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Holz als Energiequelle Viel Holzbedarf bedroht Umwelt

Der Ertrag der Wälder dient immer öfter der Energiegewinnung. In den kommenden Jahren soll die Holzernte in Deutschland wegen des wachsenden Interesses drastisch ansteigen. Experten warnen vor den drohenden Umweltfolgen.

17.02.2012 16:38
Von Karl Urban
Die Wälder dürfen nicht mehr hergeben als nachwächst. Foto: IMAGO

Die Nachfrage nach Holz ist so groß, dass es knapp wird. Immer mehr Nutzer drängen sich um den begrenzten Ertrag der Wälder in Deutschland, der besonders wegen seines Brennwerts immer interessanter wird. Holz deckt schon heute mehr als 60 Prozent der regenerativ gewonnenen Primärenergie.

Im September 2011 stellte die Bundesregierung deshalb eine neue Waldstrategie vor, die vorsieht, deutlich mehr Holz zu schlagen. Die Waldbesitzer sollen zwar nach den Regeln der Nachhaltigkeit nicht mehr ernten, als jährlich nachwächst, aber das theoretische Potenzial möglichst voll ausschöpfen. Das bedeutet, dass die Holzernte in den kommenden neun Jahren um 40 Prozent zulegen müsste.

In den meisten Forsten konnte der Holzeinschlag bisher problemlos ansteigen. Verantwortlich dafür ist die derzeit sehr günstige Altersstruktur der Wälder: Der Durchschnittsbaum, eine 50 Jahre alte Fichte, steht in der produktivsten Phase seines Lebens. Doch schon bald wird er in seine zweite Lebenshälfte übertreten, wo er deutlich langsamer emporstrebt. Danach sinkt allmählich auch die Zahl der Erntefestmeter, die aus den Wäldern entnommen werden kann.

Wertvolle Kronen

Deshalb warnen nicht nur Umweltschützer, sondern auch Forstwirte davor, den Einschlag wesentlich zu erhöhen. Denn die Wachstumszyklen der Wälder dauern Jahrzehnte und nur sie bestimmen, wie viel Holz ihnen entnommen werden kann. „Man hat in der Vergangenheit weniger genutzt, als nachgewachsen ist“, sagt Hermann Spellmann, der die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen leitet. „Wegen des günstigen Altersaufbaus der Bestände lässt sich der Holzeinschlag in den kommenden Jahren zwar weiter erhöhen, müsste danach aber wieder zurückgefahren werden.“

Dabei geht es nicht darum, wieder mehr Monokulturen aus Nadelholz anzubauen. Diese sind besonders anfällig gegenüber schweren Stürmen und Schädlingen und könnten erst in einigen Jahren den Mehrbedarf decken. Deutlich schneller ginge es dagegen, ab sofort nicht nur die Stämme, sondern auch die Kronen der Bäume vollständig zu nutzen. Reisig, Rinde, Nadeln und Blätter enthalten mehr als 20 Prozent der gesamten Biomasse eines Baumes, aus denen sich etwa Holzhackschnitzel herstellen ließen.

Doch in der Krone stecken auch besonders viele Nährstoffe, die der Baum während seines Lebens dem Boden entzogen hat. Wenn die zurückgelassenen Kronen nun nicht mehr auf dem Waldboden verrotten, werden dem Ökosystem dauerhaft Stickstoff, Phosphor oder Kalium entzogen, die anderen Bäumen fehlen dürften.

Hermann Spellmann sieht trotzdem ein begrenztes Potential für die Vollbaumnutzung. Sein Institut schließt derzeit eine Studie ab, die einen kleinen Teil deutscher Waldböden als geeignet kennzeichnen dürfte. Dazu gehören Gegenden um alte Vulkanregionen wie den hessischen Vogelsberg, die von selbst genügend Nährstoffe bereitstellen. Sandige Böden wie in Brandenburg kommen dagegen kaum in Frage.

Seite 2: Holzplantagen als Mittel gegen den drohenden Engpass?

In den letzten Jahren wurden viele Wälder naturnah bewirtschaftet, um die Artenvielfalt zu erhöhen. Denn eine besonders artenreiche Flora und Fauna bildet sich erst, wenn viel Altholz liegenbleibt und am Waldboden verrottet – und wenn die Bäume ein hohes Alter erreichen dürfen.

Naturschutzverbände fordern, einen kleinen Teil der Wälder sogar völlig unbewirtschaftet zu lassen, so dass auch mehr ältere Bäume erhalten bleiben. Zumindest für fünf Prozent aller Waldflächen und zehn Prozent der Wälder in Staatsbesitz soll das offiziell ab 2020 gelten, wenn die von der Bundesregierung unterzeichnete Konvention über die Biologische Vielfalt in Kraft tritt.

Plantagen statt Weiden

Doch dies passt kaum zusammen mit dem erklärten Ziel, den Wäldern mehr Holz abzuringen. „In dem Moment, wo wir stärker und massiver Holz einschlagen, sehen wir, dass parallel diese alten Waldflächen unter Druck geraten und verschwinden“, fürchtet Jörg-Andreas Krüger vom Naturschutzbund Deutschland.

Einen Teil des Mehrbedarfs könnten vielleicht Holzplantagen tragen. Statt Getreide pflanzen Landwirte dafür speziell gezüchtete Pappeln und Weiden auf ihre Äcker, die schon nach wenigen Jahre erntereif sind. Aber auch weil solche Plantagen mit der Nahrungsproduktion konkurrieren, spielen sie heute noch keine Rolle. Dabei gibt es Ideen, wie der Konflikt gelöst werden könnte.

Der Forstwissenschaftler Albrecht Bemmann von der Technischen Universität Dresden schlägt vor, ungenutztes Weideland teilweise zu Holzplantagen umzuwidmen. Und damit auch ökologische Wirkungen zu erzielen. Auch auf Plantagen könnten sich viele Arten zurückziehen – anders als auf Weiden sogar im Winter. Es werde der Atmosphäre Kohlenstoff entzogen, und verglichen mit Ackerland müssten viel geringere Düngermengen ausgebracht werden.

Am Ende jedoch dürften selbst massiv ausgebaute Holzplantagen den zu erwartenden Engpass nur abmildern: Das Deutsche Biomasse-Forschungszentrum sagt voraus, dass im Jahr 2020 rund 35 Millionen Kubikmeter Holz auf dem deutschen Markt fehlen werden. Das entspricht etwa der Holzmenge, die vor Beginn des Energieholzbooms insgesamt geschlagen wurde.

Der Bedarf an Energieholz wird sogar den der traditionellen Holzindustrie übersteigen. Dabei sind es gerade Möbel oder das Gebälk von Gebäuden, die der Atmosphäre deutlich länger Kohlenstoff entziehen und so den Treibhauseffekt abmildern könnten.

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