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„Club of Rome“ Notfall-Plan für die Erde

Der Thinktank „Club of Rome“ macht Vorschläge, wie die globale Erwärmung noch zu bremsen wäre.

Earthrise
An Weihnachten 1968 fotografierten die Astronauten der "Apollo 8"-Mission den Erdaufgang. Das Bild gilt als "spirituelle Entstehung der Umweltbewegung" und zeigt sehr gut, warum wir auf den Planeten Erde aufpassen müssen: Aus dem All betrachtet, ist er sehr fragil. Foto: NASA / Bill Anders

Der Thinktank Club of Rome (CoR) hat einen „Klima-Notfall-Plan“ veröffentlicht, mit dem die globalen Treibhausgas-Emissionen bis 2030 halbiert und bis 2050 auf Null heruntergefahren werden sollen. Ziel der Initiative ist es, einen katastrophalen Klimawandel noch zu verhindern und das 1,5-Grad-Erwärmungslimit zu halten. In dem Zehn-Punkte-Plan fordert der Club unter anderem den Stopp der Suche nach neuen Erdöl-, Erdgas- und Kohle-Lagerstätten sowie des Baus von Kohlekraftwerken ab 2020, ein Verbot von Verbrennungsmotoren in Neuwagen ab 2030, großflächige Aufforstungen und einen neuen Indikator für die Wohlstandmessung anstelle des Bruttosozialprodukts.

Die CoR-Experten glauben, dass ein solcher „Weckruf“ an Regierungen, Unternehmen und Bürger notwendig ist, um die Schwere der Bedrohung durch die globale Erwärmung klar zu machen. „Klimawandel ist keine zukünftige Gefahr mehr, er betrifft heute bereits Milliarden Menschen rund um den Erdball und jede Volkswirtschaft.“ Den USA alleine drohten nach dem jüngsten nationalen Klimareport Ende des Jahrhunderts Verluste von jährlich mehreren hundert Millionen Dollar, und weltweit würden bereits bis 2050 rund 140 Millionen Klimaflüchtlinge erwartet.

Der Club, der 1972 durch seinen Report „Die Grenzen des Wachstums“ bekannt wurde, hat den Notfall-Plan jetzt im Europarlament in Straßburg vorgestellt. Hauptziel ist eine stark beschleunigte Transformation des Energiesystems. So sollen neben dem Stopp des weiteren Ausbaus der fossilen Energien in zwei Jahren sukzessive auch die staatlichen Subventionen dafür gestrichen werden, die laut dem UN-Umweltprogramm Unep weltweit rund 600 Milliarden Dollar jährlich betragen – in den Industriestaaten im Zeitraum 2020 bis 2025 und in den Entwicklungsländern bis 2030. Die Regierungen werden aufgefordert, die frei werdenden Finanzmittel in die Förderung der erneuerbare Energien und der Energieeinsparung zu stecken.

Mindestpreise und Steuern für CO2

Flankiert soll das alles mit fiskalischen Maßnahmen: Die Regierungen werden aufgefordert, Mindestpreise für das Treibhausgas CO2 und CO2-Steuern einzuführen, deren Aufkommen in Öko-Projekte, die Senkung anderer Steuern oder den sozialen Ausgleich fließt. Zudem sei es nötig, Arbeitern und Angestellten aus den fossilen Energiesektoren, die ihre Arbeitsplätze wegen der Energiewende verlieren, und den betroffenen Regionen – etwa den Kohlerevieren – Finanzhilfen für den Strukturwandel zu geben. Es müsse eine „gerechten Übergang“ in diesen Regionen geben.

Der Plan sieht weiter vor, die weltweiten Kapazitäten für Wind- und Solarenergie künftig alle vier Jahre zu verdoppeln und die Investitionen in Erneuerbare Energien bis 2025 zu verdreifachen. In den Industrieländern sollen neue Gebäude und Renovierungen ab 2030 nur noch im Passivhaus-Standard ausgeführt werden, und die CO2-Flottenlimits für Autos und Lkw sollen bis 2030 um mindestens 50 Prozent und bis 2040 um 80 Prozent gesenkt werden. Ein weiterer Schwerpunkt des CoR-Konzepts ist die Landnutzung. Gefordert wird unter anderem eine „klimasmarte“ Landwirtschaft gemäß dem entsprechenden Konzept der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, eine Verdreifachung der globalen Investitionen in Wiederaufforstung und Erhaltung von Mooren und die Sanierung ausgelaugter Böden.

Neben diesen Punkten hält es der Club für notwendig, das weltweite Bevölkerungswachstum unter Kontrolle zu halten, um auch so den Druck auf Klima und Naturressourcen zu begrenzen. Derzeit leben 7,6 Milliarden Menschen auf der Erde, erwartet wird ein Anstieg auf rund zehn Milliarden Mitte des Jahrhunderts. Empfohlen werden in den Entwicklungsländern bessere Bildungschancen für Kinder, besseren Zugang zu Verhütungsmitteln für Mädchen und Frauen und generell eine optimierte Familienplanung.

Der Ehrenpräsident des Thinktanks, Anders Wijkman, unterstrich die Dramatik der Lage bei der Veröffentlichung des „Notfall-Plans“. Vor 40 Jahren habe der „Grenzen“-Report des Club die Welt auf die bevorstehenden ökologischen und demografischen Herausforderungen aufmerksam gemacht. „Heute sehen wir, dass das exponentielle Wachstum von Bevölkerung und Konsum seit Jahrzehnten mit den Grenzen der Biosphäre der Erde kollidiert.“ Notfallmaßnahmen seien heute „wichtiger als je zuvor“.

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