach müssen die Emissionen komplett auf null sinken. 

Davon sind die heutigen Klimapläne der Staaten allerdings noch meilenweit entfernt. „Ich erwarte“, sagt Susanne Dröge, „dass wir eine zugespitzte Debatte über die Risiken des ungebremsten Klimawandels und die Risiken eines konsequenten Klimaschutzes bekommen werden.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen