Lade Inhalte...

CO2-Ausstieg „Man kann nicht wieder zurück“

Klimafolgenforscher Anders Levermann lobt das Ergebnis von Paris und fordert Wirtschaft und Entwicklungsländer zum Umdenken auf.

Lautstark mahnten Umweltschützer während des Gipfels in Paris die Politiker. Foto: dpa

Herr Levermann, reicht es aus, was in Paris beschlossen wurde?
Paris war ein enormer Erfolg. Es ist viel mehr herausgekommen, als zu erwarten war. Es gibt die klare Aussage: Wir müssen deutlich unter zwei Grad globaler Erwärmung bleiben. Und sogar das Ziel, die Temperatur möglichst bei plus 1,5 Grad zu stabilisieren. Entscheidend ist das Signal, dass in den nächsten Jahrzehnten ein CO2-Ausstieg erfolgen muss. Die Industrie fordert seit langem eine langfristige Vorgabe, wohin die Energie-Reise geht. Die hat sie jetzt bekommen. Der Treibhausgas-Ausstoß muss auf Null sinken.

Gibt es eine realistische Chance, dass die Regierungen ihre nationalen CO2-Ziele schnell genug verschärfen, um das Zwei-Grad-Erwärmungslimit einzuhalten?
Durchaus – dank der Pflicht, die nationalen CO2-Pläne alle fünf Jahre zu überprüfen und zu verschärfen. Es ergibt sich ein klarer Weg zur Dekarbonisierung. Man kann nicht wieder zurück.

Das Ziel sind 1,5 bis zwei Grad, aber die Regierung haben CO2-Pläne eingereicht, die die Erwärmung bestenfalls etwas unter drei Grad drücken ...
Richtig, die Diskrepanz ist noch groß. Wenn wir unter zwei Grad bleiben wollen, dürfen wir global noch 1000 Milliarden Tonnen CO2 ausstoßen. Würden die nationalen Ziele nicht verändert, hätten wir bis 2030 schon 800 davon emittiert, es bliebe nur noch ein kleiner Rest. Das wäre wie: weiter Gas geben, um dann plötzlich brachial auf die Bremse treten. Das funktioniert nicht. Wenn die Industrie aber das Signal der Konferenz aufnimmt, dass Kohlekraftwerke und Verbrennungsmotoren die Technologien der Vergangenheit sind, kann die CO2-Kurve schon ab 2020 steil nach unten gehen.

Ist das 1,5 Grad-Limit überhaupt machbar?
Das Limit strikt zu halten, ist kaum drin. Denn dann schrumpfte das restliche CO2-Budget von 1000 auf 500 Milliarden Tonnen. Die wären vor 2030 ausschöpft. Man kann aber ein zeitweises Überschreiten der 1,5 Grad tolerieren und dann die Temperatur zu senken versuchen, in dem man der Atmosphäre wieder CO2 entzieht – etwa durch Aufforstung oder CO2-Verpressung in die Erde per CCS-Technik. Bei CCS muss aber noch geklärt werden, ob es sicher funktioniert.

Länder wie China, Indien und Südafrika wollen noch Hunderte Kohlekraftwerke bauen.
Sie dürfen nicht mehr gebaut werden. Die Länder sind gut beraten, den wachsenden Strombedarf durch die preiswert gewordenen erneuerbaren Energien zu decken. Das bringt eine doppelte Dividende. Denn Kohle ist nicht nur CO2-reich, sie verursacht auch extreme Gesundheitsschäden – siehe den Smog in China und Indien. Besonders Peking scheint hier umzudenken. Das brächte eine enorme Nachfrage für Öko-Energien. Davon würde auch die deutsche Industrie profitieren.

Und wie ist es mit der Atomkraft?
Einige Länder wie China setzen trotz der Sicherheits- und Endlagerpobleme darauf. Für eine globale Strategie taugt die Atomkraft aber nicht. Uran ist endlich, man müsste über kurz oder lang überall auf Plutonium umsteigen. Und die Gefahren, die damit verbunden sind, will niemand.

Interview: Joachim Wille

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen