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Arktis 1,5 Grad würden Eisschmelze überhaupt erst verlangsamen

Die UN-Klimakonferenz von Paris gab 2015 vor, die Erderwärmung „deutlich unter“ zwei Grad halten zu wollen. Laut einer aktuellen Studie wäre eine Verpflichtung auf 1,5 Grad allerdings besser für das Eis der Arktis.

03.04.2018 13:06
Eisbären auf Spitzbergen
Symbol für den arktischen Klimawandel: Eine Eisbärmutter mit ihrem Jungtier auf einer schmelzenden Eisscholle. Foto: imago

Wissenschaftler schlagen Alarm: Selbst bei Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels wird das arktische Eis verschwinden. Bei einer Klimaerwärmung von zwei Grad Celsius wäre der Arktische Ozean Berechnungen zufolge etwa alle vier Jahre in den Sommermonaten eisfrei, heißt es in zwei am Montag in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ veröffentlichten Studien. Eisfrei bedeutet nach wissenschaftlicher Definition eine Eisfläche von weniger als einer Million Quadratkilometern.

Eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter hätte dagegen laut den Studien deutliche Effekte: Demnach wäre der Arktische Ozean nur etwa alle 40 Jahre eisfrei. Das 1,5-Grad-Ziel war auf der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris auf Druck der besonders stark vom Klimawandel betroffenen Staaten in den Vertragstext eingefügt worden. Demnach soll die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad, mindestens aber auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden.

Schon das 1,5-Grad-Ziel gilt als kaum einhaltbar

Alexandra Jahn, Autorin einer der beiden Studien und Forscherin an der Colorado Universität in Boulder, sagte, sie habe nicht erwartet, dass ein halbes Grad „so einen großen Unterschied“ machen würde. Allerdings halten Experten das Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, für kaum noch einhaltbar.

Im vergangenen Sommer schrumpfte das Eis in der Arktis auf 4,64 Millionen Quadratkilometer; damit war die Fläche zwar noch deutlich größer als im bislang verlustreichsten Jahr 2012 (3,39 Millionen Quadratkilometer), aber die Langzeitentwicklung ist laut Forschung eindeutig: Die Eisfläche im arktischen Sommer ging insgesamt um 40 Prozent zurück.

Besonders dramatisch an dieser Entwicklung ist, dass der Verlust nicht nur eine Folge, sondern zugleich ein Beschleuniger der Klimaerwärmung ist. Denn statt der Sonnenlichtreflexion durch das Eis kommt es verstärkt zur Absorption durch die an Größe zunehmenden eisfreien dunklen Wasserflächen - und damit zu einer weiteren Erwärmung des Ozeans. Jüngste Studien haben gezeigt, dass es am Nordpol an manchen Wintertagen inzwischen um rund zehn Grad wärmer ist als in Europa oder Nordamerika.

Beim noch größeren Schreckensszenario einer globalen Erwärmung um drei Grad wäre der zweiten Studien zufolge sogar jeden Sommer mit einer eisfreien Arktis zu rechnen, wie das Klimamodell kanadischer Forscher zeigt. (afp)

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