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Energiewende Windparks legen kräftig zu

Die Offshore-Branche will ihr Image als teuere Energielieferanten loswerden. Der Trend ist unübersehbar: Die grünen Kraftwerke können bald gegenüber den fossilen Stromerzeugern bestehen.

Offshore
Windkraft-Anlage nordwestlich der Insel Borkum. Foto: rtr

Die Nachricht sorgte vor einem halben Jahr für Aufregung: Der schwedische Staatskonzern Vattenfall verkündete, dass er die Ausschreibung des Windparks „Kriegers Flak“ in der dänischen Ostsee gewonnen hatte. „Kriegers Flak“ soll mit 600 Megawatt das bislang größte Offshore-Projekt in Dänemark werden. Kostenpunkt: 1,3 Milliarden Euro. Mit dem Strom kann rechnerisch der Bedarf eines Viertels der dänischen Haushalte gedeckt werden. Das alles aber war nicht die eigentliche Überraschung – sondern: Der schwedische Staatskonzern gewann die Ausschreibung von „Kriegers Flak“ mit einem Gebot von nur 4,99 Cent je Kilowattstunde. Der Strompreis ist der bis dato niedrigste, für den sich ein Unternehmen verpflichtet, einen Windpark im Meer zu bauen und zu betreiben. Zum Vergleich: Bei den letzten Ausschreibungen für Solarstrom in Deutschland ging die Kilowattstunde für weniger als sieben Cent weg.

Auch wenn in Deutschland noch kein Solarpark für die sieben Cent in Betrieb gesetzt wurde und auch „Kriegers Flak“ erst 2021 Strom liefern soll – der Trend ist unübersehbar: Die grünen Kraftwerke und gerade der Windstrom vom Meer können bald gegenüber den fossilen Stromerzeugern bestehen.

Auf diese Entwicklung bauen derzeit auch die Klimaschützer weltweit, wenn sie der Rückwärtswende von US-Präsident Trump bei der Kohle keinen großen ökonomischen Erfolg prophezeien: Den Wechsel zu erneuerbaren Energien könne auch Trump nicht stoppen, meinte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan in dieser Woche und verwies auf die sinkenden Kosten erneuerbarer Energien. Als ein klares Signal, dass die Kosten weiter nach unten gedrückt werden, sieht auch Andreas Wagner, Geschäftsführer der Stiftung Offshore-Windenergie, die 4,99 Cent von „Kriegers Flak“. Er erwartet, dass die Kosten für den Offshore-Strom hierzulande deutlich nach unten gehen werden. Die Branche habe inzwischen eine „erhebliche Lern- und damit eine Kostenkurve hinter sich“.

Ein Grund dafür ist, dass die unter den komplizierten Bedingungen des offenen Meeres gebauten Stückzahlen der Windanlagen kräftig zugelegt haben. Wurden 2012 im ganzen Jahr erst rund 100 Fundamente für Windanlagen in den Meeresgrund gerammt, stieg deren Zahl in den Folgejahren um das Zwei- bis Dreifache. Wie bei einer „Massenfertigung“ treibt das die Kosten nach unten. Auch werden die Anlagen immer größer. 2016 lag die Nennleistung neuer Anlagen im Schnitt bereits bei 5,2 Megawatt, im kommenden Jahr sollen dann schon 8-Megawatt-Türme zur Verfügung stehen.

Dennoch sei in Deutschland das Preisniveau von „Kriegers Flak“ nur „schwer darstellbar“, schränkt Wagner ein.

So können in Dänemark die Windparks näher an der Küste stehen. Hierzulande haben die Offshore-Projektierer zudem die Kosten der Genehmigungen mitzutragen. In diese Verfahren und die Projektentwicklung flössen zweistellige Millionenbeträge, klagt Wagner. In Dänemark und den Niederlanden übernehme dagegen der Staat viele dieser Aufgaben und gebe den Firmen praktisch eine fertige Genehmigung in die Hand. Auch ist nach Ansicht der Branche in Deutschland die finanzielle Sicherheitsleistung, die zur Beteiligung an den Offshore-Ausschreibungen beizubringen ist, deutlich zu hoch.

 Die Unterschiede zu anderen Ländern und viele der „versteckten“ Kosten würden oft nicht genug berücksichtigt, wenn vom „teuren Offshore-Strom“ die Rede ist, bekommt man aus der Branche zu hören. Dass der gefühlte Preis so hoch ist, liegt aber auch an der besonders schwer zu verstehenden EEG-Förderung in diesem Bereich.

Andreas Wagner erwartet aber, dass sich in der ersten Runde der laufenden ersten Offshore-Ausschreibung Projekte durchsetzen werden, die „einstellige“ Strompreise bieten. Die Differenz zwischen der jetzigen EEG-Förderung von zehn bis 13 Cent und dem „einstelligen“ Preis kann die Politik dann als Einsparung bei den Kosten für die EEG-Förderung präsentieren. Der Preis dafür scheint aber hoch und klimapolitisch kontraproduktiv zu sein. Denn um die 3100 Megawatt Offshore-Wind, die 2017 und 2018 insgesamt ausgeschrieben werden, „streiten“ sich gut zwei Dutzend Projekte mit zusammen 7000 bis 8000 Megawatt Nennleistung.

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass wohl mehr als die Hälfte der Projekte früher oder später beerdigt werden muss, darunter möglicherweise auch solche, die schon im Bau sind. Der Kostensenkungseffekt durch die Ausschreibungen geht so an anderer Stelle wieder verloren. Angesichts dessen verwundert es nicht, dass die Offshore-Branche mit der deutschen Erneuerbaren-Politik hadert.

Für Wagner ist aber schon das nationale Klimaschutzziel für 2020 mit minus 40 Prozent Treibhausgas gegenüber 1990 „schwer erreichbar“. Deutschland müsse deshalb bei den Erneuerbaren deutlich nachlegen, auch beim Offshore-Ausbau. In den Niederlanden etwa sei nach 2023 ein Zubau von 1000 Megawatt geplant – pro Jahr.

Der Windpark „Kriegers Flak“ wird übrigens, wenn er in Betrieb geht, nicht wie hierzulande üblich über eine Umlage durch die Stromkunden finanziert, sondern aus dem nationalen Steueraufkommen von Dänemark. Dafür hat die Europäische Kommission just in dieser Woche dem Land grünes Licht gegeben. Windstrom für 4,99 Cent rückt näher.

Jörg Staude ist Journalist beim Online-Magazin klimaretter.info, mit dem die FR die Berichterstattung zu Klima und Umwelt intensiviert.

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