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China Wo der Klimawandel schon sichtbar ist

Die Wüsten in China bereiten sich aus. In den vergangenen 50 Jahren haben sich die jährlichen Sandstürme in China versechfacht.

04.12.2015 15:01
Finn Mayer-Kuckuk
Ein Sandsturm fegt über China hinweg. Foto: rtr

Der Sand knirscht zwischen den Zähnen und kratzt im Hemdkragen: Ein Sandsturm am Rande der Steppe nordwestlich von Peking lässt sich auch mit geschlossenen Augen wahrnehmen. Wer die Augen aufmacht, sieht die Landschaft wie durch eine gelb gefärbte Milchglasscheibe. Kaum jemand verlässt an so einem Tag das Haus. Die Wüste lebt nicht nur, sie wächst leider auch. Die Zahl der jährlichen Sandstürme in China hat sich in den vergangenen 50 Jahren versechsfacht. Ein knappes Drittel der chinesischen Landfläche ist bereits zu trocken, um hier etwas anzubauen, schreibt die Chinesische Wissenschaftsakademie in einem Bericht. Das ist sieben Mal die Fläche Deutschlands.

Etwa ein Fünftel der Wüstenbildung geht auf den Klimawandel zurück, schätzt Qi Feng vom Forschungsinstitut für Kalte und Trockene Regionen in der westchinesischen Stadt Lanzhou. Binnenseen vertrocknen, die Oasen entlang der alten Seidenstraße in den Provinzen Qinghai und Xinjiang verdorren. Eine knappe halbe Milliarde Menschen sind betroffen.

China stemmt sich zugleich mit aller Macht gegen die Ausbreitung des Sandes. In Peking ist es Pflicht jedes Bürgers, einmal im Jahr im Umland Bäume zu pflanzen, um dort den kostbaren Boden festzuhalten. Schon Ende der 70er-Jahre fing die Aufforstung der kargen Region an – der Reformer Deng Xiaoping wollte eine „Große Grüne Mauer“ errichten, um die Wüsten aufzuhalten.

Seitdem haben Gärtner und engagierte Bürger Millionen von Bäumen gepflanzt. Heute sind es – ganz modern – gentechnisch veränderte Pflanzensorten, die besonders wenig Wasser brauchen und mit ihren Wurzeln das Erdreich besonders gut festhalten.

Das Programm zeigt Erfolg. Die Wüstenfläche ist im vergangenen Jahr unterm Strich um 1700 Quadratkilometer geschrumpft. Während sie sich an mehreren Fronten wegen Trockenheit ausgedehnt hat, konnten die Schutz- und Pflanzprogramme andernorts verlorenes Territorium in grünes Land zurückverwandeln – vor allem da, wo es menschliche Eingriffe waren, die das Land veröden ließen.

Langfristig, da sind sich Experten sicher, lässt sich die Wüstenbildung jedoch nur verlangsamen, nicht aufhalten.

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