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Engagement Der Klimaforscher und seine Enkelin

James Hansen und Sophie Kivlehan reden den Regierungen ins Gewissen.

Sophie Kivlehan und James Hansen bei der Pressekonferenz Climate Matters der NGO UPFSI in der Bula Z
Sophie Kivlehan und ihr Großvater James Hansen in Bonn. Foto: imago

Zwischen den Delegierten in Anzügen oder folkloristischer Kleidung fällt ein ungleiches Gespann auf der Weltklimakonferenz in Bonn auf: Neben einer jungen Frau mit Jeans, weitem Pulli und offenem Haar läuft ein Mann mit Falten im Gesicht und Schlapphut auf dem Kopf über das Bonner Konferenzgelände. Er ist ihr Großvater, der renommierte Klimaforscher James Hansen.

Ihre Mission: die klimafeindliche Politik des US-Präsidenten Donald Trump stoppen. Während Hansen seit 30 Jahren mit Wissenschaftsstudien für die Anerkennung der Folgen des Klimawandels kämpft, verklagt seine Enkelin Sophie Kivlehan zusammen mit weiteren 20 Kindern und Jugendlichen und der Organisation Our Children’s Trust die US-Regierung. „Unser Leben und unsere Freiheit werden beschädigt“, sagt Kivlehan über die fossile Industrie. Künftige Generationen würden weniger Freiheiten haben, weil sie etwa wegen des Meeresspiegelanstiegs und Superstürmen nicht wüssten, wo sie leben werden.

Sophies Großvater warnt seit Jahrzehnten vor dem Kohlenstoffdioxidausstoß. Geschichte geschrieben hat seine Rede vor dem US-Senat 1988. Damals erklärte er, dass die Rekordtemperaturen in jenem Jahr keineswegs im Rahmen der natürlichen Schwankungen lägen. 1988, damals war seine Enkelin noch nicht geboren, ergriff eine beispiellose Hitzewelle die USA: Dürren zerstörten die Ernten, der Yellowstone Park brannte, Tausende Menschen starben. Mit Hansen zog erstmals ein leitender US-Wissenschaftler öffentlichkeitswirksam die Verbindung zwischen Klimawandel und dem Verbrennen fossiler Ressourcen durch den Menschen. Einen Tag nach der Anhörung titelte die „New York Times“: „Die Erderwärmung hat begonnen.“ Etliche Senatoren forderten drastische Maßnahmen.

29 Jahre später hat die Erhitzung des Planeten immer dramatischere Folgen: Neue Temperaturrekorde, immer stärkere Wirbelstürme. Der 76-jährige Hansen hat im Laufe der Jahre die Seiten gewechselt: vom Forscher zum Aktivisten. Als Grund gab er an: Seine Enkelkinder sollten nicht zurückschauen und über ihn sagen: Er hat verstanden was passiert ist, aber er hat es nie klar ausgedrückt.

"Euer Handeln reflektiert nicht eure Worte"

Sophie Kivlehan wurde schon früh durch ihren Großvater, dem Klima-Guru, für den Klimaschutz sensibilisiert. Zu Our Children’s Trust kam Kivlehan über Hansen, die Anwälte der Organisation baten den Klimaforscher um seine Expertise. „Als ich davon gehört habe, wollte ich dabei sein“, sagt Kivlehan, die sich – wie ihr Großvater – für Wissenschaft interessiert.

Um klare Worte ist auch Sophie nicht verlegen, nur die Röte in ihrem Gesicht zeigt, wie neu es für sie ist, vor Dutzenden Journalisten aus aller Welt zu sprechen. Den Regierungen der Welt wirft sie Heuchelei vor: „Trotz all der Versprechen haben sie schrecklich wenig unternommen, um das Entstehen des katastrophalen Klimawandels zu verhindern“, sagt Kivlehan. Doch die Teenagerin, die von diesem Herbst an aufs College gehen wird, ist optimistisch, dass sich das angesichts ihrer Klage bald ändern wird. 

„Wir berufen uns auf die amerikanische Verfassung“, sagt Kivlehan. Darin verpflichte sich das amerikanische Volk, das Wohl für die Nachkommen zu bewahren. „Unsere Verfassungsrechte werden verletzt, weil die Erwachsenen die Luft und den Boden belasten.“ Seit 2015 läuft die Klage vor einem Bezirksgericht in Oregon, im Frühjahr soll das Gericht entscheiden – allerdings versucht die Regierung, sie noch zu verzögern. Kivlehan und ihr Großvater versprechen sich im Idealfall, dass ein CO2-Preis in den Vereinigten Staaten kommt.

„Seht, was uns die Erwachsenen für ein Durcheinander hinterlassen. Geld scheint ihnen wichtiger zu sein als die Zukunft ihrer Kinder“, sagt Kivlehan. Und dann richtet sie sich direkt an die Generation ihres Vaters und Großvaters: „Erwachsene, ihr sagt, ihr liebt uns! Aber euer Handeln reflektiert nicht eure Worte!“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier UN-Klimakonferenz Fidschi/Bonn

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