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Klimawandel "Wir müssen uns auf die Folgen vorbereiten"

Dürren, Überschwemmungen, Stürme – in Potsdam diskutieren internationale Klimaforscher über die Auswirkungen der globalen Erwärmung. Manche Regionen planen bereits Maßnahmen für die Zukunft.

30.05.2013 16:30
Es braut sich etwas zusammen: Sintflutartige Regenfälle könnte es in Zukunft häufiger geben. Foto: Sean R. Heavey

Dürren, Überschwemmungen, Stürme – in Potsdam diskutieren internationale Klimaforscher über die Auswirkungen der globalen Erwärmung. Manche Regionen planen bereits Maßnahmen für die Zukunft.

Auf der „Impacts World 2013“ treffen sich diese Woche in Potsdam Wissenschaftler aus aller Welt, um über die Folgen des Klimawandels zu sprechen.

Herr Schewe, in Berlin hört man derzeit oft den Satz „Ich merke nichts vom Klimawandel. Es ist zu kalt.“ Ist da was dran?

Wenn mir in Pankow oder Schöneberg an dem einen Tag kalt ist und an dem anderen warm, dann ist das einfach Wetter – nicht Klima. Der Klimawandel wird in viel längeren Zeiträumen beobachtet, das Minimum sind 30 Jahre. Und wenn wir von globaler Erwärmung sprechen, dann ist der weltweite Durchschnitt gemeint. Wenn es bei uns kalt ist, kann Australien gerade unter einer Hitzewelle leiden. Hinzu kommt: Es gibt Hinweise darauf, dass extreme Kälteperioden im Winter durchaus auch mit dem Klimawandel zusammenhängen könnte.

Inwiefern?

Das hat mit der Eisschmelze in der Arktis zu tun. Da es dort weniger Eis gibt und die Ozeane freiliegen, verändern sich unter bestimmten Bedingungen die großen Luftströmungen – und wir bekommen nicht immer, aber öfter mal mehr kalte Luft ab. Das könnte es in Zukunft noch häufiger geben. Die kalte Luft fließt aus der Arktis über Russland Richtung Deutschland.

In Potsdam treffen Sie gerade auf Klimaforscher aus der ganzen Welt. Wie ist die Stimmung bei den Kollegen?

Es ist tatsächlich etwas anderes, auf internationaler Ebene zu diskutieren, denn dann wird klar, dass andere Regionen den Klimawandel bereits viel deutlicher spüren. Das gilt vor allem für Südostasien. In Thailand wird bereits im Parlament diskutiert, ob es möglich ist, die Hauptstadt Bangkok zu verlegen, weil die Menschen dort immer stärker mit Überschwemmungen zu kämpfen haben. Es wird dort bereits in großem Stil darüber diskutiert, wie man die Infrastruktur des Landes an die Klimafolgen anpassen kann. Auch in Afrika und Indien sind die Menschen stärker betroffen als in Europa, weil jede Veränderung des Klimas Auswirkungen auf die Landwirtschaft und damit die Nahrungsgrundlage der Menschen hat.

"Eine Eiszeit wird es nicht geben"

Gibt es auf dieser Konferenz auch Klimaskeptiker?

Nein. Ich bin zumindest noch keinem begegnet. In den letzten 20 Jahren wurde viel über die Fragen diskutiert: Gibt es den Klimawandel? Was hat ihn verursacht? Wie stark wird sich das Klima erwärmen? Diese Fragen sind heute weitgehend geklärt. Dass es den Klimawandel gibt, haben voneinander unabhängige Forschergruppen immer wieder bestätigt. Auch darüber, dass die globale Erwärmung menschengemacht ist, wird nicht mehr diskutiert. Das ist eine Tatsache.

Gilt diese Einigkeit auch für das Ausmaß der globalen Erwärmung?

Ja – inklusive verbleibender Unsicherheiten. Wenn wir weiterhin so viele Treibhausgase ausstoßen, dann landen wir in 100 Jahren bei vier bis sechs Grad Erwärmung. Das genauer einzugrenzen, ist schwierig.

Wie würde die Welt dann in 100 Jahren aussehen?

Extreme Wetterereignisse werden zunehmen. Es wird mehr Starkregen und Überschwemmungen geben, mehr Stürme, Dürren und Hitzewellen, die ja auch in Deutschland zu Todesfällen führen.

Es gibt auch Stimmen, die behaupten, wir steuern in eine neue Eiszeit.

Die wird es nicht geben. Die Erde wackelt ein bisschen bei ihrem Kurs um die Sonne. Dadurch verändert sich die Entfernung zur Sonne, mal ist sie näher, mal weiter weg. Die Folge sind Warm- und Kaltzeiten. Aber das passiert über sehr lange Zeiträume – Hunderttausende von Jahren. Darüber brauchen wir im Moment nicht zu reden. Selbst wenn von heute auf morgen alle CO2 -Emissionen wegfielen, würden wir auf einem Grad über dem Niveau vor der Industrialisierung bleiben.

Welche Rolle spielt die Sonnenaktivität beim Klimawandel?

Wir wissen sehr sicher, dass die Sonnenaktivität nicht der Grund für die globale Erwärmung ist. Sie nimmt eher ab als zu.

In Potsdam wird vor allem über die Folgen des Klimawandels gesprochen. Haben Sie die Hoffnung aufgegeben, ihn einzudämmen?

Was zu tun ist, um die Erwärmung einzudämmen, ist bereits klar. Wir müssten weltweit die CO2 -Emissionen zurückfahren. Hierüber entscheiden aber Gesellschaft und Politik, nicht Wissenschaftler. Wir können nur sagen: Wenn wir das Zwei-Grad-Ziel noch einhalten wollen, müssen wir in den nächsten fünf Jahren den Gipfel der globalen Emissionen erreicht haben. Im Moment steigen sie aber munter weiter. Die Klimaforschung muss zweigleisig fahren. Wir müssen auch erforschen, wie sich der Klimawandel regional auswirkt und wie man mit den Folgen umgeht.

Das Gespräch führte Alice Ahlers.

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