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Klimawandel Kanada ohne Eishockey?

Wegen des Klimawandels droht den Kanadiern ihre liebstes Outdoor-Vergnügen abhanden zu kommen: das Eishockey. Hockeylegenden wie Wayne Gretzky sind auf improvisierten Freiluft-Plätzen groß geworden, die jetzt zu verschwinden drohen.

In Zukunft unmöglich? Der kanadische Volkssport Outdoor-Eishockey. Foto: REUTERS

Die Kanadier haben es derzeit bekanntlich nicht eilig mit dem Klimaschutz. Sie sind aus dem Kyoto-Protokoll ausgestiegen, pusten Jahr für Jahr mehr Treibhausgase in die Luft und frönen mit ihren Ölsanden einer besonders klimaschädlichen Form der Energieerzeugung. Nicht wenige Kanadier halten die Erderwärmung für eine Art Spuk, der hoffentlich wieder von selbst verschwindet.

Doch nun kommen in Kanada selbst eingefleischte Klimaskeptiker ins Grübeln. Einer neuen Studie zufolge könnte die globale Erwärmung den Kanadiern nämlich ausgerechnet eines ihrer liebsten Outdoor-Spiele wegnehmen: das Eishockey.

Wayne Gretzky wird auf Freiluft-Plätzen groß

Ein Match unter freiem Himmel gehört zur kanadischen Identität wie das Ahornblatt oder der rot-uniformierte Polizist. Jeden Winter jagen Millionen Kanadier auf Eisflächen in Gärten, Stadtparks oder Hinterhöfen dem Puck hinterher. Hockeylegenden wie Wayne Gretzky sind auf improvisierten Freiluft-Plätzen groß geworden, in jeder größeren Stadt gibt es Hunderte davon.

Womöglich sind ihre Tage gezählt. Das sagen jedenfalls Wissenschaftler der McGill und Concordia Universitäten aus Montréal. Mittels Klimamodellen haben sie errechnet, dass es in vielen Regionen Kanadas schon ab Mitte dieses Jahrhunderts wahrscheinlich kaum noch Hinterhof-Plätze geben wird. Für das Geburtsland des Eishockey sei dies eine bittere Erkenntnis, meinte Damon Matthews, einer der Autoren.

Die Forscher haben Daten von 142 Wetterstationen im ganzen Land untersucht: Danach ist die Freiluftsaison für Eishockey vor allem im Süden und Westen des Landes schon heute um 20 bis 30 Prozent kürzer als noch in den fünfziger Jahren. In diesem Zeitraum sind in Kanada die Temperaturen im Schnitt um 2,5 Grad Celsius gestiegen, in den Ballungszentren ist es wegen der industriellen Abwärme noch mehr.

Nur noch mit technischer Hilfe zu erhalten

Hält der Trend an, könnten in Städten wie Calgary oder Winnipeg in schon vierzig Jahren viele Eisflächen nur noch mit technischer Hilfe aufrecht erhalten werden, schreiben die Autoren. Damit sich auf natürlichen oder gefluteten Flächen im Freien eine tragende Eisfläche bilden kann, muss es laut Forschern an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen rund um die Uhr kälter als minus fünf Grad Celsius sein. Solche Kälteabschnitte aber gibt es auch in Kanada weniger als früher, besonders in den Großstädten.

Wie sich das anfühlt haben die Bewohner Ottawas erst dieses Jahr schmerzlich zu spüren bekommen. Die Hauptstadt beherbergt auf dem Rideau-Kanal die mit acht Kilometern längste Eisbahn der Welt. Diesen Winter war die Strecke wegen des milden Wetters nur an 28 Tagen geöffnet - so kurz wie seit langem nicht mehr. Das populäre Winterlude-Festival im Februar fiel buchstäblich ins Wasser.

Nicht ausgeschlossen, dass die schmelzenden Stadien auch bei Premierminister Stephen Harper Eindruck hinterlassen. Der konservative Politiker gilt zwar als ausgewachsener Klimaskeptiker, pflegt aber wie kein Regierungschef vor ihm die Hockey-Leidenschaft. Harper besucht regelmäßig Spiele seines Lieblingsclubs Toronto Maple Leafs, tritt als Kommentator bei Fernsehübertragungen auf und schreibt an einem Buch über die Geschichte des Nationalsports. Sollte sich Kanada irgendwann einmal wieder stärker um den Klimaschutz bemühen, könnte es nicht zuletzt am Eishockey liegen.

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